Mad. Belmont. Sieh, sieh, mein Sohn!—Will er nicht gar böse werden!
Narbonne. Was soll aus dem Aufsatz werden, der doch so wichtig und so dringend ist?
Selicour. Der Aufsatz ist fertig. Hier ist er!
Narbonne. Was, schon fertig?
Selicour. Und ich bitte Sie, zu glauben. Daß ich weder Zeit noch
Mühe dabei gespart habe.
Narbonne. Aber wie ist das möglich?
Selicour. Die Mißbräuche der vorigen Verwaltung haben mir nur zu oft das Herz schwer gemacht—Ich konnte es nicht dabei bewenden lassen, sie bloß müßig zu beklagen—dem Papiere vertraute ich meinen Unwillen, meinen Tadel, meine Verbesserungsplane an, und so trifft es sich, daß die Arbeit, die Sie mir auftrugen, schon seit lange im Stillen von mir gemacht ist—Es sollte mir wahrlich auch nicht an Muth gefehlt haben, öffentlich damit hervorzutreten, wenn die Regierung nicht endlich von selbst zur Einsicht gekommen wäre und in Ihrer Person einen Mann abgestellt hätte, der alles wieder in Ordnung bringt.—Jetzt ist der Zeitpunkt da, von diesen Papieren öffentlichen Gebrauch zu machen—Es fehlte nichts, als die Blätter zurecht zu legen, und das war in wenig Augenblicken geschehen.
Mad. Belmont. Nun, mein Sohn! Du kannst zufrieden sein, denk' ich —Herr Selicour hat deinen Wunsch erfüllt, eh' er ihn wußte; hat dir in die Hand gearbeitet, und ihr kommt einander durch den glücklichsten Zufall entgegen—
Narbonne. Mit Freuden seh' ich, daß wir einverstanden sind.—Geben
Sie, Herr Selicour, noch heute Abend sende ich den Aufsatz an die
Behörde.
Selicour (für sich). Alles geht gut—Jetzt diesen Firmin weggeschafft, der mir im Weg ist. (Laut.) Werden Sie mir verzeihen, Herr von Narbonne?—Es thut mir leid. Es zu sagen—aber ich muß fürchten, daß die Anklage des Herrn La Roche diesen Morgen doch einigen Eindruck gemacht haben könnte.