Aber nur seine Totenmaske blickt drüben im kleinen Arbeitszimmer dem Besucher entgegen. Sie ist kostbarer Familienbesitz und war nur da, weil der Maler Hübner das geistvoll feine Antlitz zeichnete. Alle Weberbildnisse aus der Lebzeit des Meisters erblinden vor diesem Abdruck des eben Verstummten – der letzte Hauch des entschwundenen Lebens durchdrang – so scheint es – die formende Masse und belebte sie. Er gab ihr den aus seelischen Tiefen kommenden Blick der Pupillen, der die schon geschlossenen Lider noch ein letztes Mal durchdringt, der im Wissen um das Letzte noch einmal ins Leben zurückblickt. Und gab der feingeformten Nase ein letztes nervöses Atmen, ein Veratmen. Und ein letztes, unausgesprochenes Sprechen dem energisch und doch mild geschwungenen Munde.

Ich neigte die Maske ein wenig nach vorn – um diesen Mund erschien ein feines, heimliches Lächeln, ein verstehender, stummer Spott aus dem Schattenreiche der Toten, die um die Irrtümer der Lebenden wissen und deren Eifer belächeln – das Beste, das Letzte haben sie immer mit hinübergenommen.

Das Antlitz lächelte voller Geheimnisse. Und durch das offene Fenster, aus dem blühenden Garten, weiter her, von den fernen Duftbergen im Abendlicht, aus dem Endlosen des perlmutterfarbenen Himmels drang lautlos, verhallend, riesengroß vom Himmel niederflüsternd, aus Freischützklängen geisterhaft ins Unendliche verklingend:

Schau der Herr mich an als König!

Dünkt Ihm meine Macht zu wenig?

Gleich zieh Er den Hut, Mosje …

Und darüber hin, schattenhaft groß, als lautloser Zwieklang der Lachgesang:

Hehehehehehehehehehe!

Hehehehehehehehehehe!

Im Weinlaub raschelte leises Frösteln.