Abb. 16 Edelhof Alberode bei Aue
(Nach einer Zeichnung von Frau Gertrud Hofmann, Aue)
Dorfkirchen in Groß-Storkwitz, Hirschfeld und Lausen
Wehrkirchen im Leipziger Land[1]
Von Dr.-Ing. Hubert Ermisch, Leipzig
[1] Vgl. hierzu auch: Dr. Paul Zinck, Dorfkirchen im Leipziger Land im Kalender f. d. Erzgebirge u. d. übrige Sachsen. 1919. – O. Gruner, Die Dorfkirche im Königreich Sachsen und Beschr. Darstell. v. ält. Bau- und Kunstwerken i. Kgrch. Sa. Heft 16. Leipzig-Land. 1894.
Wanderfahrten durch das Leipziger Land haben ihre eigenen Reize. Dem sehenden Auge wird aus dem »öden Einerlei«, wie man es zu nennen pflegt, bald eine charakteristische Landschaft. Überall offenbaren sich Naturschönheiten. Allerdings Naturschönheiten anderer Art als wir sie im Gebirge finden oder an den schönen Hängen der Elbe. Man darf keine Vergleiche aufstellen und muß die Naturschönheiten der Ebene vielfach erst recht würdigen lernen. Daß wir auf welthistorischem Boden stehen, daß wir auf Schritt und Tritt erinnert werden an die Stätten der Völkerkämpfe vieler Jahrhunderte, das erhöht noch die Bedeutung der Leipziger Ebene. Wir stehen und wandern auf dem Schlachtfelde Mitteleuropas.
Man wird meinen, auf einem Schlachtfelde sind bauliche Altertümer wenig zu finden. Um so überraschter ist man über die Tatsache, daß in der Leipziger Ebene eine reiche Fülle von baulich hochinteressanten Dorfkirchen zu finden ist.
Wie kommt es, daß der zerstörende Fuß des Krieges an diesen Bauten vorüberging ohne sie vom Erdboden verschwinden zu lassen? Einmal verdanken wir das der massiven Bauart der Kirchen. Sie sind aus Feldsteinen oder aus verputzten Ziegeln gebaut. Dann haben aber auch die Kriege der Vergangenheit Halt gemacht vor der Heiligkeit der Kirche im Gegensatz zu den modernen Kriegen. Die Kirchtürme wurden nicht als wichtige Beobachtungspunkte in die Luft gesprengt. So hat die alte ehrwürdige Dorfkirche wohl oft ihr Dorf in Flammen aufgehen sehen, sie selbst blieb aber erhalten. Ich möchte die Buschnaukirche bei Rackwitz erwähnen. Sie liegt einsam auf ihrer Höhe zwischen den Kornfeldern. Das Dorf, das zur Kirche gehörte, verschwand vom Erdboden, das Kirchlein überdauerte die Jahrhunderte bis heute. Die Buschnaukirche ist allerdings eine Ausnahme, im allgemeinen wurden die Dörfer wieder aufgebaut, wenn sich die Kirche erhielt. Oft brannten die Kirchen aus, aber das Gehäuse erhielt sich. So sehen wir im Gegensatz zu andern deutschen Landschaften nur wenige Kirchen mit barockem Äußeren, aber viele, die in ihrem Inneren barocken Ausbau erhielten. Der äußere Bau ist meist noch der alte, schlichte, romanische, der in der gotischen Stilepoche vielfach ausgebaut oder durch Anbauten erweitert wurde.