Am ersten Tage des Jahres 104 ward Jugurtha in Rom beim Triumph des Marius einhergeführt. Dabei riß ihm der rohe raubsüchtige Pöbel die Kleider und Ohrringe samt den Ohrläppchen ab. Dann ward er nackt in eine unterirdische Felskammer am Kapitol, ein ehemaliges Brunnengewölbe, das als Gefängnis diente, hinabgestoßen. „Hu, wie kalt ist euer Bad!“ rief der Unglückliche beim Hinabfallen. Dort ließ man ihn sechs Tage ohne Nahrung, worauf man ihn aus Gnaden erdrosselte (104). Sein Königreich ward geteilt: den westlichen Teil erhielt König Bocchus als Lohn seines Verrates, den östlichen ein Enkel des Massinissa und Halbbruder des Jugurtha.
Marius war inzwischen, während er noch als Prokonsul in Afrika an der Spitze des Heeres stand, und ohne daß er sich darum beworben hatte, gegen alles Herkommen abermals zum Konsul für 104 erwählt worden. Das römische Reich nämlich und Rom selbst war an anderer Stelle in Gefahr des Untergangs geraten, und Marius sollte es retten. Ein furchtbarer Feind stand plötzlich an der Grenze Italiens.
Schon vor Beginn des jugurthinischen Krieges vernahm man in Rom, daß unter den Völkern nördlich der Alpen eine große Bewegung entstanden sei; in großen Haufen zögen sie gegen die Alpen, um im Süden neue Wohnsitze zu erobern. In der Tat erschienen im Jahre 113 v. Chr. an den Ostalpen, im heutigen Krain, die Cimbern, ein germanischer Volksstamm, der wahrscheinlich bis da im Norden Germaniens gesessen hatte. Zu ihnen gesellten sich später die Teutonen, Ambronen und andere Stämme. Sie zogen mit Weibern und Kindern und aller fahrenden Habe, ein ungeheurer Schwarm von mehr als 300000 Kriegern. Bei Aquileja stellte sich ihnen der Konsul Papirius Carbo entgegen, erlitt aber eine völlige Niederlage. Doch wandte sich der feindliche Zug für diesmal von Italien ab nach Westen, wo er Gallien und Spanien raubend und verwüstend heimsuchte. Dort begegneten sie den Römern abermals im südöstlichen Gallien, in der römischen Provinz (Gallia transalpina, der heutigen Provence), und brachten ihnen in den Jahren 109–105 mehrere vernichtende Niederlagen bei.
Italien zitterte vor den gewaltigen Scharen des Nordens, wie in den Tagen Hannibals: der Schrecken war zu Rom so groß, daß sich niemand um das Konsulat des Jahres 104 zu melden wagte. Da hoffte das Volk von Marius, dem Bezwinger Jugurthas, Rettung. Es wählte ihn zum Konsul und übertrug ihm die Leitung des Krieges in Gallien. Nachdem er im Beginn des Jahres, wie oben erzählt, seinen Triumph über Jugurtha gefeiert hatte, begab er sich in die Provinz jenseits der Alpen, zum Kampf gegen die Germanen, fand sie aber dort nicht mehr: sie waren durch Südgallien über die Pyrenäen nach Spanien gezogen, und kehrten von dort erst nach zwei Jahren zurück. Diese durch die Torheit der Gegner gewährte Frist benutzte Marius, um ein neues Heer zu bilden und die erschlaffte Kriegszucht durch unerbittliche Strenge und harten Dienst herzustellen, und in Gallien alles vorzubereiten, was für den neuen Kampf erforderlich schien. So groß war die Furcht in Rom und die Zuversicht auf Marius, daß ihm, bis zur Beendigung des Krieges, das Konsulat noch vier Mal erneuert wurde; eine Auszeichnung, die noch nie einem Römer widerfahren war.
Im Jahre 102 kehrten die Feinde aus Spanien, wo sie hartnäckigen Widerstand gefunden hatten, nach Gallien zurück, um nunmehr mit aller Macht in Italien einzudringen. Sie teilten sich in zwei Haufen; die Cimbern gingen über den Rhein, um von Rhätien (Tirol) aus in Italien einzufallen; die Teutonen und Ambronen gedachten an der Küste entlang durch Ligurien einzudringen.
Marius hatte am Zusammenfluß der Rhone und Isère ein Lager errichtet und erwartete hier die Teutonen und Ambronen. Er vermied die offene Schlacht, obschon die Feinde drei Tage lang sein Lager bestürmten, und seine eigenen Leute ungeduldig den Kampf forderten. An der Festigkeit der Schanzen scheiterte alle Tapferkeit, aller Ungestüm der Germanen. Da beschlossen sie nicht länger zu zaudern, sondern geradeswegs am römischen Lager vorüber nach Italien zu ziehen. Höhnisch riefen sie den römischen Soldaten zu, sie zögen nach Italien; ob sie Aufträge an ihre Frauen und Kinder zu bestellen hätten? Kaum bändigte Marius den Zorn seiner Krieger. So groß war die Menge der Barbaren, so gewaltig ihr Troß an Wagen und Lasttieren, daß sie sechs Tage lang an dem Lager vorbeimarschierten. Kaum waren sie vorüber, so folgte ihnen Marius auf dem Fuße nach und gelangte auf kürzerem Wege zugleich mit ihnen an einen kleinen Fluß, an dem Aquä Sextiä (Aix en Provence) lag. Hier wählte Marius einen Hügel zum Lagerplatz, von welchem herab er die Gegend ringsum zu übersehen vermochte. Die Germanen lagerten sich an beiden Seiten des Flusses. Durch diese Lagerung wurden die Römer vom Wasser abgeschnitten. Diese, von Durst gequält, klagten und murrten. Marius aber wies auf den Fluß hin: „Ihr seid Männer“, sprach er, „dort ist Wasser für Blut feil, und ihr klagt, daß es fehle?“ Da gingen römische Troßknechte mit ihren Tieren zum Fluß hinab und vertrieben einige Feinde; als aber mehr Barbaren erschienen, eilten auch römische Soldaten hinzu. Die Teutonen aber und ihre Bundesgenossen fühlten sich in voller Sicherheit; sie aßen, badeten und freuten sich des schönen fruchtreichen Landes. Wie nun von beiden Seiten Hilfe erschien, wurden zuletzt die Hauptheere selbst in den Kampf hineingezogen. Der Ambronen waren 30000 Mann. In dem Augenblick, wo sie über den Fluß setzten, ließ sie Marius von allen Seiten angreifen und zwar mit solchem Erfolg, daß die meisten auf dem Platze erschlagen wurden. Die Flüchtlinge drangen gleich den Römern bis an die Zelte und Wagen der Teutonen, die am Kampf noch nicht teilgenommen hatten; hier wurden sie auch von den Weibern mit Beilen und Schwertern empfangen, und erst die Dunkelheit brachte die Kämpfenden auseinander.
Nun folgte eine grauenhafte Nacht. Die Totenklagen der Teutonen um die gefallenen Brüder, dazwischen die Wehrufe der Verwundeten, und ihr wilder Schlachtgesang wiederhallten in den Wäldern und klangen in das römische Lager hinüber, daß es den Römern durch Mark und Bein ging. Marius, der 3000 Mann unter Claudius Marcellus in einen Hinterhalt gelegt hatte, stellte mit Anbruch des Tages sein Heer vor dem Lager in Schlachtordnung und reizte die Teutonen durch abgesandte Reiterscharen zur Schlacht. In dicht geschlossenen Massen stürmten diese die beschwerlichen Höhen hinan und die Römer ihnen entgegen. Noch vor Mitte des Tages waren die Angreifer in die Ebene zurückgedrängt, und schon begannen ihre Reihen sich zu lösen, als auch Marcellus aus seinem Hinterhalt hervorbrach und ihre Verwirrung vermehrte. Ordnungslose Flucht kam über ihr ganzes Heer und nun erst begann ein entsetzliches Morden unter den fliehenden Scharen. Der Erschlagenen und Gefangenen waren an 100000. Der ganze Stamm war vernichtet bis auf einen geringen Rest, der sich nach dem nördlichen Gallien rettete. Von den gefangenen Frauen und Mädchen hatten viele nach verzweifelter Abwehr, um der Schmach der Knechtschaft zu entgehen, sich selber den Tod gegeben. Teutobod selber, der König, geriet in Gefangenschaft (102).
Inzwischen waren die noch unbesiegten Cimbern über den Brennerpaß vorgedrungen, hatten das Heer des Lutatius Catulus an der unteren Etsch geschlagen und südwärts über den Po zurückgedrängt. Ihr Plan war, sich mit den Teutonen, deren Schicksal ihnen noch unbekannt war, zu vereinigen und dann gegen Rom zu ziehen. Darüber versäumten sie die günstige Gelegenheit, sofort nach ihrem Siege über den Po vorzurücken und das wehrlose Italien zu erobern. Im Frühlinge des folgenden Jahres (101) verband sich Marius mit Catulus. So rückten sie, 50000 Mann stark, wieder über den Po und stießen bei Vercellä auf den Feind, nahe der Mündung der Sesia in den Po, wo einst Hannibal seine erste italische Schlacht geschlagen hatte. Die Cimbern aber schickten Abgeordnete an die römischen Feldherren und ließen um Land für sich und ihre Brüder, die Teutonen, bitten. Sie erhielten die Antwort: für ihre Brüder sei bereits gesorgt; sie hätten ein Land bekommen, wo sie ewig bleiben würden. Dabei ließ Marius, um ihnen die Vernichtung der Teutonen glaublich zu machen, den gefangenen Teutobod in Ketten vorführen. Jetzt rückten die Cimbern vor das Lager der Römer, und Bojorix, ihr König, forderte, nach dem Brauche seines Volkes, den Gegner auf Ort und Zeit zur Schlacht zu bestimmen. Marius bezeichnete den folgenden Tag und das raudische Feld, das der überlegenen römischen Reiterei einen günstigen Kampfplatz bot.
Die Cimbern erwarteten den Angriff in einer viereckigen Schlachtstellung, die sich dreiviertel Meilen in Breite und Tiefe erstreckte. In den äußeren Gliedern hatten sich die Kämpfer mit eisernen Ketten aneinander gebunden, um das Eindringen der Feinde zu verhindern. Bei den Römern stand das Heer des Catulus im Mitteltreffen, das des Marius bildete die Flügel. Im Morgennebel ward die cimbrische Reiterei von der römischen überrascht und auf ihr Fußvolk zurückgetrieben, das sich eben erst ordnete. Schon aber rückte das römische Fußvolk, Sonne und Wind im Rücken, aus der staubigen Ebene heran. Der Tag war schwül; die Cimbern hatten Sonne und Wind gegen sich und ertrugen nicht lange die ungewohnte Hitze. So errangen die Legionen mit geringen Verlusten einen völligen, mit der Vernichtung des cimbrischen Volkes endigenden Sieg. Nachdem ein Teil der Feinde dem römischen Schwerte erlegen war, floh der Rest der Wagenburg zu, wo auch die Frauen sich zur Wehr stellten. Hier begann ein neues Gemetzel, dem nur wenige Haufen durch die Flucht entgingen. Auch hier geschah es, daß viele der Frauen, um nicht in Gefangenschaft zu geraten, erst ihre Kinder, dann sich selbst töteten. Dennoch betrug die Zahl der Gefangenen 60000; die der Gefallenen 120000.