Bald saß man in heiterer Stimmung an der Mittagstafel, wobei Maria nicht fehlen durfte, und als der Bauer das saubere, flinke Mädchen beim Aufwarten beobachtet hatte, meinte er, zu der Wirthin gewandt, wenn Maria wolle, so würde er auch sie mit auf die Farm nehmen, die seinen beiden Töchtern von neun und zwölf Jahren gewiß nützlich wäre und er wolle ihren Dienst gut belohnen; aber Frau Kreuderin fiel ihm sogleich ins Wort und sagte, daß dieses unmöglich sei, denn Maria müsse noch eine zeitlang bei ihr verweilen, denn sie passe jetzt nicht, da sie so viel Unglück erlebt, auf eine einsame Bauerei. Begnügt euch jetzt, Meister Leinbach, fuhr sie ruhig fort, mit dem jungen Manne, und gefällt es ihm bei euch, so kann es auch noch geschehen, daß Maria zu euch kommt. Der Bauer verstand den Wink und schwieg.

Daß der Abschied zwischen Maria und Theodor kein leichter war, kann man sich wohl denken, denn die beiden jungen Leute liebten sich aufrichtig und von ganzem Herzen. Theodor versprach seiner Maria, die beinahe untröstlich war, daß er bei jeder Gelegenheit durch Bauern, welche von Oley nach Philadelphia kämen, einen Brief senden werde und sie sollte dieselbe Gelegenheit benutzen, ihm zu antworten, denn an eine Postverbindung in das Innere von Pennsylvanien war damals nicht zu denken. Nach der Erntezeit wolle er aber selbst kommen, wo sie sich dann mündlich ihre Erlebnisse mittheilen könnten und sich über die Zukunft berathen. Mit Thränen in den Augen und mit schwerem Herzen schieden die beiden jungen Leute, in der frohen Hoffnung, sich bald wieder zu sehen.

Am nächsten Morgen, als der Tag kaum graute, rollte Leinbach’s Wäglein aus dem Hofe des Gasthauses zum Goldenen Schwan und fuhr vor das Haus, wo Theodor mit seiner wenigen Habseligkeit schon bereit stand, neben ihm die gute Mutter Kreuderin, von welcher er jetzt herzlichen Abschied nahm. Darauf stieg er auf den Wagen auf welchem Leinbach bereits saß und die Zügel hielt, und nun rasch fort ging’s aus der Stadt der Bruderliebe, der neuen Heimath Oley zu.

Die Reise von Philadelphia, ohngefähr 60 Meilen, dauerte in jener Zeit mit einem Fuhrwerk volle zwei Tage, das heißt, wenn demselben auf dem rauhen Wege kein Unglück zustieß, oder sonstiger Aufenthalt vorkam, denn man hatte nicht allein mit schlechten Wegen, sondern auch oft mit wilden Thieren und den noch gefährlicheren herumstreifenden Indianern zu kämpfen.

Unsere Reisenden hatten glücklicher Weise keinen Unfall, noch kamen ihnen wilde Thiere und Indianer zu Gesicht, und erreichten am Abend des zweiten Tages glücklich Leinbach’s Farm, wo sie von der Familie, sowie von einigen benachbarten Bauern freundlichst empfangen wurden, so daß sich Theodor schon in der ersten Stunde heimisch fühlte und sich’s fest vornahm, durch Fleiß und gutes Betragen sich die Liebe und Achtung seiner neuen Lebensgefährten zu erwerben und zu erhalten.

Als er in sein sauberes Kämmerlein geführt war, um sich zur Ruhe zu begeben, senkte er sich vor seinem Bette auf die Knie, dankte seinem ewig guten Schöpfer für alles Gute, was er an ihm gethan, bat auch, wie es jedes gute Kind thun sollte, den lieben Gott, daß er seine lieben Eltern und Geschwister in der alten Welt beschützen wolle, sowie Alle die ihm Gutes gethan. Ermüdet stieg er in sein Bett und war bald in tiefen Schlaf versunken, bis ihn die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne weckten.

Drittes Kapitel.

Die Pfarrers-Familie in Philadelphia und die Bauern-Familie in Oley.


Wir haben einen Gott und Herrn,