Das ist doch ein abscheulicher Wind heuer, sagte Eleseus und wendete sich ab und wischte sich die Augen. Der kleine Sivert weinte offenherziger, er konnte sich nicht beherrschen, sondern rief: Ach, der arme alte Bock!

Als der Bock gestochen war, trat Isak zu seinen Kindern und gab ihnen folgende Lehre: Ihr sollt nie ein Schlachtopfer bedauern und nicht armes Tier sagen. Denn sonst wird es nur lebenszäher. Vergeßt das nicht!

So waren die Jahre vergangen, und abermals näherte sich der Frühling.

Inger hatte wieder geschrieben, daß sie es gut habe und in der Anstalt sehr viel lerne. Ihr kleines Kind sei jetzt ein großes Mädchen, sie heiße Leopoldine nach dem Tag ihrer Geburt, dem 15. November. Sie könne alles und sei ein wahres Genie im Häkeln und Nähen, alles sei wunderschön gearbeitet, einerlei, ob auf Stoff oder Stramin.

Das Merkwürdige an diesem letzten Brief war, daß Inger ihn selbst buchstabiert und geschrieben hatte. Isak war nicht so geschickt, er mußte sich den Brief beim Händler im Dorf vorlesen lassen; aber als er ihn erst im Kopf hatte, saß er auch fest darin, und als Isak heimkam, konnte er ihn auswendig.

Nun setzte er sich mit großer Feierlichkeit oben an den Tisch, breitete den Brief aus und las ihn seinen Jungen vor. Oline sollte auch gerne sehen, daß er Geschriebenes fließend lesen konnte, aber sonst richtete er nicht einmal das Wort an sie. Als er fertig war, sagte er: Da könnt ihr hören, du, Eleseus, und du, Sivert, eure Mutter hat diesen Brief selbst geschrieben und hat alles mögliche gelernt. Und euer kleines Schwesterchen kann jetzt schon mehr als wir alle miteinander. Vergeßt das nicht, Jungen! — Die Kinder saßen ganz still da und wunderten sich. — Ja, das ist großartig, sagte Oline.

Was meinte sie damit? Zog sie Ingers Wahrhaftigkeit in Zweifel? Oder traute sie Isaks Vorlesen nicht? Olines wahre Meinung war nicht leicht zu ergründen, wenn sie mit ihrem sanften Gesicht so dasaß und Zweideutigkeiten sagte. Isak beschloß, sie gar nicht zu beachten.

Und wenn eure Mutter nun heimkommt, dann müßt ihr auch schreiben lernen, sagte er zu den beiden Kindern.

Oline machte sich mit ein paar Kleidungsstücken zu schaffen, die am Ofen zum Trocknen hingen, schob einen Kessel hin und her, hängte die Kleidungsstücke wieder um und tat überhaupt sehr geschäftig. Aber sie überlegte die ganze Zeit. — Wenn es dann so großartig hier im Walde wird, dann hättest du auch ein halbes Pfund Kaffee kaufen und mitbringen können, sagte sie. — Kaffee? sagte Isak, das Wort entfuhr ihm unwillkürlich. — Oline antwortete ruhig: Bis jetzt habe ich immer ein wenig von meinem eigenen Geld gekauft.

Kaffee, der für Isak ein Traum und ein Märchen war, ein Regenbogen! Oline spottete natürlich, er wurde nicht böse auf sie; aber schließlich fiel dem langsam denkenden Mann Olines Tauschhandel mit den Lappen ein, und er sagte zornig: Ja, ich werde dir Kaffee kaufen! Ein halbes Pfund hast du gesagt? Du hättest ein ganzes Pfund sagen sollen. Es soll wahrlich nicht fehlen. — Du brauchst nicht so zu spotten, Isak, sagte sie. Mein Bruder Nils hat Kaffee, und drunten bei Bredes auf Breidablick haben sie Kaffee. — Jawohl, denn sie haben keine Milch, gar keine Milch. — Nun, das weiß ich nicht, und es ist mir auch einerlei. Aber du, der so viel weiß und Geschriebenes so gut lesen kann wie eine Renntierkuh laufen, du weißt wohl, daß es jetzt in allen Häusern Kaffee gibt. — Kreatur! sagte Isak.