Daraus ergab sich, daß manches unerörtert bleiben mußte, was dem Zweck dieser als Einführung gedachten Arbeit widersprochen und auch sonst allzusehr ins Spezielle, ins Polemische sowie in die Grenzgebiete logischer Betrachtung geführt hätte. Der Verfasser hat sich daher durchgehends bemüht, sich in der Darstellung streng an sein vorgeschriebenes Thema zu halten und alles Psychologische, Grammatische und Erkenntnistheoretische nur so weit heranzuziehen, wie es für die eigentliche Aufgabe, die Erörterung der logischen Probleme, unumgänglich notwendig erschien. Daß eine solche Beschränkung nicht immer leicht ist, wird, wer je versucht hat, ein System der Logik abzuhandeln, wohl wissen; nicht minder aber auch, daß die Vorteile strenger Abgrenzung der Wissenschaften gegenüber deren Nachteilen bei weitem überwiegen. Auch sonst standen bei der Abfassung didaktische Gesichtspunkte über den theoretisch-wissenschaftlichen. Der Grundriß sollte nicht so sehr untersuchen wie darstellen; sollte weniger dazu beisteuern, Probleme zu lösen als zu zeigen, wie aus gegebenen Lösungsversuchen neue Probleme entstehen. Die verschiedenen gegenwärtig miteinander streitenden Richtungen der Logik (die formale, metaphysische und erkenntnistheoretische, psychologisierende, mathematische, Inhalts- und Umfangs-, induktive und deduktive Logik) sind, wie ich glaube, in genügender Weise zum Ausdruck gekommen. Eine kritische Stellungnahme innerhalb dieser zum Teil arg auseinandergehenden Strömungen war unvermeidlich, entsprechend dem allgemein anerkannten Grundsatz, daß es nur eine Wahrheit und in wissenschaftlichen Dingen gegenüber dem als unzureichend Erkannten keine Toleranz geben dürfe.
Daß ich mit erläuternden Beispielen im Text nicht gespart habe, wird man mir nicht als eine unnötige Belastung des Bändchens auslegen wollen; haben diese doch (nach der treffenden Bemerkung Drobischs) im Lehrbuch der Logik eine ähnliche Funktion wie die veranschaulichenden Figuren im Lehrbuch der Geometrie.
Der Darstellung ist ein Literaturverzeichnis angehängt, das Fingerzeige zur weiteren Beschäftigung mit logischen Fragen enthält.
Berlin, im Sommer 1917.
Der Verfasser.
Inhaltsverzeichnis.
| Seite | |||
| 1. | Die Stellung der Logik im System der Philosophie | ||
| 2. | Über Begriff, Aufgabe und Einteilung der Logik | ||
| 3. | Die geschichtlichen Voraussetzungen der neueren Logik | ||
| 1. | Psychologische Vorbemerkungen über das Verhältnis von Sprechen und Denken | ||
| 2. | Die Gegenstände des Denkens und die Bedeutung der Begriffe | ||
| 3. | Das Wesen des Begriffes und sein Inhalt | ||
| 4. | Der Umfang des Begriffes und sein Verhältnis zum Inhalt | ||
| 5. | Arten und Ordnungsreihen der Begriffe; Kategorien | ||
| 1. | Arten und Ordnung der Urteile | ||
| 2. | Logische Theorie des Urteils | ||
| 3. | Formale und materiale Bedingungen der Urteilsgültigkeit | ||
| 4. | Das Subjektsglied der Urteile und die Subjekt-unbestimmten Urteile | ||
| 5. | Das Prädikatsglied der Urteile und die Arten der Prädizierungen | ||
| 6. | Wesen und Arten der Beurteilungen | ||
| 7. | Die zusammengesetzten Urteile (Urteilsverbindungen und Urteilsgefüge) | ||
| 8. | Wesen und Arten der Frage | ||
| 1. | Die unmittelbaren Schlüsse oder Folgerungen | ||
| 2. | Die Arten der mittelbaren Schlüsse und die kategorischen Deduktionen | ||
| 3. | Hypothetische Deduktionen und Zusammensetzungen deduktiver Schlüsse | ||
| 4. | Logische Theorie des deduktiven Schließens | ||
| 5. | Die induktiven Schlüsse und die Theorie der Induktion | ||
| 6. | Das Wesen und die logische Bedeutung der Analogieschlüsse | ||
| [I. Abschnitt: Die Lehre vom wissenschaftlichen Untersuchungsverfahren] | |||
| 1. | Unwissenschaftliches und wissenschaftliches Denken und die Aufgaben der Methodenlehre | ||
| 2. | Wissenschaftliche Begriffsbildung und Begriffsbestimmung | ||
| 3. | Das analytische Untersuchungsverfahren | ||
| 4. | Das Experiment und die wissenschaftliche Erfindung als Hilfsmittel der Analyse | ||
| 5. | Das synthetische Untersuchungsverfahren (Gesetz, Theorie, Hypothese) | ||
| 6. | Die Klassifikation und das Begriffssystem der Wissenschaften | ||
| [II. Abschnitt: Die Lehre vom wissenschaftlichen Beweisverfahren] | |||
| 1. | Begriff und Arten des Beweises | ||
| 2. | Die Auffindung der Beweisgründe | ||
| 3. | Fehler und Unzulänglichkeiten des Beweises | ||
| 4. | Fiktionen und Utopien | ||
| Literaturnachweise | |||
| Sachregister | |||
Einleitung.
1. Die Stellung der Logik im System der Philosophie.
Was Philosophie ist, was Philosophie soll, darauf gibt es fast ebenso viele Antworten, wie es Philosophen gegeben hat. Wer die Geschichte der Philosophie aufmerksam durchgeht, von den Tagen der Griechen bis auf die neueste Zeit, der steht wohl staunend vor der bunten Mannigfaltigkeit von Auffassungen, die Wesen und Zweck des philosophischen Denkens im Laufe der Jahrhunderte gefunden hat.