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Nun ist alles gut. Isak sät seinen Hafer, eggt ihn und führt die Walze darüber. Leopoldine kommt heraus und will auf der Walze sitzen. Was, auf einer Walze sitzen — sie ist so klein und kennt so was gar nicht, ihre Brüder wissen es besser, es ist ja kein Sitz auf Vaters Walze.

Aber den Vater freut es, daß die kleine Leopoldine zu ihm herkommt und schon so zutraulich ist; er redet mit ihr und sagt, sie müsse vorsichtig auf den Acker treten, damit sie nicht die Schuhe voll Erde bekomme. Ja, und was seh ich, du hast wahrhaftig heute ein blaues Kleid an! Laß mich sehen, ja gewiß, es ist blau. Und einen Gürtel hast du daran und alles miteinander. Kannst du dich an das große Schiff erinnern, auf dem du hergefahren bist? Hast du die Maschine darin gesehen? Ja, jetzt geh nur mit deinen Brüdern hinein, dann spielen sie mit dir.

Seit Oline abgezogen ist, hat Inger ihre alte Arbeit in Haus und Stall wieder übernommen. Sie übertreibt es vielleicht ein wenig mit der Reinlichkeit und Ordnung, um zu zeigen, daß die Dinge jetzt eine andere Art bekommen sollen, und es war auch merkwürdig, welche große Veränderung bald mit allem vorging, sogar die Glasscheiben in der Viehgamme wurden gewaschen und die Stände gescheuert.

Aber das war nur in den ersten Tagen, in der ersten Woche so, dann ließ Inger nach. Eigentlich war es nicht nötig, im Stall alles so blitzblank zu machen, die Zeit konnte besser angewendet werden. Inger hatte in der Stadt viel gelernt, und dieses Wissen sollte ihr nun zugute kommen. Sie nahm wieder Spinnrad und Webstuhl in Gebrauch, und wahrlich, sie war noch geschickter und flinker geworden, etwas zu flink, hui! besonders für Isak, wenn er ihr zusah; er begriff nicht, daß ein Mensch es lernen konnte, so mit seinen Fingern umzugehen, diese langen, hübschen Finger an Ingers großer Hand! Aber mittendrin gab Inger die eine Arbeit auf und machte sich an eine andere. Jawohl, sie hatte jetzt verschiedenes mehr zu besorgen als früher und in größerem Umfang, vielleicht war sie auch nicht ganz so geduldigen Herzens wie einst, etwas Unruhe hatte sich ihr wohl ins Herz geschlichen.

Gleich zuerst waren da die Blumen, die sie mitgebracht hatte, es waren Knollen und Ableger, kleine Leben, an die auch gedacht werden mußte. Die Fenster waren zu klein dafür, die Gesimse zu schmal, man konnte da keine Blumentöpfe aufstellen, sie hatte auch keine Töpfe, und Isak mußte ihr ganz kleine Kästen für Begonien, Fuchsien und Rosen anfertigen. Und überdies genügte auch ein Fenster nicht, was war ein Fenster für eine ganze Stube!

Und außerdem, sagte Inger, habe ich auch kein Bügeleisen. Ich sollte ein Bügeleisen zum Plätten haben, wenn ich Kleider und Anzüge nähe; niemand kann im Nähen etwas Ordentliches leisten, wenn er nicht eine Art Plätteisen hat.

Isak versprach, den Schmied im Dorfe zu veranlassen, ein recht gutes Bügeleisen zu schmieden. Oh, Isak wollte alles tun, wollte immer nur tun, was Inger verlangte; denn das merkte er wohl, Inger hatte sehr viel gelernt und war außerordentlich tüchtig geworden. Auch ihre Sprache war eine andere geworden, eine bessere, gewähltere. Sie rief ihn jetzt nie mehr mit den alten Worten: Komm herein und iß! sondern sie sagte: Bitte zum Essen! Alles war anders geworden. In den alten Tagen hatte er höchstens gesagt: Ja, und noch eine gute Weile weitergearbeitet, ehe er hineinging. Jetzt antwortete er: Ja, danke, und kam sofort. Die Liebe macht den Klugen dumm, manchmal antwortete Isak: Danke, danke! Ja, gewiß war alles anders geworden, aber wurde es nicht allmählich ein wenig zu vornehm? Wenn Isak in der Muttersprache der Landwirtschaft redete und Mist sagte, sagte Inger Dung, der Kinder wegen.

Sie war sehr sorgfältig mit den Kindern, unterrichtete sie in allem und brachte sie vorwärts; die kleinwinzige Leopoldine machte Fortschritte im Häkeln und die Buben im Schreiben und in anderen Schulfächern, sie würden also nicht ganz unvorbereitet in die Dorfschule kommen. Besonders Eleseus war recht tüchtig geworden, der kleine Sivert dagegen war, geradeheraus gesagt, nichts Besonderes, nur ein Spaßvogel, ein Wildfang, er wagte es sogar, an der Nähmaschine seiner Mutter ein wenig zu drehen und hatte mit seinem Taschenmesser auch schon am Tisch und an den Stühlen herumgeschnitzelt. Jetzt war ihm schon mit der Wegnahme des Taschenmessers gedroht worden.