Karl. Möchte ich so viele Güte verdienen!

Narbonne. Es soll mich freuen, mit Ihnen, braver junger Mann, und mit Ihrem würdigen Vater mich näher zu verbinden.—Herr Firmin! Wenn es meine Pflicht ist, Sie aufzusuchen, so ist es die Ihre nicht weniger, sich finden zu lassen. Mag sich der Unfähige einer schimpflichen Trägheit ergeben!—Der Mann von Talent, der sein Vaterland liebet, sucht selbst das Auge seines Chefs und bewirbt sich um die Stelle, die er zu verdienen sich bewußt ist.—Der Dummkopf und der Nichtswürdige sind immer bei der Hand, um sich mit ihrem anmaßlichen Verdienste zu brüsten—Wie soll man das wahre Verdienst unterscheiden, wenn es sich mit seinen verächtlichen Nebenbuhlern nicht einmal in die Schranken stellt?—Bedenken Sie, Herr Firmin, daß man für das Gute, welches man nicht thut, so wie für das Böse, welches man zuläßt, verantwortlich ist.

Karl. Hören Sie' s nun, mein Vater!

Firmin. Geben Sie mir Gelegenheit, meinem Vaterlande zu dienen, ich werde sie mit Freuden ergreifen!

Narbonne. Und mehr verlang' ich nicht—Damit wir besser mit einander bekannt werden, so speisen Sie Beide diesen Abend bei mir. Sie finden eine angenehme Gesellschaft—ein paar gute Freunde, einige Verwandte—Aller Zwang wird entfernt sein, und meine Mutter, die durch meinen neuen Stand nicht stolzer geworden ist, wird Sie aufs freundlichste empfangen, das versprech' ich Ihnen.

Firmin. Wir nehmen Ihre gütige Einladung an.

Karl (für sich). Ich werde Charlotten sehen!

La Roche (bei Seite). Die Sachen sind auf gutem Weg—der Augenblick ist günstig—frisch, noch einen Ausfall auf diesen Selicour! (Kommt vorwärts.) So lassen Sie endlich dem Verdienst Gerechtigkeit widerfahren, gut! Nun ist noch übrig, auch das Laster zu entlarven— Glücklicherweise finde ich Sie hier und kann da fortfahren, wo ich es diesen Morgen gelassen.—Dieser Selicour brachte mich heute zum Stillschweigen—ich machte es ungeschickt, ich gesteh' es, daß ich so mit der Thür ins Haus fiel; aber wahr bleibt wahr! Ich habe doch recht! Sie verlangten Thatsachen—Ich bin damit versehen.

Narbonne. Was? Wie?

La Roche. Dieser Mensch, der sich das Ansehen gibt, als ob er seiner Mutter und seiner ganzen Familie zur Stütze diente, er hat einen armen Teufel von Vetter schön empfangen, der heute in seiner Einfalt, in gutem Vertrauen zu ihm in die Stadt kam, um eine kleine Versorgung durch ihn zu erhalten. Fortgejagt wie einen Taugenichts hat ihn der Heuchler! So geht er mit seinen Verwandten um—und wie schlecht sein Herz ist, davon kann seine nothleidende Mutter—