Am nächsten Tage schellte ich zweimal, ohne daß er kam. Ich war in gereizter Stimmung und sehr krank, ich zog heftig an der Glocke und schellte noch einmal. Endlich sah ich ihn die Straße heraufkommen. Er war ausgewesen. Als er in mein Zimmer kam, konnte ich mich nicht enthalten zu sagen:
»Ich habe eine Viertelstunde geschellt. Ich will gern das Doppelte bezahlen, wenn Sie glauben, daß Sie es verdienen. Bringen Sie mir Thee.«
Ich sah, wie wehe meine Worte ihm thaten. Er erwiderte nichts, sondern eilte hinaus, um den Thee zu holen. Ich wurde plötzlich ganz gerührt durch seine Geduld und Demut; er hatte vielleicht nie im Leben ein freundliches Wort erhalten, jetzt war ich auch unbillig gewesen. Ich wollte mein Unrecht gleich wieder gut machen. Deswegen sagte ich, als er zurückkam:
»Verzeih mir! Ich werde nie so etwas wieder sagen. Ich bin heute auch krank.«
Er schien sehr erfreut über meine Freundlichkeit zu sein und entgegnete:
»Ich mußte vorhin fortgehen. Ich versichere Sie, daß es eine ganz notwendige Besorgung war.«
Aber durch meine Freundlichkeit ermuntert, kam sofort die alte Geschwätzigkeit wieder zum Vorschein. Er steckte voller Geschichten und war bereit, mir allerlei aufgespürte Geschichten über Dinge und Leute im Hotel zu erzählen.
»Wenn ich es Ihnen erzählen darf,« sagte er, »so hat der Herr von Sinvara in diesem Augenblick einen Mann nach Hause geschickt, um Geld zu holen, viel Geld. Pavo meint, er werde sich am Roulette ruinieren. Seine Ringe hat er noch nicht wieder eingelöst.«
»Es ist gut!« sagte ich.
»Und das kleine Mädchen, das Sie gestern sahen, ist übernacht bei ihm gewesen. Sie ist aus den Bergen, sie hat sich eine solche Erhöhung sicher nicht träumen lassen. Selbst ihr Vater wollte es nicht glauben.«