Abb. 7 Schöneck
Das weiter südlich liegende Adorf, ein freundliches Städtchen mit etwa achttausend Einwohnern, ist besonders durch die Perlmutterfabrikation groß geworden, die auch in Ölsnitz zu Hause ist, die Muscheln wurden früher zahlreich in der Elster gefunden, und der Erwerbszweig ist geblieben, auch nachdem die Funde seltener geworden waren, so daß heute auch zahlreiche importierte Stücke dort verarbeitet werden. Im übrigen zeigt auch Adorf mit seinem geräumigen Marktplatz dasselbe freundliche Bild wie alle diese vogtländischen Kleinstädte, und die Industrie, die sich auch hier zahlreich findet, hat es nicht wesentlich zu beeinflussen vermocht. Abseits davon sind noch zwei Orte zu erwähnen, deren Name jedem bekannt ist und die dem Reichtum der Erde selbst ihre Blüte verdanken: Bad Elster und Brambach. Inmitten der Nadelwälder des Elstergebirges ist hier eine Stätte für Genesungsuchende entstanden, die mit ihren Quellen und Sprudeln (alkalisch-salinische Eisensäuerlinge, Glaubersalz, kohlensaure Stahlbäder) jährlich Tausenden Genesung bietet und sich zu einem modernen Bade entwickelt hat, wobei auch dem Moorboden aus den großen Lagern der Umgebung ein wesentlicher Anteil zufällt. In weitaus freierer Lage ist Bad Elster, wenn auch in weit bescheidenerem Maße, Brambach gefolgt, das in der Nähe der böhmischen Grenze am Fuße des Kapellenberges in einer engen Talmulde eingebettet ist. Wer von Adorf nach Brambach wandert, durchschreitet zuerst in fortwährender Steigung ein stilles Waldtal, bis der Weg zuletzt steil auf die letzte Hügelwelle hinaufführt, die vor Brambach gelagert ist und erblickt von hier hinüber nach den waldbedeckten Höhen des Elstergebirges und ein Stück ins böhmische Land hinein, das sich hier von beiden Seiten an diese Ausläufer des Vogtlandes heranschiebt. Auch Brambach selbst hat sich, so gut es möglich war, an die eingeengte Lage im Tale des Fleissenbaches, der hier in westlicher Richtung der Elster zufließt, angepaßt. Die Straße nach Eger führt von hier unmittelbar am Kapellenberg vorbei, der mit seinem granitenen Aufbau wie ein Wächter des südlichen Vogtlandes dasteht und von dessen Gipfel eine weite Rundsicht nach Norden und über Böhmen gestattet ist. Die beiden nächsten Dörfer, die südlichsten des Vogtlandes, liegen bereits tief unten am Steilabfall des Elstergebirges, und Straße und Eisenbahn haben die Senkung nur künstlich durch große Bogen überwinden können. Wir sind hier am Ende unserer Wanderung angelangt, aber an einer Stelle, von der sich in kurzer Zeit weitere Glanzpunkte landschaftlicher Schönheit erreichen lassen: das herrliche Egertal im Osten, oder das Kaisergebirge mit Eger und Franzensbad oder das Fichtelgebirge mit seinen östlichen Ausläufern bei Selb und Tirschenreuth und der uralten Kultstätte des Klosters Waldsassen, die von hier in ein paar Wegstunden zu erreichen ist.
Abb. 8 Kirche von Bösenbrunn am Triebelbach
Es war nicht meine Absicht, eine vollständige Beschreibung des Vogtlandes zu geben, sondern es waren nur Wanderbilder, die vor dem Auge des Lesers vorüberziehen sollten, um ihn selbst zu einer Fahrt durch diesen südwestlichen Gau Sachsens einzuladen. Wer mehr mit der Landschaft selbst vertraut werden will, der möge selbst kommen und schauen, und er wird mit der Überzeugung zurückkehren, daß kein Grund vorliegt, das Vogtland hinter den übrigen Gegenden unseres engeren Vaterlandes zurückzusetzen. Daß es noch nicht »Mode« geworden ist, ist wohl der beste Beweis, daß ein Unterkommen auf den Wanderungen auch denen ermöglicht ist, die nur über bescheidene Mittel verfügen.
Abb. 9 Bad Elster
Anmerkung. Wer mehr über das Vogtland erfahren will, sei auf die Literatur verwiesen, die auch bei den vorliegenden beiden Arbeiten benutzt worden ist, vor allem auf: Unser Vogtland (Heimatkundliche Lesestücke für die Schulen des sächsischen Vogtlandes, bearbeitet von einer Kommission Plauenscher Lehrer, Verlag der Dürrschen Buchhandlung, Leipzig), Das Königreich Sachsen in Wort und Bild von Leo Woerl und Steche: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreich Sachsen; weitere Literatur ist in dem zuerst genannten Buche angeführt. Denen, die ihr Wissen und Können in den Dienst dieser Sache stellten, besonders Herrn C. Sippel, Schriftführer des Verbandes vogtländischer Gebirgsvereine in Plauen, der für beide Aufsätze eine Reihe von eigenen photographischen Aufnahmen zur Verfügung stellte, bin ich zu großem Danke verpflichtet.