Bei den nahen Beziehungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz und dem Verein für Sächsische Volkskunde und Volkskunst dürfte auch die Geschichte des Jägerhofes, in dessen Restgebäude der letztgenannte Verein sein herrliches Volksmuseum untergebracht hat, für unsere Leser von Interesse sein. Handelt es sich doch hier um ein Baudenkmal, das in früheren jagdfrohen Zeiten von großer Bedeutung war, wie die folgenden Ausführungen beweisen werden.

Was nun zunächst die Baugeschichte betrifft, so sei bemerkt, daß das älteste Jägerhaus, von dem berichtet wird, vor dem Wilsdruffer Tor an der Weißeritz gelegen war. Sein Erbauer war Herzog Albrecht. Im Jahre 1492 schenkte Herzog Georg der Bärtige dieses Haus einem alten Diener seines Vaters wegen treuer Dienste mit dem dazugehörigen Garten. Als Ersatz hierfür errichtete er in der Nähe des Jakobihospitals ein neues Jägerhaus, das gleichfalls die Jagdgerätschaften beherbergte, für die Jäger aber keine Unterkunft bot. Diesem Zwecke diente vielmehr ein in der Nähe des Schlosses gelegenes Förstereihaus. Kurfürst August (1553–1586) begnügte sich nicht mit der Jagd auf inländisches Wild, sondern erwarb einige Löwen, die bei Kampfjagden Verwendung finden sollten und zu deren Unterbringung er die Herstellung eines besonderen Löwenzwingers auf der Elbbrücke durch folgendes Schreiben an den Brückenmeister anordnete: »Lieber getrewer. Wir haben unsern Oberzeug- und Baumeister und lieben und getrewen Kaspar Vogt ein Baw uf der ElbBrücken zu Behaltung ezlicher Lewen zu thun befolhen, dargegen wir begern, Ihr wollet den zum forderlichsten seiner Angabe nach machen und fertigen lassen, dergleichen Torhaus auch vollenden, wie er euch anzeigen wirdt und ihn den nichts verhindern lasset, darum thut er unsere Meinung. Datum Dresden den 8. Tag Aprilis 1554. An den Brücken Meister.« Daß das Gebäude wirklich vollendet und seinem Zwecke dienstbar gemacht wurde, geht aus der Tatsache hervor, daß 1558 die »Brückenlöwen« aus ihren Fängen zu einem Kampfjagen herbeigeführt wurden. Im Jahre 1612 wurde ein besonderes Löwenhaus auf der Schössergasse in Form eines viereckigen niedrigen Turmes erbaut, der aber 1839 wieder abgetragen wurde. Im Jahre 1568 verlegte Kurfürst August die Jägerei nach Altdresden, der jetzigen Neustadt, und zwar »um allda, weil selbige Stadt (die jetzige Altstadt) damals ganz offen und unverschlossen gestanden, der Wildbahne zum Fürsuchen, Spüren und in Sonderheit den Wolfsjagden desto näher zu sein.« Damit war der Grund zu dem »Jägerhofe« gelegt, dessen Lage noch jetzt ungefähr an dem stehengebliebenen Restgebäude zu erkennen ist. Der Jägerhof hat im Laufe der Jahrhunderte mancherlei Erweiterungen und Veränderungen erfahren, die sich bis in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts hinein erstreckten. Nachdem schon die beiden Kurfürsten Christian I. und II. (1582–1611) den Jägerhof vergrößert hatten, erfolgte durch Kurfürst Johann Georg I. eine wesentliche Verschönerung und Vergrößerung, die ihren Abschluß fand in der im Juli 1617 erfolgten feierlichen Einweihung. Über einige Grundstückserwerbungen, die für die Vergrößerung benötigt wurden, gibt ein Aktenstück vom 28. März 1611 Auskunft, das mir gelegentlich meiner Forschungen über altsächsische Jagdgeschichte im hiesigen Hauptstaatsarchiv zu Gesicht kam. Dasselbe behandelt eine Grundstückserwerbung aus dem Jahre 1608 und lautet: »Ew. churfürstliche Gnaden sind meine unterthänigste, gehorsambste Dienste treuen Vleißes jederzeit zuvorn; gnädigster Herr, Euer fürstlichen Gnaden soll ich unterthänigst nicht vorbehalten, das wir Euer fürstlichen Gnaden vor drey Jahren (1608) das Jägerhauß zu Altdresden erweitern lassen, uf Euer fürstlichen Gnaden gnedigstes Begern Ich meinen Garten darzu, vor und umb 300 Fl. Meißnische Werung, 21 Groschen für ein Gulden gerechnet, welche der schösser mir davor einheischigk geworden, und Michaelis 1608 zalett werden sollen, unterthänigst hinlassen müssen, welcher dann zum teill zu solchem Jägerhaus gezogen, zum teill aber mit andern daran stoßenden Stücken verwechselt worden. Wan ich aber solche 300 Fl. bishero nicht bekommen, viel weniger einige Zinsen davon erlanget, und mir armen gesellen solcher verzugk zu größtem Schaden gereihen tut, also gelanget an Euer fürstlichen Gnaden mein unterthänigstes höchst vleißiges Bitten, Euer fürstlichen Gnaden wollen gnedigst zu befehligen geruhen, das mir 300 Fl. zu sambt den Zinsen sonder ferneren verzugk gefolget werden mögen. Unterschrieb: Kilian Prager.« 1625 verkaufte der Bürger und Leineweber Martin Schilling dem Kurfürsten für 450 Gulden einen Acker, um dessen Bezahlung er 1628 bittet. Eine bedeutende Erweiterung erfolgte 1632, als durch Vermittlung des Schössers wieder eine Anzahl Häuser, die auf der Klostergasse gelegen waren, angekauft wurden. Hierüber ist folgende Designation, datiert vom 28. Januar 1632, vorhanden:

1. Auf der Nachtseite, den Röhrenkasten und Weinbergen zu: Christoph Fröhlich, ein Handelsmann, welcher zwar wegen leibesbeschwerung nicht selbst erscheinen kann, hat sich durch seine Hausfrau Catharine erbieten lassen, das er seine beiden wohnhäuser, als eins nach der gassen, das andre nach der Wiesen gelegen, nebst ein Garthen und Weinberglein, ganz bezahlt, Ihrer Churfürstlichen Durchlaucht zu schuldigen, unterthänigst Gehorsamb umb und vor 1200 Thaler abtreten und abfolgen lassen will, ungeachtet es ihm um viel mehreres kostete.

2. Joachim Koch, Jagt-Zeugknecht, berichtet, das er sein Hauß umb und vor 145 Thaler bahrgeld anno 1629 erkaufft, so er auch albereit bahr bezahlt, erbietet sich, solches umb 145 Thaler, wie er dasselbe erkaufft, wiederum abzutreten, weil er noch wenig darin gebessert hat.

3. Valentin Hieße, Jagtzeugschneider, hat sein Hauß vermöge des Kaufbriefs umb 220 Thaler erkauft; darauf er 150 Thaler bezahlt und ist die übrigen 70 Thaler wie auch, was an Steuern und andern gefällen, bis dato fellig, noch zu bezahlen schuldig, erbietet sich bey obiger Kaufsumme solches wiederumb abzutreten.

4. Hanns Wolff, Thorwärter im Jägerhauß, hat sein Haus umb 185 Thaler bahrgeldt erkaufft und bezahlt, auch über 70 Thaler darin verbauet, will solches um 200 Thaler wieder abtreten.

Auf der linken Seite, gegen den Althan zu:

5. Anna Baßin, Hans Andreas Witbe, helt ihr Hauß umb 400 Thaler, weil es ihr unlängst so viel gelten wolle; Ist eine arme Witbe und viel schuldig; 20 Thaler ist an der Kaufsumme ihr zurückgehandelt worden, verbliebe 380 Thaler.

6. Christian Eckardt, helt sein Hauß umb 400 Thaler. Ist endlich auf 300 Thaler gehandelt worden.

7. Silvester Kahlhorn, Trommelschläger, hat sein Hauß anfangs umb 480 Thaler erkaufft, 60 Thaler darin verbessert und gebauet, und 9 Thaler 15 Groschen der Herrschaft vor den Raum geben, will solches umb 350 Thaler wieder abtreten.