So verweilt man und frischt Erinnerungen an frühere Besuche auf.
Gottleuba liegt im Tale des gleichnamigen Flüßchens. Die bewaldeten Berge betten das Städtchen tief in schwellende Kissen ein.
Es ruht als Sommeridyll im Grünen. Begeisterte Lokalpatrioten haben das Städtchen verfänglich »Klein-Tirol« getauft. In der Mundart der Gegend aber heißt es Guttlewe – und wenn man das von einem alten Bauernweiblein gemütlich breit aussprechen hört, klingt es wie eine Bestätigung des Eindrucks, daß es zwischen diesen grünen Bergen gut zu leben sein mag.
Über Tal und Dächer hinweg guckt die kleine schmucke Kirche. Sie steht am Berghang inmitten eines alten Friedhöfels. Steinerne Stufen, von einem Torhäuschen überbaut, führen hinauf. Hohe Lärchen beschirmen den Eingang mit hellgrünen Zweigfittichen.
Der schräg an die Giebelecke gestellte viereckige Turm trägt über malerischem Gewinkel ein lustiges Laternendach.
Das Innere des gotischen Kirchleins ist von ländlich anheimelnder Schlichtheit. Aus der Sakristei blickt man durch das helle Fenster auf schräg ansteigenden Rasen, auf gelbe und weiße Blumen, die auf schwanken Stielen vor der zerbrochenen Mauer wehen, auf grüne Waldberge.
Unter der Orgelempore hat man alte Grabsteine aufwändig eingemauert. In den Inschriften betrauern nun selbst längst, längst Gestorbene ihre Toten in rührenden Worten. Ein Pfarrer setzt seiner Hertzgeliebtesten Hausfrawe, der Wol Erbarn Viel Ehren undt Tugendreichen Frawen Anna Marien ein Ehren und Liebes Mal. Und auf den Denkstein seiner eintzigen Tochter ließ er den Steinmetz die Worte meißeln, daß die Weyl. Wohl erbarr an Sitt Ehr und Tugend Edle allhier der frölichen Zukunfft Ihres Jesu erwartet. Ein anderer Stein erzählt von dieses Pfarrers zweiter Frau, die am 4. Dezember 1640 gebohren und den 3ten Tag darauf in das Buch des lebens eingeschrieben wurde, Ao 1662 aber als in den 22 Jahr ihres Alters vereheligt worden an Hrn. Gottfried Schreibern Pfarrern alhier zu Gottleube und Bergkgießhübel, mit welchem Sie nechst Gott gezeuget hat 8 Kinder als 2 Söhne und 6 Töchter.
Immer wieder und allerorten steht der Wanderer vor solchen steingegrabenen Dokumenten und immer wieder liest er sie und spürt den Hauch einer Liebe, die über Gräber und Jahrhunderte hinaus zu Menschen spricht.