Als nächster Geldgeber erscheint der ehemalige russische Botschafter Bachmetjew, in dessen Händen sich auch heute noch bedeutende Summen aus dem russischen Staatsschatz befinden. Am 12. April 1921 sendet Kerenski an Bachmetjew über die tschechoslowakische Gesandtschaft in Paris folgendes chiffrierte Telegramm: „Ich erhielt aus Rußland die Bitte um eine äußerste Kräfteanstrengung. Das von Ihnen geschickte Geld gewährte eine wirkliche Hilfe am Bestimmungsorte. Es ist notwendig, die Hilfe ohne Verzug sofort fortzusetzen. Die unaufschiebbare Geldnot verlangt meine schleunige Abreise nach Amerika.“ Im Brief vom 13. März teilt Sensinow an Kerenski mit: „Gestern erhielten wir von Ihnen aus Paris eine Anweisung auf 50000 Francs und von Bachmetjew telegraphisch 25000 Dollars.“

Als Geldgeber fungiert ferner der weiße General Bitscherachow. Die S.R. erhielten von ihm während der Jahre 1918/19 20000 Francs und im Jahre 1920 einige hundert Pfund Sterling. Woher stammen diese Gelder? Darüber schreibt am 21. März 1921 der S.R. Ter-Pogosian an den S.R. Minor: „Die Gelder im Besitze L. Bitscherachows stammen aus zwei Quellen. Nach der Auflösung der persischen Front durch die Bolschewiki organisierte Bitscherachow eine Freischärlerabteilung. Die Engländer zahlten ihm monatlich einen bestimmten Betrag für die Unterhaltung dieser Truppe. Die englischen Subsidien überstiegen die Ausgaben, so daß bei Bitscherachow Reste blieben. Außerdem hatte er noch Gelder aus jenen Beträgen, die nach dem Umsturz und der Beseitigung der bolschewistischen Regierung in Baku und Petrowsk in den Besitz der Bakuschen weißen Diktatur kamen. Hauptsächlich die Gelder der Staatsbahnen, folglich also Staatsgelder ... In Anbetracht dessen hatten wir Grund, diese Summen nicht als Bitscherachow persönlich gehörig aufzufassen, ihre Bereitstellung für soziale und politische Zwecke erscheint als völlig gerechtfertigt.“

Endlich gaben die russischen Industriellen selbst große Summen. Zur Zeit des Kronstadter Aufstandes öffneten sie ihre Portefeuilles.

Ein Teil der Dokumente beleuchtete die engen Beziehungen zwischen den S.R. und der französischen Regierung. Kerenski hat verschiedene Male mit Berthelot, dem Direktor des französischen Außenministeriums, und mit Briand selbst korrespondiert und mündlich verhandelt.

Im Besitz solcher Mittel und Beziehungen legten die S.R. ein Spionagenetz an, das von Konstantinopel bis Reval reichte, sie schickten Sendboten ins Innere des Landes, trieben militärische Spionage und sondierten die Kommandeure der Roten Armee. Ein Oberst Machin ist der Leiter dieses militärischen Spionagedienstes; aus einem Briefe geht hervor, daß Machin sich in Reval mit französischen Offizieren in Verbindung zu setzen hatte. Kerenski entsandte einen Oberst nach Konstantinopel und gab ihm einen Brief an den französischen Militärvertreter mit, den General Pellet. Die Minister der Randstaaten empfingen die Boten der S.R., und wenn den S.R. der Empfang zu kühl schien, versuchten sie durch englische Vermittlung einen Druck ausüben zu lassen. In allen Hauptstädten Europas entfalteten die S.R. eine fieberhafte Tätigkeit; sie hielten verschiedene Zeitungen, bauten ihren Apparat aus, saßen in den Vorzimmern der Minister und Bankiers, versuchten die Errichtung einer großen weißen Front, schüchterten die Kleinstaaten durch die Großmächte ein, nutzten sämtliche Verbindungen aus, verbreiteten Märchen über Rußland und ließen kein Mittel unversucht, um dem neuen Staate zu schaden. Dies alles vollzog sich mit der Skrupellosigkeit, dem Raffinement, der Hartnäckigkeit und dem Haß des Unterlegenen und Verdrängten, dessen Zeit vorüber ist, und der eine rastlose Tätigkeit zu entfalten sucht, um sich zu betäuben und der Welt zugleich seine Brauchbarkeit zu beweisen.

Im Januar 1921 schien der Same aufzugehen. In Kronstadt brach eine Meuterei aus; über das Eis der Newa drangen die Truppen der Sowjets und nahmen mit stürmender Hand die Seefestung. Der Aufruhr ist unzweifelhaft von den S.R. entfacht worden. Damals weilte Tschernow in Reval und schickte Telegramme nach Kronstadt; andere bemühten sich um Proviant und Munition für die aufständige Festung. In einem Flugblatt des „Revolutionären Rußland“ schreibt Tschernow:

„Kronstadt hat sich erhoben. Durch sein heroisches, aufopferndes Beispiel ruft es ganz Rußland zu dem langersehnten Befreiungswerke. Petrograd hat den Generalstreik erklärt. Ihr aber, Tyrannen und Despoten, laßt es Euch gesagt sein, daß die Tage Eurer, dem gesamten Volke verhaßt gewordenen Herrschaft gezählt sind. Wenn Ihr um Euer Leben bangt, wenn Ihr am Leben hängt, verschwindet aus dem Wege. Das Volk kommt, es wird Euch richten.“

Im Laufe des Jahres versuchte man im Kaukasus eine Bewegung zu entfachen; das „Administrative Zentrum“ hielt verschiedene Sitzungen ab, in denen die Vorbereitungen zu Aufständen beraten wurden. Es existiert das Protokoll einer solchen Sitzung, in der Machin die finanzielle und ökonomische Vorbereitung „zum Aufstande und Sturze der Bolschewisten“ verlangt. Bruschwit spricht von der Notwendigkeit, „Militärkaders vorzubereiten und eine starke, leistungsfähige militärpolitische Organisation zu haben.“ Kerenski erklärt: Wir haben unsere Fachleute und unsere Leiter in den bestehenden Organisationen in Rußland und verlangen ihre Unterschrift als Garantie ihres politischen und militärischen Lebenswandels.

Im November 1921 wird sogar schon wieder eine „terroristische Kampfgruppe“ gegründet. Ihre Haupttätigkeit aber entfalten jetzt die S.R. im Kaukasus, man gründet im Inneren Geheimorganisationen, erbittet und erhält von den Franzosen materielle Unterstützung und erklärt sich bereit im Falle eines Fehlschlages die eingegangenen Schulden durch Übermittlung von Nachrichten an die französische Konterspionage abzutragen.

Bis ins Jahr 1922 hinein reichten die schriftlichen Beweise dieser konspirativen Tätigkeit der S.R. Die Angeklagten in Moskau waren an diesen Unternehmungen aktiv nicht beteiligt. Man legte ihnen sämtliche Dokumente vor. Man stellte ihnen die Frage: billigt ihr diese Methoden der Auslandsdelegation eurer Partei, im Bunde mit der großen und kleinen Entente neue Interventionskriege herbeizuführen, dank materieller Unterstützung der Westmächte das Land mit einem Netz von Geheimorganisationen zu überziehen und Rußland in neues unsagbares Elend zu stürzen. Die Angeklagten wichen aus. Die Methoden ihrer Kameraden im Auslande schienen ihnen verwerflich; aber im Angesicht ihres eigenen Todes weigerten sie sich, von ihren Parteigenossen abzurücken. „Also billigt ihr, was jene tun?“ „Wir sind, wie am ersten Tage eurer Herrschaft, gegen euch und werden euch mit allen Mitteln bekämpfen.“