»Ich weiß es nicht,« antwortete er. »Sie haben aber die Nachsendung ihrer Briefe im Posthaus bestellt, und Sie haben auch einen Wagen um fünf Uhr nach dem Dampfer bestellt.«
Sogar dies hatte er herausgeschnüffelt! Ich hatte ein Gefühl, als würde ich von diesem klugen Menschen ausspioniert und ich fühlte mich sehr von ihm abgestoßen. Ein heftiger Zorn erfaßte mich, ich konnte seinen unverschämten Blick nicht ertragen; er hatte ein paar Augen, die mich durchschauerten wie ein eisiger Zugwind.
»Mach, daß du wegkommst, du Hund!« sagte ich.
Er stand ganz still. Der unverschämte Mensch rührte sich nicht vom Fleck. Er hielt die beiden Hände hinter seinem Rücken. Woran dachte er, und was machte er mit den beiden Händen auf dem Rücken? Hatte er irgend etwas vor?
»Was Sie eben sagten, thut mir sehr leid,« sagte er endlich. Weiter sagte er nichts, aber er starrte mich unverwandt an. Ich trete hinter seinen Rücken, um ausfindig zu machen, was er vorhatte. Er hatte nichts in den Händen, er hielt sie gefaltet und rang sie heftig. Ich trete wieder vor ihn hin. Seine Schultern beben und seine Augen haben sich mit Thränen gefüllt. Ich bereue, ihn ausgescholten zu haben, und ich bin im Begriff, es wieder gut zu machen, als er plötzlich eine Bewegung auf mich zu macht, ein seltsamer Gegenstand blitzt in seiner Hand, ein lächerlich aussehender Thürschlüssel mit zwei Bärten. Er hebt ihn in die Höhe und trifft mein rechtes Handgelenk. Meine Hand sinkt herab, der dumpfe Schlag hat sie lahm gemacht. Ich bin ganz starr über seine Frechheit, ich kann kein Wort sagen und stehe regungslos auf demselben Fleck. Er legt seine Hände wieder auf den Rücken. Nach einer Weile gehe ich an ihm vorüber, auf die Thür zu.
»Sie glauben, daß ich Sie noch einmal schlagen will,« sagt er. »Aber das brauchen Sie nicht zu glauben. Gott bewahre!«
Ich öffne die Thür mit der linken Hand und erwidere kühl:
»Geh und hole meine Rechnung!«
Der Diener verneigt sich tief vor mir und geht. Ich höre ihn laut schluchzen, als er zur Thür hinaus ist. — —
Ich reiste an jenem Tage nicht; meine Hand schmerzte zu heftig, und ich fühlte mich ziemlich krank. In meinem Handgelenk befanden sich zwei tiefe Löcher. Löcher von blutunterlaufenem, zerquetschtem Fleisch. Die Adern schwellen bis an die Schulter hinauf an. Welche Roheit von einem Diener! Er schien indessen seinen Überfall sofort zu bereuen, er brachte mir Spiritus für den Arm und legte mir einen Verband um die Wunde; jetzt hinterher konnte niemand behilflicher sein als er. Er sorgte auch dafür, daß in den Nebenzimmern alles still war, nachdem ich mich am Abend zur Ruhe begeben hatte, und dies that er ganz aus eigenem Antrieb. Einen Haufen betrunkener Bauern, die gegen ein Uhr des Nachts vor meinen Fenstern stehen blieben und sangen, jagte er wütend weg. Ich hörte, wie er ihnen Vorwürfe machte, weil sie die nächtliche Ruhe eines kranken, vornehmen Herrn störten, eines Fürsten, der sein Handgelenk verletzt habe.