Sind eines Leibes Glieder;

Drum diene deinem Nächsten gern,

Denn wir sind alle Brüder,

Gott schuf die Welt nicht blos für mich,

Mein Nächster ist sein Kind wie ich.


Der nächste Tag, nachdem Theodor Benz Philadelphia verlassen, war ein Sonntag, und schon in aller Frühe trat Frau Wittwe Kreuderin in die Küche und frug Maria, ob sie mit ihr in die Kirche gehen wolle, wo der junge Pastor Mühlenberg, an der Stelle seines würdigen Vaters, predigen werde. Mit freudestrahlendem Gesichte eilte Maria zu der guten Mutter und dankte ihr mit den herzlichsten Worten, ihr das große Vergnügen zu gewähren, den Gottesdienst zu besuchen. Ihre Eltern wären fromme Leute gewesen und hätten an keinem Sonntage versäumt in die Kirche zu gehen, und kaum hätte sie laufen können, hätte ihre Mutter sie schon in die Kirche geführt und andächtig beten gelernt. Nachdem Maria ihre Arbeiten verrichtet, eilte sie in ihr Kämmerlein, um sich für den Kirchengang anzukleiden, und stand bald bei Mutter Kreuderin, mit der sie zur Kirche gehen wollte.

Mit großer Andacht lauschten die Frauen den Worten des jungen Predigers, der seinen Text aus Jesus Sirach, Kapitel 14, Vers 14 genommen, der lautet: „Vergiß der Armen nicht, wenn du den fröhlichen Tag hast; so wird dir auch Freude wiederfahren die du begehrest.“

Er sprach dann, daß wir nicht zu sehr an irdischen Gütern hängen sollten, daß wir nach unsern Kräften den bedürftigen und kranken Menschen helfen sollten, Habsucht und Geiz seien eine große Sünde; der Habsüchtige und Geizige klammere sich an das Irdische, der Himmel sei für ihn nicht offen u. s. w. — Vollkommen erbaut, kehrten die Frauen in ihre Wohnung zurück.

Zwei Wochen waren vergangen, nachdem Theodor von seiner Maria Abschied genommen, als Frau Kreuderin mit freundlichem Gesicht in die Küche kam, und ihr verkündete, daß der würdige Pastor Mühlenberg nach ihr gesandt habe, sie möge in der Küche Alles gehn und stehn lassen und so schnell als möglich in das Pfarrhaus eilen, und sie bezweifle nicht im Geringsten, daß er ihr nur Gutes zu verkünden habe. Freudig überrascht von dem, was ihr die gute Mutter verkündet, eilte Maria in ihr Kämmerlein, kleidete sich einfach, aber höchst reinlich, und eilte nach dem Pfarrhause.