Es war fast zwölf Uhr.

Ein Spieler nach dem andern erhob sich vom Roulettetisch, nur der Rumäne und der einarmige Militär hielten noch stand. Der weißbärtige Krieger spielte sehr vorsichtig, setzte einen kleinen Schein, spielte brutal um kleine Münze und gewann. Er hatte fortwährend Glück, aber sein Glück machte ihn nicht kühner.

Der Herr von Sinvara operierte auf ganz andere Weise, bei dem geringsten Glücksfall wurde er dummdreist. Er hatte vielleicht alles in allem noch gut tausend übrig, als Pavo ihn verließ. In zwei Zügen hatte er darauf sechshundert gewonnen, die er sofort einsetzte und verlor. Im Grunde schien der Herr beklagenswert und er erregte auch die Sympathie der Umherstehenden. Der Prinz, der als Zuschauer in den Saal zurückgekehrt war, holte eigenhändig ein großes Glas Wein für den Herrn von Sinvara.

»Sie haben Unglück!« sagte der Prinz. »Halten Sie für heute abend auf.«

Der Prinz setzte sich über die Regeln hinweg und erteilte diesen Rat mit lauter Stimme. Der Herr von Sinvara antwortete nicht, er sah nur auf, geistesabwesend, ganz vom Spiel in Anspruch genommen, und trank den Wein schweigend aus.

Und plötzlich schien das Glück sich ihm zuwenden zu wollen, er gewann dreimal, Schlag auf Schlag.

»So müssen Sie spielen,« sagt er munter und liebenswürdig zu dem alten Militär. Dieser aber hörte nichts, er ist so in Anspruch genommen von seinem Spiel um den herkömmlichen kleinen Schein. Der Rumäne beobachtet aufmerksam die nervöse Erregung, in der sich der Herr von Sinvara befindet, er wechselt einen Blick mit dem Croupier und zieht seinen letzten Gewinn ein. Auch er beschließt das Spiel.

Der Herr von Sinvara ist jetzt ganz blank. Sein Geld beläuft sich auf ein paar hundert, die setzt er auf Schwarz und verliert. Er sieht verwirrt um sich. Er ist sehr blaß geworden.

»Zum Teufel mit der schwarzen Farbe!« rast er.

Dann besinnt er sich einen Augenblick. Der Croupier läßt ihn nicht aus den Augen; mechanisch bezahlt er dem alten Krieger seinen Schein, mag er gewinnen oder nicht. Der Herr von Sinvara sitzt noch immer regungslos da, er scheint zu überlegen. Warum geht er denn nicht? Er zieht seine beiden Ringe vom Finger, einen nach dem andern, und reicht sie über das Rad hinweg dem Croupier hin. Dieser wirft einen Blick darauf, legt sie ruhig in sein eisernes Schubfach zu anderen Ringen und reicht dem Herrn von Sinvara dreitausend in Gold. Niemand spricht ein Wort. Er hält die schweren Rollen eine ganze Minute in der Hand, er zittert am ganzen Leibe. Plötzlich macht er eine heftige Bewegung, er erhebt sich halb vom Stuhl und setzt die Rollen eine nach der andern auf Schwarz. Die Goldstücke klirren dumpf in den Papierhüllen.