Was die „äußere Politik“ – wir nennen sie einfach Spionage – der S.R. Partei betrifft, so sehen wir hier die S.R. Partei an einem Tische mit Dumas, mit Ehrlich und anderen Vertretern des französischen Imperialismus, die die S.R. Organisationen mit Geld und Sprengmaterial versorgt haben.
Als den S.R. hier vorgeschlagen wurde, die Tätigkeit des Administrativen Zentrums entweder anzuerkennen oder aber zu verurteilen, erklärte Gotz, daß sie sich unter Drohungen nicht lossagen können. Und der Angeklagte Hendelmann gab seinem Zweifel an der Echtheit der Dokumente Ausdruck und berief sich auf den Kölner Kommunistenprozeß. Dort erklärten aber die Kommunisten kategorisch, daß die Londoner Dokumente Fälschungen seien. Sie gaben nicht ablehnende und zweideutige Erklärungen ab. Dasselbe sollten auch die Angeklagten des Prozesses tun.
Es gibt hier nur drei Möglichkeiten: Entweder sind die Dokumente falsch, dann müssen es die Angeklagten gerade heraus, kategorisch erklären, um die Falschheit derselben zu beweisen. Wenn aber die Dokumente echt sind, dann müssen sie entweder ihre Solidarität mit diesen Dokumenten ehrlich erklären oder aber sich offen auf den Standpunkt stellen, daß sie mit den in diesen Dokumenten figurierenden Personen nichts gemein haben, daß daher also diese Personen als einfache Provokateure zu betrachten sind. Und wenn ein Teil der Dokumente echt, ein anderer Teil falsch ist, dann müssen die Angeklagten erklären, daß sie den echten Teil der Dokumente entweder anerkennen oder sich von ihm lossagen und beweisen, daß der andere Teil der Dokumente tatsächlich falsch sei.
Die Angeklagten aber haben weder das eine, noch das andere getan. Weder anerkannten sie die Dokumente, noch sagten sie sich von ihnen los. Anzuerkennen wagten sie diese Dokumente nicht, sich von ihnen lossagen konnten sie nicht, da sie noch bis heute mit dem Administrativen Zentrum in Verbindung stehen.
Es ist festgestellt worden, daß das Moskauer Zentralbüro der S.R. Partei mit dem Administrativen Zentrum in Verbindung steht und von ihm Geld erhält. Wenn sie sich also lossagen wollten, so hätten sie sich vom ganzen übrigen Teil der eigenen Partei lossagen müssen.
Von dem Standpunkte jenes Kriteriums, das der Zimmerwalder und Kientaler Konferenz zum Ausgangspunkt diente, hat sich die S.R. Partei sowohl in ihrer inneren, wie auch in ihrer äußeren Politik als systematische Verräterin der Interessen der Arbeiterklasse und des Sozialismus erwiesen. Und wenn sich in dieser Partei einige Leute befinden, die auf Grund ihrer sozialen Abstammung mit diesem systematischen Verrat eine Zeitlang sympathisierten, im Laufe ihrer weiteren Entwicklung aber die Verräter preisgaben, so haben sie ein nützliches Werk geleistet.
Wenn eine bestimmte Gruppe, nachdem sie aus der S.R. Partei austrat, den Verrat enthüllte, veröffentlichte und ihre Führer an den Pranger stellte, so ist das ein historisches Verdienst. Vom Standpunkte der moralischen Rehabilitation könnt Ihr denken, was Ihr wollt. Uns interessiert nur, was vom Standpunkte der internationalen Revolution und der revolutionären Arbeiterklasse nützlich und richtig ist.
Seit der Oktoberrevolution wart Ihr unter dem Pseudonym „Komitee zur Rettung des Vaterlandes und der Revolution“, dann als „Verband der Wiedergeburt“ und schließlich als „Komitee der Konstituante“ tätig. Nach der Auflösung der Konstituante kam es so, daß jede zwei S.R., die zwei Tage lang Mitglied der Konstituante waren, hier und da eine Macht gründeten und sich für eine Staatsmacht hielten, für die die Partei keine Verantwortung trägt. Es ist ganz natürlich, daß, sobald in letzter Zeit die Möglichkeit unter fremdem Namen in Rußland aufzutreten schwand, Ihr Euch im Auslande ein Pseudonym schaffen mußtet und Ihr habt es Euch geschaffen. Es verblieb Euch die merkwürdige „Pariser Konstituante“ und das „Administrative Zentrum“.
Bei einer flüchtigen Analyse der S.R.-Spitzen muß eine besondere Tatsache in die Augen fallen: In keiner revolutionären oder pseudo-revolutionären Gruppierung kann man unter den führenden Kreisen soviel Millionäre finden wie in der S.R. Partei. Vandervelde ist auch ein Millionär und sprach hier vor dem Gericht im Namen seiner Millionen und nicht im Namen von Millionen Arbeitern. Was die S.R. Partei betrifft, so ist Gotz Inhaber einer Handels- und Industrie-Firma, Gunakow macht in Brillanten, Rabinowitsch war Inhaber einer Pelzfirma, während Semjonow Eigentümer großer Teeplantagen ist usw. usw. Der Kernbestand der S.R. Parteiführer geht nicht einfach aus den Familien der demokratischen Intelligenz, sondern aus den Familien des Großkapitals hervor. Der Umstand, daß in die S.R. Partei auch Arbeiter und Bauern eingetreten sind, bedeutet nichts anderes, als daß in einer bestimmten geschichtlichen Periode die Handels- und Industriebourgeoisie und andere bürgerliche Gruppierungen versuchen, mit den Massen in Verbindung zu treten. Während des Kampfes gegen den Zarismus versuchten diese Gruppierungen einerseits die Intelligenz auszunützen, andererseits sich auf das Bauerntum und teilweise auch auf die Arbeiterklasse zu stützen. Als Resultat entstand eine ihrem sozialen Bestande nach aus verschiedenen Elementen zusammengesetzte Gruppierung, die sich S.R. Partei nennt. Es war ganz richtig, als sie Bürger Vandervelde hier mit den Girondisten verglich, da ja die Girondisten eben eine großbürgerliche Gruppierung und nicht eine Kleinbürger- und Bauerngruppe waren. Unsere russischen Girondisten stützen sich auf dieselbe soziale Basis, und es war nur natürlich, daß sie während der proletarischen Revolution ihr eigenes Gesicht gezeigt haben.
Timofejew legt es den Kommunisten zur Last, daß sie als erste den Bürgerkrieg begonnen haben. Erinnert Ihr Euch, wie wir in die Revolution eingetreten sind? Ihr habt über den ganzen Apparat der Staatsmacht und über die ganze Armee verfügt, wir aber waren nur ein kleines Häuflein – wie Ihr Euch ausdrückt – deutscher Spione. Wenn man die Lage, von Eurem Gesichtspunkte, von dem Gesichtspunkte der freien Konkurrenz, der für die Massenorganisation kämpfenden Faktoren aus betrachtet, so waren alle Vorteile dieses Kampfes auf Eurer Seite. Trotzdem wurdet Ihr geschlagen. Und wenn wir dann, als wir an der Macht waren, die Euch verhaßte Tscheka gegründet haben, so geschah das erst später. In dieser ungeheueren Gärung hat nur diejenige Kraft das Recht zur geschichtlichen Existenz, die in der gegeebenen historischen Phase das Land organisieren, über das Land regieren kann. Weder Nikolaus II. noch Ihr, noch die Bourgeoisie konnten regieren.