Abb. 3 Erzgebirgler bei Oberwiesenthal

Durch das Sehmatal geht die Fahrt aufwärts durch Sehma und Cranzahl hindurch. In Cranzahl zweigt die Schmalspurbahn nach Oberwiesenthal ab, während die Hauptbahn in einem großen Bogen um den Fuß des achthundertachtundneunzig Meter hohen bewaldeten Bärensteins herum nach Bärenstein und weiter nach Weipert fährt. Der Bärenstein ähnelt in seinem Aussehen und dem westlichen Steilabsturz nicht nur dem Pöhlberge, sondern auch dem westlich an der oberen Zschopau sich erhebenden achthundertsieben Meter hohen Scheibenberge. Die Entfernung zwischen Bärenstein und Pöhlberg beträgt in der Luftlinie sechseinhalb Kilometer, die zwischen Bärenstein und Scheibenberg sieben Kilometer. Durch eine Linie verbunden bilden die drei Berge ein Dreieck. Auch die letzteren beiden besitzen Unterkunftshäuser mit je dreißig Meter hohen Aussichtstürmen.

Abb. 4 Altes Fachwerkhaus bei Zwönitz

Von Cranzahl aus bringt die Kleinbahn uns durch das wohl eine Meile lange Neudorf im Sehmatale nach dem höchsten Städtchen Deutschlands, Oberwiesenthal, an den Fuß der Kuppe des Fichtelberges, die sich nur gegen dreihundert Meter höher erhebt und von Oberwiesenthal aus bequem zu ersteigen ist. Es ist eine interessante Bergfahrt, die namentlich, wenn die Bahn die Fichtelbergvorberge, vom Sehmatale abbiegend, erklettert, von hohem landschaftlichen Reize ist.

Gleich einer dunklen senkrecht aufstrebenden Mauer erheben sich die Vorberge des Fichtelberges aus dem Sehmatalkessel bis zu eintausendfünfzig Meter, abgerahmt von dem dunklen stumpfen Kegel des eintausendzweihundertfünfzehn Meter hohen Fichtelbergs und dem gegen dreißig Meter höheren des benachbarten böhmischen Keilbergs.

Die Gegend um den Fichtelberg weist auch an klaren Herbst- und Wintertagen einen regen Verkehr auf. Bei den Schneeschuhläufern ganz Deutschlands sind die weiten Hänge um den Berg beliebt. In schneereichen Wintern gibt der Fremdenverkehr in Oberwiesenthal dem in den Sommer- und Herbstmonaten kaum viel nach, da außer den Wintersportlern auch Naturfreunde die weiße Bergespracht zu schätzen wissen, das Zauber- und Feenreich, das der Winter mit seiner dicken Schnee- und Eisdecke hier aufbaut. Freilich, den Fichten und den Kronen der übrigen Bäume hier oben rasiert die Schneelast nur zu oft ganze Seiten fort, so daß die Bäume hier oft ein merkwürdiges Aussehen angenommen haben.

Abb. 5 Beim Klöppeln

Umfassend aber ist bei klarer Sicht der Rundblick vom dreißig Meter hohen Turme des Unterkunftshauses. Da liegt das ganze Erzgebirge um uns ausgebreitet, zu unseren Füßen die drei Wiesenthal: Ober- mit Unter-, Böhmisch- und Hammer-Unterwiesenthal. Im Westen blauen in der Ferne einzelne Thüringer und Harzberge in schwachen Umrissen, im Osten reichen die Blicke bis nach dem Lausitzer Gebirge, überall aber um uns liegt das Erzgebirge mit seinen Bergen, Graten, welligen Hochflächen und gewundenen Tallinien, erheben sich Ortschaften unter grauen Schieferdächern in unendlicher Zahl, deren Namen niemand zu nennen weiß.