Das Weberhaus in Hosterwitz
Von Edgar Hahnewald, Dresden
Die Wohnungsnot zwingt dazu, jeden verfügbaren Raum nutzbar zu machen; dadurch werden aber in gewissen Fällen auch Stätten bedroht, deren unangetastete Erhaltung selbst in dieser Notlage geboten erscheint. Das ist auch beim Weberhaus in Hosterwitz der Fall, das bisher fast unbekannt und darum unberührt lag; besucht und bewundert von denen, die diese Stätte zu schätzen wußten, seine kulturelle und musikgeschichtliche Bedeutung kannten. Jetzt aber glauben die Wohnungsbehörden, die bisher Rücksicht übten, diesen stillen Winkel nicht länger schonen zu können. Wenn aber das Weberhaus für dauernd bewohnbar gemacht werden sollte, sind Eingriffe in die äußere und innere Gestaltung unumgänglich nötig, die den historischen Charakter des Hauses zerstören.
Der Heimatschutz bemüht sich, im Verein mit dem um die Erhaltung der Kulturstätte verdienten Besitzer, Herrn Emil Krahmer, die drohende Gefahr abzuwenden.
Es erscheint angebracht, auch weitere Kreise für diese Schaffensstätte des Freischütz-Komponisten Carl Maria von Weber zu interessieren, was durch die nachfolgende Schilderung geschehen soll.
Die Schriftleitung.
An der Dresdner Straße in Hosterwitz, in beinahe unmittelbarer Nähe des Pillnitzer Idylls, liegt Carl Maria von Webers Sommerhaus.
Hundert Jahre lang hat ein guter Stern über seiner Unversehrtheit gewacht. Kaum daß es jemand wußte. Zwar Webers Möbel stehen nicht mehr darin. Irgendwer hat später dem hinteren Fachwerkgiebel eine hölzerne Veranda vorgebaut, die aber das Ganze nicht stört und die heute schon wieder alt geworden und von der Zeit in die Stimmung des Winkels einbezogen worden ist. Aber sonst ist es noch ganz und gar Webers Haus geblieben – man meint, die Blumen, die da blühen, habe schon er gestreift, wenn er kam und seine Frau Caroline in der Laube ihm entgegensah. Und die stillwachsenden Bäume haben das Häuschen nur noch tiefer in friedevolles Grün gehüllt.