Ein Jahrhundert ist seitdem durch den friedsamen Garten, durch die kleinen Räume des schlichten Hauses gegangen.

Der Zauber einer holden Verschollenheit liegt darüber gebreitet. Ich sah das Idyll im seligen Glast eines Hochsommertages um die Stunde, da Pan schläft – vor den Fenstern des treuen Bewahrers, des alten Krahmer, standen Kornpuppen mit einer Krone schwergebogener Halme. Und ich sah es wieder im milden Riesellichte der Septembersonne – über Haus und Garten spann sich ein scheidender Abglanz der Glückstage, deren sich Haus, Garten, Laube heimlich zu entsinnen scheinen.


Dem Kommenden guckt das Häuschen mit gemütlichen Fenstern entgegen – es blinzt gleichsam vertraulich und wartend durch den Zaun, der das benachbarte Feld einhegt.

Dann aber wehrt eine alte Steinmauer die Neugier ab – es ist ein Winkel für Vertraute. Zwei alte Nußbäume überschatten locker belaubt das grüne Holztor zwischen den Torsäulen mit den Steinkugeln obendrauf.

Der Grundriß des Hauses hat die Gestalt eines längs zur Straße gelegten lateinischen T. Das ergibt drei Giebel, von denen einer der Straße, der andere der hinter Dorf und Bäumen verborgenen Elbe zugekehrt ist, während der dritte in den blühenden Garten blickt. Um diesen Giebel knirschte Carolinens Schritt, wenn sie kam, den Heimkehrenden zu empfangen, der ihr durch das Gitter des grünen Tores entgegenlachte.

Innen ist der alten Mauer, dem Tor zur Seite, ein schmaler, steinerner Sitz eingefügt. Er sieht einer Konsole ähnlicher als einer Bank. Eine Clematisranke zieht einen Bogen darüber. Diese hübsche Kleinigkeit mutet an wie eine zierliche Titelvignette.

Rundum blüht es. Ein bunter Fries von Astern und Balsaminen umzieht den Sockel des Hauses. Vor dem blaugrauen Giebel blühen hochstämmige Rosen, Oleander, Astern, Geranien im Buchsbaumrondell. Sogar um die alte Pumpe in ihrem Holzgehäuse mit spitzem, rotem Dach, die zu Webers Zeiten auch schon dastand, blüht ein Kranz bunter Topfblumen: Geranien, fleißiges Lieschen, blaßblaue, hängende Glockenblumen.

Dahinter, in dichtes Grün gehüllt, versteckt sich die Laube, in der Caroline mit ihrer Näharbeit saß, wenn er oben am Freischütz schrieb. Der Efeu hat die Laube dicht umwuchert. Über das hohe, spitze Dach wächst er noch hinaus und krönt den Laubengiebel mit einem üppigen Blätterschopf. Drinnen – drei Steinstufen führen hinein – ist es kühl. Die weiße Decke ruht auf kornblumenblauen Wänden. Weißes, bäuerlich gemütliches Gestühl steht drin. Durch die zwei Fenster der Rückwand blickt man aus der blauen Kühle hinaus in durchsonntes Gartengrün.