Der nächste Tag war ein Sonntag, und da Theodor im Lande so wenig Gelegenheit hatte, die Kirche zu besuchen, so sollte sein erster Gang heute zur Kirche sein. Er erinnerte sich an das seinen lieben Eltern gegebene Versprechen, niemals, wenn sich ihm die Gelegenheit böte, den Gottesdienst versäumen zu wollen und im Geiste sah er, wie heute am Sabbath seine Eltern und Geschwister andächtig nach dem Gotteshause in der alten Heimath wanderten und gewiß seiner im Gebet gedenken würden. Er kleidete sich auf’s Beste für den Kirchengang, und als er aus seinem Zimmer kam und in die Wirthsstube trat, fand er auch schon die Wittwe Kreuderin zur Kirche gerüstet und beide wanderten neben einander nach der St. Michaliskirche an der Cherry und Fünften Straße, wo Pastor Mühlenberg den Gottesdienst hielt.
Peter Mühlenberg nahm heute seinen Text aus dem zweiten Buch Moses, 20. Kapitel, Vers 12, welcher lautet: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf das du lange lebest im Lande, daß dir der Herr, dein Gott, giebt.“ — Dann sprach er von der großen Sünde, welche Eltern begehen, wenn sie ihre Kinder nicht gut erziehen, sie vom Schul- und Kirchengehen abhalten, und schon von frühester Jugend an nicht an Arbeit und Reinlichkeit gewöhnen. Es sei meistens der Eltern Schuld, wenn die Kinder ungehorsam und schlecht werden. Der Jugend rief aber der Pastor zu: Ein Kind das nicht Vater und Mutter ehret, so lange sie leben, ist ein Schandfleck der Menschheit, ihm steht der Himmel nicht offen und schon auf dieser Welt wird der Fluch es treffen. Dann gab er Beispiele von dem Glück, wenn Eltern und Kinder einig und friedlich mit einander leben, wie die Allmacht über sie wache, und wie der Segen des Himmels über sie herabströme. Nachdem die Predigt beendigt war, sang die Gemeinde das herrliche Lied von Gellert:
Wie groß ist des Allmächt’gen Güte,
Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt?
Der mit verhärtetem Gemüthe
Den Dank erstickt, der ihm gebührt?
Nein, seine Liebe zu ermessen,
Sei ewig meine größte Pflicht,
Der Herr hat mein noch nicht vergessen,
Vergiß mein Herz auch seiner nicht.