Die erste Schlacht mit den Römern erfolgte bei Heraklea in Lucanien (280). Als Pyrrhus vorher das Lager der Römer betrachtete, soll er ausgerufen haben: „Die Lagerordnung dieser Barbaren ist durchaus nicht barbarisch; bald werden wir auch ihre Taten kennen lernen.“ Die heiße Schlacht, welche nun entbrannte, in der dem König selbst ein Roß unter dem Leibe getötet ward, wurde endlich durch den Ungestüm der auf die Römer eindringenden Elefanten zum Vorteil des Pyrrhus entschieden. Als er das Schlachtfeld in Augenschein nahm und die Leichen der Römer betrachtete, die alle mit Wunden auf der Brust dalagen, soll er gesagt haben: „Mit solchen Kriegern wäre die Welt mein, und sie gehörte den Römern, wenn ich ihr Feldherr wäre!“ Auch ließ er ihre Toten zusammen mit den seinigen bestatten; den Gefangenen bot er an unter ihm zu dienen, und als sie sich weigerten, behandelte er sie dennoch mit großer Milde.

Obschon der König den Sieg errungen hatte, sandte er doch den Kineas, einen Mann von großer Klugheit und Beredsamkeit, nach Rom, um die Römer zum Frieden zu stimmen. Dieser bot alle Kraft seiner Rede auf; der Senat war schwankend und verbrachte mehrere Tage mit Beratungen. Da ließ sich der alte blinde Appius Claudius, der seit Jahren den Senat nicht mehr besucht hatte, auf einer Sänfte in den Senat tragen, wo er die Ratsherren wegen ihrer Unschlüssigkeit und Neigung zum Frieden heftig anließ. „Bis heute,“ sagte er, „habe ich immer den Verlust meiner Augen beklagt, jetzt aber wünsche ich auch noch taub zu sein, um so Unwürdiges nicht hören zu müssen.“ Da schlug die Strömung um. Dem Kineas wurde befohlen, die Stadt zu verlassen und seinem König zu sagen, daß an Frieden und Freundschaft mit ihm nicht zu denken sei, bevor er nicht Italien verlassen hätte. Erstaunt über so stolze Antwort der Besiegten, soll der König den Kineas gefragt haben, welchen Eindruck die Stadt Rom und der Senat auf ihn gemacht hätten. „Mir erschien“, antwortete jener, „die Stadt gleichwie ein Tempel, der Senat aber gleich einer Versammlung von Königen.“

Nach der Schlacht bei Heraklea war Pyrrhus bis in die Nähe von Rom vorgedrungen, zog sich dann aber, ohne einen Angriff auf die Stadt zu wagen, wieder nach Tarent zurück. Um diese Zeit schickten die Römer drei Gesandte zu ihm, um über eine Auswechselung der Gefangenen zu unterhandeln, unter ihnen den Gajus Fabricius Luscínus, einen zwar armen, aber stolzen und unbeugsamen Senator. Der König empfing die Gesandten sehr freundlich und hoffte, daß sie ihn um Frieden bitten würden; doch sie sprachen nur von der Auslösung der Gefangenen. Dieses Begehren schlug er ihnen zwar ab, unterredete sich aber insgeheim mit Fabricius, den er seiner Armut wegen zu bestechen hoffte. Allein der Römer wies des Königs Versprechungen und Geschenke mit stolzer Verachtung zurück. Am folgenden Tage gedachte Pyrrhus seinen Mut auf eine Probe zu stellen. Er verbarg seinen größten Elefanten hinter einem Vorhang des Zeltes, worin er den Römer empfing. Auf ein gegebenes Zeichen mußte das ungeheure Tier ein Gebrüll erheben und seinen Rüssel über den Kopf des Fabricius ausstrecken. Aber Fabricius blieb unerschüttert. Lächelnd sagte er zum König: „So wenig mich gestern dein Gold verlockt hat, so wenig schreckt mich heute dein Tier.“ Erfüllt von Bewunderung eines so reinen und so unerschrockenen Charakters, und um ihm einen Beweis seiner Hochachtung zu geben, gewährte der König allen Gefangenen einen Urlaub, um nach Rom zu gehen und dort das Fest der Saturnalien zu feiern. Wenn der Senat seine Friedensbedingungen annehme, sollten sie frei sein, wo nicht, so sollten sie geloben, in die Gefangenschaft zurückzukehren. Und keiner von ihnen blieb aus, als der Senat die Bedingungen verworfen hatte.

Auch die zweite Schlacht bei Askulum in Apulien (279) gewann Pyrrhus, erlitt aber so starke Verluste, daß er denen, welche ihm zu seinem Siege Glück wünschten, erwiderte: „Noch einen solchen Sieg, und ich bin verloren!“ Abermals sandte er den Kineas nach Rom, um über den Frieden zu unterhandeln, und mit ihm alle Gefangenen reichlich beschenkt und bekleidet. Aber vergeblich machte dieser bei angesehenen Männern und Frauen die Runde und bot Geschenke von Gold und kostbarem Schmuck, um die Gemüter für den Frieden zu stimmen. Der Senat beharrte bei dem Entschlusse nicht eher mit Pyrrhus zu unterhandeln, als bis er Italien verlassen hätte.

Im folgenden Jahre (278) gab Gajus Fabricius als Konsul abermals einen Beweis seines edlen Sinnes. Er erhielt eines Tages einen Brief vom Leibarzte des Königs, worin sich dieser erbot gegen eine ansehnliche Belohnung seinen Herrn zu vergiften. Aber Fabricius, voll Abscheu über solchen Verrat, entdeckte die Sache dem König. Über diese Redlichkeit erstaunt, rief Pyrrhus aus: „Es ist schwerer den Fabricius von seiner Rechtschaffenheit abzubringen, als die Sonne von ihrem Laufe!“ Sogleich gab er alle römischen Gefangenen, die er noch hatte, ohne Lösegeld frei, und die Römer, um sich nicht an Großmut übertreffen zu lassen, schickten ihm ebenso viele Gefangene zurück.

Da Pyrrhus keine Hoffnung mehr hatte den Krieg auf eine für ihn rühmliche Weise zu beendigen, so war ihm eine Einladung der Syrakusaner, die ihn gegen die Karthager zu Hilfe riefen, sehr willkommen. Auch in Sizilien war er anfangs glücklich; zuletzt aber nahm der Krieg eine für ihn so ungünstige Wendung, daß er auf den Ruf der Tarentiner gern nach Italien zurückkehrte (276).

Damals führte Curius Dentatus den Oberbefehl über das römische Heer. Dieser Mann war ein vollkommenes Muster von Mäßigkeit und freiwilliger Armut. Einst kamen Gesandte der Samniter zu ihm, um ihn durch eine große Geldsumme für ihre Sache günstig zu stimmen. Sie fanden ihn, als er gerade am Herde saß und sich selbst sein Rübengericht bereitete. Trotz seiner Armut wies er das Angebot zurück, indem er sagte, es sei angenehmer über solche, welche Gold besäßen, zu herrschen, als es selbst zu besitzen. Nur zwei Reitknechte begleiteten ihn ins Feld, und seine Töchter mußten auf Staatskosten ausgestattet werden. Diesem Feldherrn gelang es endlich den Pyrrhus zu schlagen und aus Italien zu vertreiben. Er hatte bei Beneventum eine feste Stellung eingenommen, als ihn Pyrrhus angriff (275). Diesmal ließen sich die Römer durch die Elefanten nicht schrecken. Sie empfingen die anrennenden Ungetüme mit Brandpfeilen, wodurch diese gereizt und verwirrt sich rückwärts auf die Reihen der Feinde warfen und in völlige Unordnung brachten. Damit war der Sieg der Römer entschieden. Das Lager des Königs mit vieler Beute, darunter vier Elefanten, fiel in ihre Hände. Jetzt mußte sich Pyrrhus entschließen Italien zu verlassen; er kehrte mit wenigen Reitern nach Tarent zurück und schiffte bald nachher nach Epirus über.

Sein unruhiger, kampflustiger Sinn trieb ihn bald in neue Kriege. Einst drang er bei dunkler Nacht in die Stadt Argos im Peloponnes ein; da ward er im Straßenkampf von einem Stein, den eine alte Frau auf ihn schleuderte, tödlich getroffen (272). In dem Jahre seines Todes mußte sich Tarent an die Römer ergeben. Nachdem diese in den nächsten Jahren auch das übrige Süditalien sich unterworfen hatten, waren sie die Herren der ganzen Halbinsel bis nordwärts zum Gebiet der Gallier.

XIX.
Der erste punische Krieg (264–241).
Gajus Duilius. M. Atilius Regulus.