Abb. 2 Vogtländische Bauernhäuser in Mühlhausen bei Bad Elster

Garcke gibt als Vorkommen an: »Im Vogtlande im Brambacher Walde bei Adorf häufig und ebenso um Karlsbad, Franzensbad, Eger und Marienbad; früher auch bei Paderborn. – Bayern (Alpen und Hochebene verbreitet)«. Von dem erstgenannten Verbreitungsbezirke entfällt auf Sachsen ein winziger Teil. Die Schneeheide ist daher tatsächlich für Sachsen und ganz Mitteldeutschland eine große Seltenheit; Südbayern kommt ja für Mitteldeutschland nicht in Betracht. Im Fichtelgebirgsführer von Dr. Albert Schmidt (Wunsiedel 1894, Verlag von G. Kohler) Seite 18 ist Erica carnea als Bewohnerin des Silikatgesteines aufgeführt (nach Rektor Kellermann). Auf meine Anfrage schreibt mir Herr Dr. Vestner, Reallehrer in Wunsiedel, folgendes: »Erica carnea beherrscht im Fichtelgebirge das Gebiet des sogenannten Selber Waldes. Sie ist im Vorfrühling, zu ihrer Blütezeit, der einzige Glanzpunkt in unserem so floraarmen Fichtelgebirge. Der Verbreitungsbezirk beginnt südwestlich in der Höhe von Thierstein, wird begrenzt von den Höhen des Egertales, ohne jedoch auf das Gebiet des Kornberges überzugreifen, endet östlich mit der Waldgrenze (Hohenberg, Liebenstein, Lindau) und zieht schließlich über Asch in den Brambacher Wald. Eine weitere Ausbreitung oder ein Zurückgehen des Bestandes ist nicht zu beobachten. Ihr Standort ist Granitboden in gemischtem, vorwiegend mit Föhren bestandenem Walde. Sonstiges Vorkommen im Fichtelgebirge gibt es nicht.« Demnach wäre Garckes Flora mit diesem Vorkommen in Nordostbayern zu ergänzen.

Abb. 3 Erica carnea bei Brambach i. V.

Häufiger findet sich die Schneeheide im angrenzenden Böhmen, sie geht aber kaum über Karlsbad hinaus. Der Gesamtverbreitungsbezirk bildet eine Insel, deren größerer Durchmesser von Westen nach Osten, der kleinere von Norden nach Süden verläuft. Die Begrenzung bilden in Richtung West–Ost etwa die Orte Thierstein in Bayern–Karlsbad, in Richtung Nordwest–Südost etwa Rohrbach–Marienbad. Auf sächsischem Gebiete kommen nur die Waldungen und Höhen um Rohrbach, Brambach, Schönberg am Capellenberge, Hohendorf, Bärendorf in Frage. Und auch hier tritt sie meist in inselförmigen Beständen auf. Niemals überzieht sie ausgedehnte, zusammenhängende Strecken wie Calluna, sondern wächst immer in kleinen geschlossenen Beständen auf feuchtem Granitboden. Wer von hier aus östlich wandert, findet die ersten spärlichen Spuren zwischen dem Raunergrunde bei Raun und Oberbrambach. Um Brambach selbst wird sie häufiger: auf dem Kuhberge, Fuchs- und Capellenberge, besonders schön auf dem Hirschberge und in reichlicheren Beständen in der Richtung von Brambach über Fleißen in Böhmen nach Schönberg am Capellenberge.

Die reichsten Bestände finden sich, wie schon gesagt, in Böhmen; schon in den Waldungen bei Fleißen, Großloh, Wildstein fällt sie im Vorfrühling jedem auf, der dort wandert, denn ihr leuchtendes Rot macht sich schon auf weite Entfernung bemerklich.

Die Gesteinsformation, die zu ihrem Gedeihen notwendig ist, ist lediglich Granit, und zwar Granit in loser Form als Grus oder Sand. Nirgends besiedelt sie Basalt, Porphyrit, Ton- oder Glimmerschiefer; die scharfe Grenze, die sie bei Formationswechsel einhält, gibt dem Geologen einen Hinweis, daß er aus dem Gebiete des Granits in ein anderes übertritt. Im Granitgebiete selbst bevorzugt sie feuchte Stellen, findet sich daher auf den Bergkuppen, soweit sie wasserarm sind, nur spärlich und hier oft in Gesellschaft von Calluna. In vertikaler Richtung liegt die Wachstumsgrenze etwa zwischen 550–900 Meter.

Abb. 4 Schneeheide – Erica carnea – im Vogtlande bei Brambach

Wenn man die Kartenskizze, die freilich auf absolute Genauigkeit keinen Anspruch machen kann, betrachtet, fällt einem unwillkürlich auf, daß das Vorkommen der Schneeheide ziemlich genau in den Bereich der sächsischen und böhmischen Bäder fällt (Bad Elster, Bad Brambach, Franzensbad, Karlsbad, Marienbad). Alle diese Bäder besitzen Quellen mit mehr oder weniger starkem Radiumgehalt, Brambach z. B. eine solche mit über 2200 Macheeinheiten. Es liegt ja nahe, die Radioaktivität des Wassers als Ursache des Gedeihens der Pflanze anzusehen oder eine durch Radiumemanationen bedingte höhere Bodenwärme. Doch sind hierüber wohl noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen angestellt worden; für den Pflanzenbiologen wäre dies eine dankbare Aufgabe! Läßt sich ein Zusammenhang der Lebensbedingungen unsrer Pflanze mit dem Radiumgehalte des Bodens nachweisen, dann würde ihr reicheres Auftreten an irgend einer Stelle im Granitgebiete vielleicht einen Fingerzeig darbieten, hier nach einer Radiumquelle zu suchen. Analoge Beispiele dafür, daß Pflanzen an bestimmte Mineralien gebunden sind, gibt es meines Wissens mehrere, z. B. das sogenannte »Galmeiveilchen«, das in der Gegend um Aachen das Vorkommen von Zinkerzen anzeigen soll. Wie weit eine solche Vermutung berechtigt ist, das zu ergründen muß ich berufenen Leuten überlassen, ich spreche hier eben nur eine Vermutung aus. Ob in den südbayrischen Alpen ähnliche Boden- und Wasserverhältnisse vorliegen, vermag ich nicht anzugeben. Vielleicht sind dort im Süden, wo die Schneeheide unsre gemeine Heide vertritt, wo sie nicht, wie hier, zur Relictenflora gehört, sondern von jeher in großen Beständen heimisch gewesen ist, die Verhältnisse anders.[4]