»Du fängst schlecht an, Pavo, setze aber doch nach deinem Kopf,« sagt der Herr von Sinvara enttäuscht. »Wie oft soll ich es sagen? Glaubst du, daß ich das Geld in Scheffeln habe? Jetzt setzest du auf Rot!«
Aber Rot verlor. Endlich nach acht Malen kam Rot an die Reihe, traf das Kreuz des Rumänen und brachte ihn wieder auf die Beine. Rasend über sein Unglück, zur Verwegenheit getrieben, hatte er diesmal eine kolossale Summe auf seine vier Zahlen geworfen, und von Trotz verfärbt, war es ihm im Augenblick gleichgültig, ob er gewann oder verlor. Als das Rad stillstand und der Zeiger auf einer von seinen vier Zahlen liegen blieb, rief er instinktmäßig den Diener, der hinter dem Stuhl des Prinzen stand und gab ihm, ohne ein Wort zu sagen, einen Schein. Dann setzte er von neuem mit zitternden Händen.
»Pavo!« sagt der Vater wieder, »du hast nun abermals verloren. Du hast gar kein Glück. Ich lasse dich mein Geld durchbringen, und ich thue es um deiner selbst willen. Diese Nacht will ich dich bessern. Pavo, hast du mich verstanden?«
Und der durchtriebene Pavo versteht ihn sehr wohl. Er weiß, daß sein guter Vater schon von dem Rausch des Spiels erfaßt ist, und selbst wenn er verliert, ist es ihm doch eine Lust, teilzunehmen. Er durchlebt so heftig wie nur irgend jemand die Qualen des Spiels, bei den großen Chancen stockt sein Blut, er hört seinen eigenen Atem. Ach, das alles versteht Pavo nur zu gut!
Plötzlich wird er nachdenklich, er wird aufmerksam, geistesabwesend. Der Croupier macht ihn darauf aufmerksam, daß er — der hochverehrte Spieler — gegen sich selber spielt, und er wundert sich in seinem stillen Sinn über Pavo. Ich selber werde darauf aufmerksam, daß Pavo einmal über das andere Geld zurücknimmt, das er bereits gesetzt hat, gleichsam um es zu retten, ehe das Rad stillsteht. Ist er vernünftig geworden? Fürchtet er das Unglück?
Der Russe aber führt mich an ein Sofa am Ende des Saales und fängt an über Pavo zu reden. Ob ich nicht bemerkt habe, daß er plötzlich sein Spiel veränderte? Ach, Pavo war im Grunde klug wie ein Teufel, er verstand sich auf so viel. Der Russe zeigte zu Vater und Sohn hinüber und sagte:
»Von den beiden ist der Sohn am geringsten besessen. Pavo hat schon gemerkt, daß die Spielsucht seinen Vater gepackt hat, er will ihn zurückhalten. Es ist sehr komisch, aber er will wirklich versuchen, den Alten zurückzuhalten. Nicht wahr, das ist brillant? Es kann Pavo nicht gleichgültig sein, ob sich der Vater ruiniert.«
Wir sitzen dort im Sofa. Am Roulette geht etwas Ungewöhnliches vor sich, alle haben den Herrn von Sinvara und seinen Sohn umringt. Das Pharaospiel hat aufgehört, selbst die drei Bergbauern in den großen, grauen Mänteln mit den Metallgürteln und die alten Zeltkrämer, die unten an der Thür gesessen und unter sich um Weinkannen gespielt haben, stehen auf und mischen sich unter die Menge am Roulettetisch. Wir gehen auch dahin.
»Geben Sie jetzt acht!« sagt der Russe. Er ist sehr erregt.
Der Herr von Sinvara hatte wieder angefangen mit Nummer dreizehn zu operieren. Er hatte in seinem Eifer selbst das Geld übernommen und den Einsatz persönlich besorgt. Seine fetten Hände wühlten in den Scheinen, zitternd, suchend, das schmutzige Papier umkrallend, eifrig bemüht, es zu zählen und in Haufen zu ordnen. Er spricht nicht und Pavo sitzt schweigend an seiner Seite. Seine Miene ist sehr finster.