Einige von den Arbeitern kicherten ein wenig über diese Antwort.

Jawohl, Isak hatte einen besonderen Grund, seinen Nachbar etwas zurückzuweisen, gerade heute hatte er nämlich drei Schafe auf Breidablicks Grundstück gesehen, und das eine davon hatte Isak wiedererkannt, das mit den flachen Ohren, das Oline im Tauschhandel weggegeben hatte. Meinethalben mag Brede das Schaf behalten, dachte er da und ging seines Weges weiter, meinethalben können Brede und seine Frau sich an dem Schaf bereichern!

Und ganz richtig. Das Sägewerk hatte er auch immer im Kopf. O ja, schon im Winter, als der Boden fest war, hatte er die große Kreissäge und die notwendigen Beschläge, die ihm der Kaufmann von Drontheim hatte kommen lassen, heraufgeschafft. Nun lagen diese Maschinenteile mit Leinöl bestrichen, um sie gegen Rost zu schützen, in seinem Schuppen. Einige von den Balken zum Sperrwerk hatte er auch schon herbeigefahren, er hätte mit dem Aufrichten des Gebäudes jeden Tag anfangen können, schob es aber noch hinaus. Was war das? Er begriff es nicht, nahmen seine Kräfte etwa allmählich ab? Andere würden sich nicht darüber wundern, aber ihm selbst kam es ganz unglaublich vor. War er schwindlig geworden? Früher war er vor keiner Arbeit zurückgescheut, hatte er sich denn verändert, seit er das Mahlhaus über einem ebenso großen Wasserfall errichtet hatte? Er konnte sich ja Hilfe vom Dorf nehmen, aber nun wollte er es erst einmal wieder allein versuchen und in den nächsten Tagen damit anfangen; Inger sollte ein wenig mit Hand anlegen.

Er sprach mit Inger darüber. Hm, sagte er, wenn du einmal ein paar Stunden Zeit übrig hast, könntest du mir bei dem Sägewerk helfen. — Inger überlegte. Ja, wenn ich es einrichten kann, sagte sie. So, du willst ein Sägewerk bauen? — Ja, das ist meine Absicht. Ich habe es mir jetzt genau überlegt. — Ist es schwieriger als das Mahlhaus? — Viel schwieriger, zehnmal schwieriger, prahlte er. Was denkst du denn? Da muß alles bis aufs aller-, allergenaueste ineinanderpassen, und die große Kreissäge muß in der Mitte laufen. — Wenn du es nur zustande bringst, Isak, entgegnete Inger in ihrer Gedankenlosigkeit. — Isak fühlte sich von diesen Worten gekränkt und erwiderte: Das wird sich ja zeigen. — Kannst du nicht einen in dieser Sache kundigen Mann zu Hilfe nehmen? — Nein. — Nun, dann wirst du es auch nicht zustande bringen, sagte sie und hielt nicht mit ihrer Meinung zurück.

Isak hob langsam die Hand an seinen Kopf, es war, als hebe ein Bär die Tatze auf. — Gerade das fürchte ich ja, daß ich es nicht fertigbringe, sagte er, deshalb sollst du, die es versteht, ja auch Hand mit anlegen, sagte er. — Jawohl, da hatte der Bär getroffen, aber er errang keinen Sieg damit. Inger warf den Kopf zurück, wurde widerspenstig und schlug es ab, beim Sägewerk zu helfen. — So, sagte Isak. — Ja, soll ich vielleicht im Fluß stehen und meine Gesundheit aufs Spiel setzen? Und wer soll mit der Maschine nähen und das Vieh und den Haushalt und alles miteinander versorgen? — Nein, nein, sagte Isak.

Ach, aber es handelte sich ja nur um die vier Eckbalken und die zwei Mittelbalken auf den beiden Langseiten, nur dazu hätte sie ihm helfen sollen, sonst zu nichts! War denn Inger im tiefsten Innern während ihres langen Stadtlebens so zimperlich geworden?

Jawohl, Inger hatte sich sehr verändert und dachte nicht mehr beständig an ihr gemeinsames Beste, sondern an sich selbst. Wohl hatte sie Kardätschen und Spinnrad und Webstuhl wieder in Gebrauch genommen, aber sie saß viel lieber an ihrer Nähmaschine, und als der Schlosser ihr ein Bügeleisen geschmiedet hatte, war sie fertig ausgerüstet, um sich im Schneidern als regelrecht ausgebildet zu zeigen. Das war ihr Beruf. Zuerst nähte sie ein paar Kleider für die kleine Leopoldine. Isak gefielen sie, und er lobte sie vielleicht ein wenig zu sehr; Inger deutete an, das sei noch gar nichts im Vergleich zu dem, was sie könne. — Aber sie sind zu kurz, sagte Isak. — So werden sie in der Stadt getragen, sagte Inger, das verstehst du eben nicht. — Isak war also zu weit gegangen, und er stellte Inger dafür ein Stück Tuch zu eigenem Gebrauch in Aussicht. — Tuch zu einem Mantel? fragte Inger. — Ja, oder wozu du es sonst willst. — Inger entschied sich zu Tuch für einen Mantel und beschrieb Isak, wie es sein sollte.

Aber als sie den Mantel fertig hatte, mußte sie auch jemand haben, dem sie sich darin zeigen konnte; sie begleitete deshalb die beiden Jungen ins Dorf, als sie dort in die Schule gebracht wurden. Und diese Reise war nicht von geringem Nutzen, sie hinterließ Spuren.

Zuerst kamen sie an Breidablick vorüber, da kam die Frau mit ihren Kindern heraus und starrte die Vorüberfahrenden an. Inger und ihre beiden kleinen Jungen saßen auf dem Wagen, und sie fuhren wie Herrenleute, die beiden Jungen kamen wahrhaftig in die Schule, und Inger hatte einen Tuchmantel an! Bei diesem Anblick ging der Frau auf Breidablick ein Stich durchs Herz, den Mantel konnte sie entbehren, sie war gottlob nicht eitel, aber sie hatte selbst Kinder, das große Mädchen Barbro, Helge, den Zweitältesten, und Katrine, alle schulpflichtig. Natürlich waren die beiden älteren im Dorf schon in der Schule gewesen, aber als die Familie aufs Moor und auf dieses abgelegene Breidablick heraufzog, mußten ja die Kinder wieder Heiden werden.

Hast du Lebensmittel für deine Buben mit? fragte die Frau. — Lebensmittel, jawohl. Siehst du die Kiste da nicht? Das ist mein Reisekoffer, den ich mitgebracht habe, und der ist ganz mit Lebensmitteln angefüllt. — Was hast du mitgenommen? — Was ich mitgenommen habe? Speck und Fleisch fürs Mittagessen und Butter und Brot und Käse für die anderen Mahlzeiten. — Ja, ihr habt es großartig da droben, sagte die Frau, und ihre armen bleichwangigen Kinder sperrten Augen und Ohren auf, als diese herrlichen Sachen aufgezählt wurden. — Wo willst du sie unterbringen? fragte die Frau weiter. — Beim Schmied. — So, sagte die Frau. Ja, die meinigen sollen jetzt auch wieder in die Schule, und sie werden beim Lensmann wohnen. — So, sagte Inger. — Ja, oder beim Doktor oder beim Pfarrer. Brede ist eben mit allen den Großen so gut bekannt, daher kommt es. — Da strich Inger ihren Mantel zurecht und schob etliche schwarzseidene Fransen vorteilhaft hervor. — Wo hast du den Mantel gekauft? fragte die Frau. Hast du ihn mitgebracht? — Ich habe ihn selbst genäht. — Ja, es ist, wie ich sage, ihr da droben sitzt bis über die Ohren in Geld und Herrlichkeit.