Einsam und mit Sehnsucht im Herzen nach dem glückseligen Welschland wandelt Albrecht Dürer durch Wittenberg, allwo er in der Schloßkirche seine Kunst ausübt; durch dasselbe Wittenberg, in dem nicht lange danach der blonde Lucas Maler von Cronach in Franken heimisch werden wird voll schaffensfrohen, sicheren Behagens; dasselbe Städtlein am Heimatstrom, das im hellen Lichtschein bald erstrahlen wird, der ausgeht von Persönlichkeit und Haus des sächsischen Bergmannssohnes Martin Luther. O, wie wert macht uns das köstlich unschätzbare Buch O. E. Schmidts unsre Heimat! Welcher Strom des Dankes muß diesem Manne entgegenschwellen aus tausenden von Herzen!

Nur ein paar Worte noch über die jetzt erschienene zweite Auflage des dritten Teils. – Der Verfasser hat diesen Abschnitt seines Werkes zu neuer Höhe zu führen gewußt. So viel unerwartetes Wertvolles ist in dem neuen Buche enthalten, daß auch dem Kenner der ersten Ausgabe das Studium dringend empfohlen werden kann. Ein hoher Genuß ist es zu lesen, was O. E. Schmidt hier über die neuen Domtürme von Meißen zu sagen hat, und aufzumerken, wie er an unserm innern Auge die Vertreter der neuen Meißner Kunst, den herrlichen Oskar Zwintscher, den kraftvollen Sascha Schneider vorüberführt. Aber auch daß er im Kapitel von der Lommatzscher Pflege des sorgenvollen kleinen Rucksackträgers nicht vergißt, der im Hungerjahr 1917 und später noch lange in dem gesegneten Eckchen von Hoftür zu Hoftür zieht, bis er für viele gute Worte und für viel Geld endlich etwas bekommt, das er daheim dann glückstrahlend den Seinigen auf den Tisch schütten kann, wollen wir dem Verfasser danken. Denn auch das ist Geschichte geworden; unsere Enkel werden es einst nachdenklich lesen. – Wie eine frohe Botschaft aber von doch einmal kommenden bessern Zeiten hört es sich an, was ganz zuletzt gesagt ist vom immer wieder lebendig werdenden Geist beseelter Romantik, der selbst im Jahre 1920 sich schwingt um Giebel und Zinne von Schloß Siebeneichen.

In jedes gebildeten Stammesgenossen Bücherei sollte dieses Werk stehen. Jeder Vater sollte es anschaffen schon im Hinblick auf die geistige Entwicklung seiner Kinder; jede Schule, aber auch jede Volksbibliothek sollte es ihr eigen nennen! Nicht jedem deutschen Stamme wird ein solch bedeutendes Geschenk geboten werden aus dem Kreise seiner Söhne – möge der obersächsische es dem Verfasser danken durch freudige Aufnahme seines Werkes. –

Gerhard Platz.


Erzgebirgische Christ- und Mettenspiele

Ein Versuch zur Rettung alten Volksgutes

Von Max Wenzel, Chemnitz

Ein gut Teil Poesie im erzgebirgischen Volksleben ist mit dem Weihnachtsfest verknüpft. Ja, man kann wohl sagen, daß in keiner Gegend unseres deutschen Vaterlandes Weihnachten so inbrünstig gefeiert wird wie im Erzgebirge, und auch der berühmte Zahn der Zeit hat sich hier machtlos erwiesen. Schon die Adventszeit ist weihnachtlichen Zaubers voll. Da blasen vom Kirchturm Musikanten das »Feldgeschrei« in die dunkle Winternacht hinaus, und im warmen Stübchen regen sich fleißige Hände, um all die Wunderwerke der Krippen und Pyramiden herzustellen, die einer erzgebirgischen Stube die rechte Weihnachtsweihe geben. Fast könnte man von einer Überfülle sprechen. Man will alle Möglichkeiten ausnützen, seine Festfreude zu zeigen. Der »Winkel« der Stube bevölkert sich mit allerhand buntem Schnitzwerk, das die lieblichste biblische Erzählung figürlich darstellt. Daneben dreht sich auf der Kommode eine gar prächtige Pyramide, und von der Decke herab grüßt das bunte Perlen- oder Holzrankenwerk eines Leuchters oder einer Spinne. Auf dem Schrank stehen gravitätisch Engel und Bergleute mit Lichtern auf dem steifen Arm und auch ein Räucherkerzchenmann blickt von irgendwo auf den köstlichen Zierat. Und – um auch der modernen Zeit eine Verbeugung zu machen – fehlt zu alledem auch der Christbaum nicht, dessen Fuß in einem kleinen Christgärtchen wurzelt. Farbe und Licht überall! Eine Erinnerung an die alte Bergherrlichkeit. Kam der Bergmann aus dem dunklen Schoß der Erde, begrüßte er das Licht als Befreier von dunkler Sorge und ängstlichem Druck. So wollte ihm auch in dunkler Winternacht das Licht von oben als ein symbolisches Zeichen des Lebens erscheinen. Lichter stellt man in die Fenster, daß sie weit in die Nacht hinausstrahlen; oder man besteckt die Fensterrahmen mit kleinen Öllämpchen. Wer einmal an einem der drei heiligen Abende oder an den Festtagen selbst im Schlitten von Annaberg über Buchholz, Sehma, Cranzahl nach Oberwiesenthal gefahren ist, wird den Märchenzauber nie vergessen.

Es handelt sich hier um durchaus gegenwärtige, lebende Dinge, nicht etwa um Erinnerungen an eine alte freundliche Zeit. Auch der Erzgebirgler in der Fremde hält an seinem Weihnachten fest und schmückt seine Wohnung gern mit solch heimatlichem Gerät. Als wir vor einigen Jahren in Chemnitz eine Ausstellung volkstümlicher Weihnachtskunst veranstalteten, waren wir erstaunt über die Menge von Krippen und Pyramiden, die uns allein aus Chemnitz angeboten wurden. Ein bekannter Drechslermeister hielt sogar die einzelnen Pyramidenteile fertig auf Lager.