Abb. 2 Das Weberhaus, an der Straße die beiden prächtigen Nußbäume
Abb. 3 Der einzigartige Blumengarten des Weberhauses
»Oh Hosterwitz, oh Ruhe! Ruhe!« Das schrieb Weber einmal in einem Briefe. Aber Ruhe nannte er es auch damals noch: die Euryanthe schreiben; Ruhe nannte er: in vierundzwanzig Tagen drei Singspiele und eine Oper einstudieren, zu jeder Probe drei Meilen zurücklegen und außerdem in hundert Tagen noch achtunddreißigmal Dienst in Kirche und Theater tun.
»In dieser Zeit,« schreibt sein Sohn, »sahen Caroline und der damals auch in Hosterwitz wohnende (Freund und Schüler) Benedikt oft schon früh vor sechs Uhr, wenn sie in die Laube im Garten traten, wo gewöhnlich das gemeinschaftliche Frühstück eingenommen wurde, am offenen Fenster seines Arbeitszimmers das bleiche Haupt des Meisters über das Notenpapier gebeugt, oder ihn vom kurzen Morgenspaziergange heimkehren. An allen Tagen, die ihm sein Dienst frei ließ, arbeitete er sechs bis acht Stunden unablässig an der Oper und gönnte der gepreßten Brust nur selten, bei langsamen Wanderungen am Elbufer oder durch ein Waldtal die Erquickung tiefer Atemzüge balsamischer Luft. Mehr als einmal rief er, aus dem heißen Arbeitszimmer in den Garten tretend und die Arme ausdehnend aus: ›Ich wollte, ich wär ein Schuster und hätte meinen Sonntag und wüßte nicht Gix noch Gax von C-Dur und C-Moll!‹«
Unablässige Arbeit schwächte seine ohnehin kränkelnde Brust. »Ich huste und faulenze,« antwortete er ingrimmig den Freunden, die nach seinem Ergehen fragten. Die Symptome der Müdigkeit häuften sich, seine Kräfte, flackrig geworden, verzehrten sich in tätiger Hast.
Ein Jahr darauf, 1823, fühlte er sich zu matt für den der Entfernung wegen beschwerlichen Aufenthalt in Hosterwitz, der ihm – ein tragischer Widerspruch – gerade damals so not tat. Und doch rang er sich in dieser Zeit den Oberon ab! »Dieses Leben und musikalische Licht und diese tongewordene Heiterkeit und Frische schrieb ein kranker, gebeugter und verdrossener Mann, den trockner Husten Tag und Nacht quälte, der, in Pelze gehüllt, die geschwollenen Füße in Sammetstiefeln, am Schreibtische saß und im stark geheizten Zimmer fror.«