Aufnahmen von Curt Sippel, Plauen i. V.

Es geht mir, wenn ich die Feder ergreife, um den Leser nochmals zu einer Wanderung durch das Vogtland einzuladen, ähnlich wie einem alten Schriftsteller: ich muß ihm zunächst Dank dafür sagen, daß er mir durch das verhältnismäßig einförmige Gebiet jenseits der Elster gefolgt ist, und ich kann ihm dafür versprechen, daß ihm der östliche und südliche Teil dieses Landes wenigstens landschaftlich mehr bieten wird als der westliche. Allerdings verfügt er nicht über Glanzpunkte wie die vogtländische Schweiz und das Triebtal, das ja im übrigen selbst auf der rechten Seite in das Elstertal einmündet, und er vermag keine Edelsteine dörflicher Kunst wie die erwähnte Kirche zu Kürbitz aufzuweisen, aber die Bodenformen selbst sind hier weit mannigfacher, und derjenige, den immer wieder gerade der Blick ins Weite und die Sehnsucht nach den Höhen in die Natur hinauszieht, wird hier eher auf seine Kosten kommen als bei einer Wanderung jenseits der weißen Elster, wie wir sie früher zurückgelegt haben. Wer einmal von der Höhe des Friedrich-August-Steines in Schöneck hinabgeschaut hat ins weite Land oder dem Plätschern der Rißfälle gelauscht oder wer auf dem Grenzwall des vogtländischen Erzgebirges mit seinen Blicken nach Sachsen und Böhmen gewandert ist, der wird anerkennen müssen, daß sich gerade dieser Teil des Vogtlandes mit jedem anderen Sachsens an Naturschönheiten messen kann, und der wird verstehen, daß es einen Dichter wie J. Mosen immer wieder, wenn auch in weiter Ferne, zur Muttererde hinzog.

Wo auf hohen Tannenspitzen,

die so dunkel und so grün,

Drosseln gern verstohlen sitzen,

weiß und rot die Moose blühn,

zu der Heimat in der Ferne

zög ich heute noch so gerne –

Es liegt mehr darin in diesen Worten als so mancher ahnen dürfte – es ist die wahre, tiefe Sehnsucht nach dem Mutterboden, nach den Bächen und Tannen der Heimat, von der der Dichter auch weit in der Ferne nicht lassen konnte. –