Einige andre Altertümer der Kirche zu Untertriebel sind auf Veranlassung des Professors Steche ins Sächsische Altertumsmuseum nach Dresden gewandert. Auch sie lagen verlassen und vergessen in einem Winkel des Kirchbodens. Das kostbarste Stück ist eine aus Holz geschnitzte Truhe, die zur Aufbewahrung von kirchlichen Geräten oder Meßgewändern verwendet wurde. Diese Truhe ist in dem von Schmidt und Sponsel herausgegebenen »Bilderatlas zur Sächsischen Geschichte« in der Abteilung für bäuerliche Kunst beschrieben und bildlich dargestellt.

Doch nun genug der Namen und Zahlen. Wir treten heraus und steigen hinunter ins Dorf. Der prächtige Lärchenhang des Kirchberges war im März 1919 stark gefährdet. Ein Teil der Mitglieder des Gemeinderates, verbittert durch die überaus hohen Anforderungen der Erwerbslosenunterstützung an die Gemeindekasse, hatte tatsächlich die Absicht, die großen Lärchen des Kirchpöhls fällen zu lassen. Ich hatte alle Mühe, das drohende Verhängnis abzuwenden. Ich verhandelte schriftlich und mündlich mit Pfarrer und Gemeindevorstand und disputierte mit den Bauern im Wirtshause. Den Ausschlag gab schließlich ein äußerst geschickt abgefaßtes und warmherzig gehaltenes Schreiben des »Landesvereins Sächsischer Heimatschutz«, das auf meine Anregung hin der Gemeinde zuging. Der Baumbestand des Kirchpöhls war gerettet. Der Naturschutzabteilung des Landesvereins ist es zu danken, daß das Kirchlein zu Untertriebel noch heute im Schmucke eines selten schönen Lärchenbestandes herab ins Tal grüßt. –

Abb. 3 Fuchsmühle
(Phot. Albert Roth, Ölsnitz i. V.)

In breitem Wiesentale schlängelt der Triebelbach weiter. Und nun ein Glanzstück: die idyllisch gelegene Fuchsmühle. Aus dichtem Grün leuchtet der schlohweiße Giebel mit seinem dunklen Fachwerk freundlich hervor. Hier bei der Fuchsmühle lag eine der vorzüglichsten Kupferzechen des Vogtlandes: »Hoff auf Gott«. Von 1705 bis 1721 wurden 1980 Zentner Kupfer im Werte von 47 993 Taler 16 Groschen 2¼ Pfennige und außerdem 2853/8 Zentner Kupfervitriol im Werte von 2570 Taler 18 Groschen 0 Pfennige zutage gefördert. Der Reingewinn betrug nach den jetzt noch vorhandenen Grubenrechnungen 28 172 Taler 10 Groschen 2¼ Pfennige. Der Bergsegen ließ indes bald nach. Dazu kam, daß infolge der Weichheit des Gesteins die Stollen mit Holz verzimmert werden mußten und daß man fortwährend mit dem Grundwasser des nahen Triebelbaches zu kämpfen hatte. 1735 kam die Grube zum Erliegen. Unweit der Mühle stand ein Pochwerk. Interessant ist, daß dieses Pochwerk die Ursache einer Beschwerde des staatlich konzessionierten Perlenfischers wurde. Am 3. Juli 1710 erstattet der Ölsnitzer Perlenfischer Johann Gottfried Schmirler im Amt Voigtsberg folgende Anzeige: »Er wäre vorige Woche in dem Tribler Bach gewesen und hätte Perlen suchen wollen. Da habe er gefunden, wie solcher Bach gänzlich aussterbe. Sonsten hätten die Muscheln wie ein Pflaster darinnen gestanden. Vorjetzo fände er fast gar keine. Die ursach dieses Aussterbens schreibe er dem an solchem Bach gebauten Pochwerke zu. Er hätte dahero unterschiedlichmahlen bey denen Bergbeamten Erinnerung gethan, man hätte es aber nicht attentiret; itzo könnte man nun den Schaden spühren. Man solle Teiche machen, worinnen der Schlamm und die materie, welche denen Muscheln schädlich, vielleicht sitzen bliebe. Er müsse gestehen, daß er in dieser Refier jederzeit die hellsten und klahrsten Perlen gefunden.« (Dr. J. G. Jahn, Die Perlenfischerei im Voigtlande, Ölsnitz 1854.)

Abb. 4 Bösenbrunner Kirche
(Phot. Curt Sippel, Plauen i. V.)

Außer Kupfer wurde in der Nähe der Fuchsmühle auch Zinn (Zinnzeche St. Johannes) und Eisen (Ludwig-Fundgrube) bergmännisch gewonnen. Zahlreiche Halden, Pingen, Berglöcher, Stollenausgänge und Reste alter Grubengebäude zeugen noch heute von dem Bergbau vergangener Zeiten.

Wir wandern weiter mit den wandernden Wellen und erreichen das dritte und letzte Dorf des Tales: Bösenbrunn. Auf allen Höhen rings herum lugt aus dem Dunkelgrün des Fichten- und Föhrenwaldes weißschaftig die Birke, deren Besonderheit darin besteht, daß sie zu jeder Jahreszeit andre Farbenstimmung aufweist; im Vorfrühlinge zartduftiges Hellviolett, im Spätlenz Smaragdgrün, im Sommer kraftvolles Allerweltsgrün, im Herbst strahlendes Gelb und vor Beginn des Winters wieder jenes eigenartige tote, stumpfe Violett, welches kein Pinsel wiederzugeben vermag. Am linken Talhange das winzige Dorfkirchlein, erbaut in demselben Jahre, da der Dreißigjährige Krieg begann. Droben Gotteshaus und Gottesacker, drunten das Rittergut, drüben die Mühle und draußen gegen den Talausgang, an den rechtsseitigen Waldhängen, zwei einsame Einschichten: das Streithaus und das Otterhaus. Zwischen Rittergut und Mühle liegen am Wege die Überreste alter »Griebensteine«. Es sind dies viereckige, mit einer gerundeten Aushöhlung versehene Granitbottiche, in denen zur Zeit der Pechsieder die Abfallprodukte des Peches nochmals geröstet wurden. Man gewann aus diesen »Griefen« oder Grieben eine Art minderwertiges Pech, nützte also das Naturprodukt wirtschaftlich aus. Das gewonnene Abfallpech floß durch ein an der tiefsten Stelle angebrachtes rundes Loch ab. Die Granitpfannen müssen also ehedem auf einer Unterlage gestanden haben. Jetzt liegen sie im Erdreich eingedrückt und im Grase vergraben schon seit Jahrzehnten ungenützt. Solche alte Pechpfannen gibt es auch anderswo im Vogtlande, so bei Brotenfeld, bei Planschwitz und bei Raun.