Das Spiel begann.

Der Herr von Sinvara sah entschlossen aus. Er setzte dreimal hintereinander auf Rot und gewann. Dann steckte er sein eigenes Geld in die Tasche und spielte von nun an nur mit dem Gewinn. Er macht ein paar Mal den Versuch mit dreizehn, verliert aber, der Wechsel des Glückes reizt ihn, er setzt noch ein paar Mal auf Rot und gewinnt. Jetzt hat er eine beträchtliche Summe vor sich auf dem Tisch liegen, er spielt ohne Berechnung, ohne Überlegung, er wagt kühn, und um keine Zeit zu verlieren, bereitet er sich schon, ehe das Rad still steht, auf den nächsten Einsatz vor. Er zählt auch nicht, er spielt in Ekstase. Seine Augen fallen auf ein schwarzes Quadrat auf dem Tisch, und er setzt eine große Summe auf dies Quadrat.

Schwarz gewinnt. Er gewinnt jetzt unaufhaltsam. Dieses schwarze Quadrat wird eine Goldgrube, aus der er Schätze schöpft, und er nutzt sie aus. Plötzlich besinnt er sich, er hält einen Augenblick inne, er atmet tief auf. Das Rad dreht sich herum, aber der Herr von Sinvara vergißt, seinen Einsatz zu machen, er atmet noch immer tief auf. Sein kleines Mädchen kommt herein. Lächelnd und rosig nähert sie sich ihm. Er bemerkt sie und winkt ihr ab.

»Siehst du, du kommst, und ich vergaß zu setzen!« sagt er. Im nächsten Augenblick winkt er sie wieder heran. Das Rad ist stehen geblieben, der Zeiger steht auf Rot, und es war das Glück des Herrn von Sinvara, daß er es diesmal unterlassen hat, auf das schwarze Viereck zu setzen. Er legt einen seiner kostbaren Ringe in die Hand des kleinen Mädchens und flüstert ihr etwas zu. Und das kleine Mädchen wird dunkelrot, schlingt die Arme um ihren eigenen Hals und läuft aus dem Saal hinaus.

Aber der Herr von Sinvara setzt das Spiel fort, dummdreist, völlig mechanisch. Er nimmt mehrere Hände voll Geld, viele schwere Rollen und setzt sie auf Rot. Gleich darauf erfaßt ihn eine schreckliche Unsicherheit, er macht eine ängstliche Bewegung mit der Hand, als wolle er die Summe wieder zurückziehen, beherrscht sich aber und läßt sie stehen.

Das Rad hält an.

»Rot!«

»Rot!« wiederholt der Herr von Sinvara. Und er lächelt den Umstehenden wieder triumphierend zu und spricht laut: »Wieder Rot! Ja, ich hatte eine Ahnung davon!«

Von diesem Augenblick an verliert er die Besinnung. Die Uhr wird zehn, mehrere Fremde kommen herein, die eigentlichen Spieler, deren Stunde erst jetzt mit diesem Glockenschlag beginnt. Unter ihnen befindet sich der Rumäne. Ich vergaß meine Reise und rührte mich nicht vom Fleck, ich folgte den Operationen des Herrn von Sinvara mit der größten Spannung. Er selber merkte nichts von allen den neuen Menschen, die ihn umgaben, er ahnte kaum, daß er Mitspieler am Tische hatte. Sein Glück halluciniert ihn, und er arbeitet mit großen Summen auf mehreren Nummern zu gleicher Zeit. Eine Laune, eine plötzliche Eingebung, veranlaßt ihn, eine Hand voll Geld zu nehmen und den höchsten Einsatz auf fünfundzwanzig zu setzen. Drei von den Spielern folgen seinem Beispiel, alle um ihn her flüstern und warten.

»Dreizehn!«