Jetzt sprachen alle von dem Herrn von Sinvara und seinem Spiel. Das sei ihm ganz einerlei, meinte er, und er trug den Kopf noch höher als bisher und machte ein fröhliches Gesicht. Hin und wieder ließ er sich zu einem Scherz mit seiner Umgebung herab.

»Sie sehen meine Hände an,« sagte er. »Ach ja, ich bin sehr arm geworden, sogar meine Ringe habe ich verspielt! Hahaha!«

Er ging nicht mehr in die Bank, jetzt wo er kein Geld mehr hatte, aber er ließ sich von den Dienern über den Gang des Spieles berichten, wer verlor und wer gewann, wieviel gewagt wurde, wer am kühnsten spielte. Der Russe kam am nächsten Tage und erzählte mir, der Herr von Sinvara habe drei Stunden lang zu Gott um Glück gefleht; er wolle nur das verlorene Geld wieder haben, dann wolle er auch aufhalten. Er habe Gott das mit lauter Stimme gelobt und sogar dabei geweint. Der Russe hatte das von dem Hoteldiener gehört, der durch das Schlüsselloch geguckt hatte.

VI

Es vergingen drei Tage. Meine Hand schmerzte nicht mehr, ich hatte beschlossen, am Abend abzureisen. Ich ging in die Stadt, um einige Angelegenheiten zu ordnen, unter anderem war ich auf der Polizei, um meinen Paß unterschreiben zu lassen. Auf dem Rückwege kam ich an Pavos Zelt vorüber. Ich fing schließlich gegen meinen Willen an, Interesse für diesen Mann und seinen Vater zu fassen. Alle Leute sprachen von ihnen, das ganze Hotel war voll von Geschichten über diese beiden Menschen, ich konnte schließlich nicht mehr umhin, ebensoviel wie die anderen an sie zu denken und jeden Tag nach dem Herrn zu fragen.

Ich ging in Pavos Zelt. Am vorhergehenden Abend hatte ich gehört, daß er eine große Summe im Pharao gewonnen habe. Er hatte einen fremden Reisenden seiner ganzen Barschaft beraubt, und ihm dann hinterher ein paar Hundert geschenkt, dann hatte er sich dem Roulette zugewandt, stets vom Glück begleitet, und die Bank um ein ganzes Vermögen geschädigt.

»Denken Sie nur,« sagte Pavo zu mir, sobald ich sein Zelt betrat, — »denken Sie nur, der Herr von Sinvara, mein Vater, ist eben hier gewesen, um sich Geld zu leihen! Er wollte seine Ringe einlösen. Es fällt mir natürlich nicht im Traum ein, eine solche Dummheit zu begehen. Mein Vater ist sehr gut und es that mir leid, ihm diesen Liebesdienst abschlagen zu müssen. Aber ich habe es um seiner selbst willen gethan. Ein Sohn muß für die Ehre der Familie sorgen. Es muß meinem Vater klar werden, wohin es führt, wenn man sich in Thorheiten stürzt. Ich finde, daß ich ganz richtig gehandelt habe. Wie denken Sie darüber?«

Sein Äußeres stieß mich diesen Augenblick zurück. Er war selbstbewußt und sicher geworden durch das ungeheure Glück des vorhergehenden Abends, das seine Taschen wieder mit Geld gefüllt hatte. Während er sprach, senkte er die Stirn, verbarg sie, tauchte sie unter, als sei sie gebrandmarkt, und seine Augen logen so sonderbar, sobald er sie aufschlug. Aber er hatte den schönsten Hals, den man sich denken konnte, und einen feinen, roten Mund.

»Wie denken Sie darüber?« wiederholte er.

»Ich habe kein Urteil darüber,« entgegnete ich.