Ew. Kgl. Majestät und Churf. Durchlaucht haben zwar dem am 16. Okt. verwichenen Jahres in dero Löwenhaus anhero gebrachten Leopard zur tägl. Unterhaltung 8 Pfund Schöpsenfleisch allergnädigst geordnet, welches ich auch bis ultimo Dezember verwichenen Jahres um denjenigen Preyß, davor 14 Pf. gleichwie das Rindfleisch mir bezahlet wird, an den Löwenwärter geliefert. Nachdem aber bekannt, daß besagtes Schöpsenfleisch jedesmahl im Sommer im Preyß zu steigen pfleget, daß solches vielmahls das Pfund zu 18, 20 und mehr Pfennigen zu stehen kommt, welches dann bei heuriger notorischen Theuerung umb so viel mehr zu besorgen stehet, ich aber erwehntes Schöpsenfleisch um besagten Preyß weiter nicht zu liefern vermögend bin. Und aber der Löwenwärter vermöge beiliegenden Attestates vorzugeben weiß und anführet, wie das Rindfleisch diesem Leopard zur Speisung viel zuträglicher als Schöpsenfleisch sei, indem er hierdurch besser gedeyen und Kraft bekäme, überlasse zu Ew. Kgl. Majestät allergnäd. resolution, ob dieselbe geruhen wolle, statt des in der Verordnung enthaltenen Schöpsenfleisches nunmehro Rindfleisch, welches ich das ganze Jahr über vor 14 Pf. zu liefern verbunden bin, allergn. zu verwilligen und solches vom 1. Januar a. c. den Anfang nehmen lassen.

Dresden 1. Febr. 1727.

Ew. Kgl. Maj. u. Churf. Durchlaucht
Johann Georg Geym, Hofmetzger.«

Mit Bezug auf vorstehendes berichtet der Löwenwärter Christian Naumann: »Ein leobardt ist Anno 1726 den 16. oktober inß Königs Löwenhauß gebracht worden. Darauf ist täglich gegeben worden 8 Pf. Schebsenfleisch, nachdem aber solch fleisch nicht umb den Preiß kan geliefert werden, so hab ich dem leobardt Rindfleisch gegeben und befindet sich bey Rindfleisch besser als bei Schebsenfleisch. Dahero ich bei dem Hofmetzger angehalten umb Rindfleisch, bekam auch solches richtig und ist der anfang gemacht worden.«

Abb. 3 Das Landesmuseum für Sächsische Volkskunst

In den Streckenberichten erscheinen zum ersten Male ausländische Tiere, die bei Kampfjagen usw. verwandt wurden, bei Johann Georg II., welcher fünf Löwen, vier Löwinnen, zwei Tiger, vier Affen erlegte; bei Johann Georg III. erschienen ein Löwe, ein Leopard, ein Panther im Streckenbericht, während König August der Starke drei Löwen, zwei Panther, fünf Tiger, sechs Affen, ein Tier »Menschenfresser« genannt, und ein Stachelschwein (!) zur Strecke brachte.

Daß der Verkehr mit den wilden Tieren auch im Jägerhofe nicht ohne Gefahr für die Wärter war, zeigt folgender dem »Sammler« entnommener Bericht: »An bestimmten Tagen wurden diese Tiere aus ihren Tierkästen gelassen, um diese von Unrat zu reinigen; nachher trieb man sie wieder in ihr Behältnis und legte ein Schloß vor die Tür. An einem Tage läßt man einen Tiger aus Unvorsichtigkeit aus dem Kasten bleiben, welcher sich in einem Winkel des Tiergartens versteckt hatte. Der Hüter begibt sich, seiner Verbindlichkeit nach, nach dem Tiergarten und wird plötzlich von dem Tiger, der sich aufrichtet, angefallen. Die Gefahr flößt dem Manne eine außerordentliche Herzhaftigkeit ein. Er ergriff mit der linken Hand den Hals dieser Bestie und hat noch Entschließung genug, um dem Tiere geschwinde die Luftröhre zusammenzudrücken. Er greift auch mit der rechten Hand zu und drängt mit solcher Gewalt seine Brust an die Brust des Tieres, daß dieses weder mit seinen Zähnen noch mit seinen Tatzen dem Leibe des Hüters schaden konnte. In diesem kläglichen Zustande stunden sie beide vier oder fünf Minuten gegeneinander angeklemmt. Endlich verzweifelt der Hüter an der längeren Fortdauer seiner Kräfte, ließ die Bestie plötzlich mit aller Macht aus seinen Händen und stieß sie weit zurück. In dieser Bestürzung wich sie geschwind nach dem Winkel des Kastens und ließ ihrem Überwinder Zeit genug, um in der Flucht wiewohl halbtot die Türe zu erreichen. Eben dieser Hüter mußte sich 1738 mit einer starken Meerkatze oder einem Affen herumschlagen, welche sich von der Kette losgerissen hatte. Dieser Kampf fiel so unglücklich aus, daß er mit großer Not mit dem Leben davon kam. Seine rechte Hand ward abscheulich zugerichtet und er lag sehr lange krank.«

Mit König August III. war der Höhepunkt der sächsischen Jägerei erreicht, wenigstens was den Aufwand für dieselbe betrifft. König Friedrich August der Gerechte liebte zwar die Jagd auch, aber seiner einfachen sparsamen Natur entsprach auch ein einfacher Jagdbetrieb. Beim Jägerhof waren 1826 noch folgende Offizianten angestellt: ein Jagdzeughauswagenmeister, ein Jäger bei den Hunden, ein Jägerhausbursche, ein Rauchmeister, acht Jagd- und Zeugdiener, ein Pirschkarrenknecht, zwölf Jagdstalleute, ein Hundsbursche. Dazu kamen noch sieben Jagdhandwerker. 1830 wurde der Jägerhof in eine Kavalleriekaserne umgewandelt. Über das fernere Schicksal des Jägerhofes geben die beiden folgenden Schriftstücke Auskunft. Das erste, ausgestellt am 12. September 1837, lautet: »Unter der Regierung Sr. Majestät des König Friedrich August II. wurde im Jahre 1837 der Reiterkasernenflügel E nebst den daran befindlichen Thürmen mit Blitzableitern versehen, und deshalb die Spillen und Knöpfe letzterer abgenommen und so wie die Dächer repariret, wobey die darinn vorgefundenen älteren Nachrichten hiermit wieder im Originale beygelegt worden. Wir fügen noch nachrichtlich bey, daß im Jahre 1831 unter der Regierung Sr. Maj. des höchstsel. Königs Anton, der bis dahin bestandene Jägerhof mit Ausschluß der Kreis-Oberforstmeisterwohnung, an die Militärbehörde abgetreten, die alten unpassenden und höchst schadhaften Gebäude, bis auf den Flügel E und F nebst dem alten Zeugschuppen, abgetragen und aus den gewonnenen Räumen die Flügel A B C und D, sowie das Reitbahngebäude und Arresthaus, nach dem Entwurfe und unter der Oberleitung des damaligen Commandanten des Ingenieur-Corps und Direktors des Militär-Oberbauamts, Oberstleutn. Johann Carl Anton Ulrich neu erbauet wurden … Die Reparatur der Thürme besorgte der Schieferdecker Johann Friedrich Streubel.«

Und endlich in einem aus dem Jahre 1858 stammenden Aktenstück heißt es: »Als Ergänzung zur Geschichte des ehemaligen Jägerhofes, derzeit Neustädter Reiter-Caserne genannt, über dessen Einrichtung die Urkunde vom 12. Sept. 1837 das Nähere besagt, ist noch zu erwähnen, daß der im Jahre 1831 stehengebliebene alte Jagdzeugschuppen im Jahre 1851 abgetragen und an dessen Stelle ein neuer Flügel unter der Bezeichnung ›Flügel G der Neustädter Reiter-Caserne‹ zu erbauen angefangen worden ist. In demselben Jahre 1851 wurde auch die große Hälfte des Flügels E der Neustädter Reiter-Caserne zu Lokalitäten einer allgemeinen Offiziers-Speiseanstalt für die Dresdner Garnison eingerichtet, welche sich bisher im Flügel F derselben Caserne befanden. Zu erwähnen ist noch, daß bei Umwandlung des Jägerhofs in die Reiter-Caserne der sogen. ›kleine Jägerhof‹ zu einer Pionier-Kaserne eingerichtet wurde, bestehend aus einem Vordergebäude, dem Hintergebäude und zwei Stallgebäuden …« Mit der Verlegung der Kasernen in die sog. Albertstadt wurde ein Gebäude nach dem andern des alten Jägerhofes abgebrochen, bis auf eins, in dem sich nach einem zweckmäßigen Umbau das im September 1913 eröffnete Landesmuseum für Sächsische Volkskunst befindet.