Ein Mann, der in einiger Entfernung die Heuharke fährt, hält sein Pferd an und fragt: »Was giebt's denn?«
Zachäus antwortet: »Komm einen Augenblick hierher und hilf mir.«
Als der Mann kommt, zeigt ihm Zachäus eine blutige Hand und sagt: »Mir ist ein Finger abgeschnitten, es geschah in diesem Augenblick. Suche mir den Finger, ich sehe so schlecht!«
Der Mann sucht nach dem Finger und findet ihn im Grase. Es waren zwei Glieder desselben. Er fing schon an abzusterben und sah aus wie eine kleine Leiche.
Zachäus nimmt den Finger in die Hand, sieht ihn wiedererkennend an und bemerkt: »Ja, das ist er. Warte einen Augenblick, halt ihn einmal!« Zachäus zieht sein Hemd heraus und reißt zwei Streifen davon ab; mit dem einen verbindet er seine Hand, in den andern wickelt er den abgeschnittenen Finger und steckt ihn in die Tasche. Dann dankt er dem Kameraden für die Hilfe und setzt sich wieder auf die Maschine. — Er hielt fast bis zum Abend stand. Als der Aufseher von seinem Unfall hörte, schalt er ihn aus und sandte ihn nach der Farm zurück.
Das erste, was Zachäus that, war, den abgeschnittenen Finger aufzubewahren. Spiritus hatte er nicht, deswegen goß er Maschinenöl in eine Flasche, steckte den Finger hinein und verkorkte den Hals fest. Die Flasche legte er unter den Strohsack in seiner Pritsche.
Eine ganze Woche blieb er zu Hause; er bekam heftige Schmerzen in der Hand und mußte sie Tag und Nacht ganz still halten; er schlug sich auf den Kopf, er bekam auch Fieber im ganzen Körper und lag da und litt und grämte sich über alle Maßen. Eine Unthätigkeit wie diese hatte er noch nie durchzumachen gehabt, nicht einmal vor einigen Jahren, als die Mine explodierte und seine Augen beschädigte.
Um seine elende Lage noch unerträglicher zu machen, kam der Koch Polly selber mit dem Essen vor sein Bett und benutzte die Gelegenheit, um den Verwundeten zu necken. Die beiden Feinde lieferten manches Wortgefecht in dieser Zeit, und es geschah mehr als einmal, daß Zachäus sich nach der Wand umdrehen und die Zähne schweigend zusammenbeißen mußte, weil er dem Riesen gegenüber so ohnmächtig war.
Endlich kamen und gingen die schmerzvollen Tage und Nächte, kamen und gingen mit unerträglicher Langsamkeit. Sobald es ihm möglich war, fing Zachäus an, ein wenig aufrecht auf seiner Pritsche zu sitzen, und des Tags, während der Hitze hielt er die Thür nach der Prärie und nach dem Himmel offen. Oft saß er mit offenem Munde da und lauschte dem Ton der Mähmaschinen in weiter, weiter Ferne, und dann sprach er laut mit seinen Pferden, als wenn er sie vor sich habe.
Aber der boshafte Polly, der schlaue Polly konnte ihn auch jetzt nicht in Ruhe lassen. Er kam und warf ihm die Thür vor der Nase zu unter dem Vorwand, daß es ziehe, es ziehe ganz entsetzlich, und dem Zug dürfe er sich nicht aussetzen. Dann taumelte Zachäus außer sich vor Wut aus der Pritsche heraus und sandte ihm einen Stiefel oder einen Holzschemel nach, und es war allemal sein brennender Wunsch, ihn auf Lebenszeit zum Krüppel zu machen. Aber Zachäus hatte kein Glück, er sah zu schlecht um zu zielen, und er traf niemals.