Auch hier muß Sorge getragen werden, daß neben den billigeren, etwas schematischen Drehbankarbeiten für das kaufkräftigere Publikum auch handgeschnitzte lebensvolle Gestalten am Lager sind. Damit der Erzeuger einen angemessenen Gewinn von seiner Arbeit habe, die Gegenstände aber trotzdem nicht zu hoch im Preise kommen, dürfte sich keine lange Reihe Zwischenhändler zwischen Verkäufer und Käufer einschieben.

Wir gehen kühn über Deutschlands Grenzen hinaus und umspannen den Erdball. Wir lassen im Spielzeug erstehen das ganze bunte Völker- und Trachtengemisch von Europa und den übrigen Erdteilen. Wir bringen Modellbogen auf den Markt von der Eskimohütte und dem Hottentottenzelt bis zum Wolkenkratzer, vom Pfahldorfhaus in der Südsee bis zur Baumwohnung auf Java. Die Zinngießerei bringt bereits Völker aller Welt zur Anschauung. Oft hat die Phantasie sich dabei allzu reichlich betätigt. Wahrheit in der Darstellung ist hier aber um so nötiger, als eine Verbesserung eines Modelleindruckes durch nachträgliche Sinneseindrücke am natürlichen Gegenstande nicht eintreten kann. Sind keine einwandfreien Unterlagen zu haben, dann verzichte man lieber auf die Darstellung. Auch hier darf das Erzeugnis der Handarbeit nicht fehlen, es wird sicher im Auslande kaufkräftige Abnehmer finden.

Die Darstellung deutscher Anschauungsstoffe wird von unseren Erzeugern vor außerdeutschen stets bevorzugt werden müssen. In dem Heimatlichen liegen die starken Wurzeln unserer Spielwarenerzeugung. Heimatliche Darstellungen finden den Weg über die Grenzen hinüber zu unseren deutschen Brüdern im Auslande. Ob sie in Rumänien, in Siebenbürgen, im Elsaß, im Kaukasus, in den Urwäldern Südamerikas oder sonst wo sitzen mögen: sie werden es gern sehen, wenn ihre Kinder mit Spielzeug spielen, das Fäden spinnt zur alten Heimat. Schaut der Erwachsene solchem Spiel der Kleinen zu, so wird ihn stilles Gedenken übermannen; da wird schließlich die Zunge beredt werden beim Erzählen von altheimatlichen Zuständen, von der eigenen Jugend, die – wenn auch manchmal hart – doch schön war. Die Kinder lauschen. So sprechen Vater und Mutter selten. Es muß etwas besonderes um das Spielzeug sein.

Geht aus der alten Heimat als Geschenk zur Weihnachtszeit eine solche Gabe hinaus in die Fremde, und Vater und Mutter stellen die Sächelchen auf, wie es sein muß, dann stehen jung und alt herum um das Bild aus der alten Heimat, Wehmut und Freude im Herzen. Das sind Weihestunden, der fernen Heimat gewidmet, die unermeßlichen Gewinn für die Außenposten unseres Volkes haben, aber auch für uns selbst. Da kommt kein Negerenglisch, kein Burendeutsch, kein Sprachenwirrwarr beim Erzählen und Erklären heraus, da kommt die reine deutsche Muttersprache zu ihrem Rechte. Für diese altheimatlichen Stoffe hat die fremde Zunge keine Ausdrücke. Wenn unsere Brüder draußen sich auch äußerlich verändern, sich ihrer Umgebung anbequemen, so halten wir doch durch solche in der Heimat wurzelnde Gaben bei ihnen das Heimatgefühl wach. So lange sie dies Gefühl haben, so lange sind sie noch unser, sind sie und ihre Kinder fürs Deutschtum noch nicht ganz verloren!

Wenn unsere Geschenke das erreichen, Heimatsinn zu erwecken im Lande selbst und draußen in der Fremde, dann können wir wohl sagen: Es sind rechte Geschenke gewesen. Wir haben mehr geschenkt als Spielzeuge oder Kunstwerke. Wir haben innere Werte erschlossen und mitgegeben, die unbezahlbar sind, die sich nicht wiegen und messen lassen, die nur innerlich erlebt und gewertet werden können.

Aber nicht nur der Geber kann befriedigt auf sein Geschenk blicken, nein auch der Erzeuger. Auch er gibt mehr hinaus als allein seiner Hände Fleiß. Auch er kann sprechen: Der Geist, aus dem heraus ich alles gebildet und geschafft; der Geist, der aus meiner Arbeit spricht, der Geist der Heimat, der ist an Euch, Ihr Käufer, mein Geschenk!


Caprivi und die Bäume im Garten des Kanzlerpalais

»Ich kann nicht leugnen, daß mein Vertrauen in den Charakter meines Nachfolgers einen Stoß erlitten hat, seit ich erfahren habe, daß er die uralten Bäume vor der Gartenseite seiner, früher meiner Wohnung hat abhauen lassen, welche eine erst in Jahrhunderten zu regenerierende, oft unersetzbare Zierde der amtlichen Regierungsgrundstücke in der Residenz bildeten. Kaiser Wilhelm I., der in dem Reichskanzlergarten glückliche Jugendtage verlebt hatte, wird im Grabe keine Ruhe haben, wenn er weiß, daß sein früherer Gardeoffizier alte Lieblingsbäume, die ihres Gleichen in Berlin und Umgebung nicht hatten, hat niederhauen lassen, um un poco piu di luce zu gewinnen. Aus dieser Baumvertilgung spricht nicht ein deutscher, sondern ein slawischer Charakterzug. Die Slawen und die Kelten, beide ohne Zweifel stammverwandter als jeder von ihnen mit den Germanen, sind keine Baumfreunde, wie jeder weiß, der in Polen und Frankreich gewesen ist; ihre Dörfer und Städte stehen baumlos auf der Ackerfläche, wie ein Nürnberger Spielzeug auf dem Tische. Ich würde Herrn von Caprivi manche politische Meinungsverschiedenheit eher nachsehen, als die ruchlose Zerstörung uralter Bäume, denen gegenüber er das Recht des Nießbrauchs eines Staatsgrundstücks durch Deterioration desselben mißbraucht hat.«

(Aus Bismarcks drittem Bande.)