Abb. 1 Altes Patrizierhaus in Stützengrün (Ansicht von Südwesten)
Abb. 2 Altes Patrizierhaus in Stützengrün (Ansicht von Südosten)
Um so überraschter ist man, in der kleinen Gemeinde Stützengrün i. V. ein so behäbiges, auf Wohlstand und Geschmack hinweisendes Haus zu finden. Der Bauherr hat zweifellos nicht irgendeine zufällige Planung durch einen Unternehmer zur Ausführung bringen lassen, er hat bewußt Form und Anlage seines Hauses geprüft und sich seinen Baumeister gesucht. Die sicherlich nicht in jeder Einzelheit fein durchgebildeten Formen des Hauses, die fast auf süddeutschen Einfluß hinweisen, lassen die Gesamtanlage doch außerordentlich wirkungsvoll erscheinen. Die horizontale Gliederung, die gleichmäßige Verteilung der Fenster und die Betonung ihrer Achsen durch gleich große Dachgeschoßfenster, die Durchführung der Achsenbeziehungen, die Hervorhebung des Einganges durch einen kleinen Giebelvorbau, die schmucken Fensterläden, die Putzgliederung und die starke Schattenwirkung des weit vorspringenden Gesimses sind die Bestandteile dieses ausgezeichneten Werkes. Dazu betont die Besonderheit des Hauses noch das in dieser Gegend sonst nicht heimische Mansardendach, das aber zu diesem breitgelagerten Hause mit seiner süddeutschen barocken Form gehört.
Möge die Veröffentlichung die Freude am Finden heimischer Kunstwerke fördern.
Dr. Conert.
Gefährdete heimische Pflanzenwelt
Von Paul Apitzsch, Ölsnitz i. Vogtl.
Ein sonnengoldner Sommertag blauet über den weiten Wäldern des südwestlichen Vogtlandes. Ich wandre in der Herrgottsfrühe mutterseelenallein von Bad Elster das Kesselbachtal aufwärts und erreiche bei der Theresienruh die sächsisch-tschechoslowakische Grenze. Zwischen Hochwald und mooriger Wiese zieht der mit granitnen Marksteinen besetzte Grenzweg dahin. Dort, wo vom Grenzpfad schmale Waldsteige nach den böhmischen Dörfern Krugsreuth und Thonbrunn abzweigen, liegen die Quellen des Kesselbaches. Lind fächeln im Frühwind auf geschwellten Moospolstern die weißen Fähnchen des Wollgrases (Eriophorum vaginatum). Dazwischen leuchten zwei Bergorchideen: die roten Blütenstände des gefleckten Knabenkrautes (Orchis maculata) und die gelblichweißen, stark duftenden Armleuchter der zweiblättrigen Platanthere (Platanthera bifolia). Zwischen Schachtelhalm und Farnkraut stehen vereinzelt, aus smaragdgrünen Blattrosetten emporragend, die veilchenblauen Blüten des Fettkrautes (Pinguicula vulgaris) und zu kleinen Genossenschaften vereinigt die mit roten Drüsenhärchen versehenen Blattsterne des rundblättrigen Sonntaues (Drosera rotundifolia), zwei immer seltner werdende insektenfressende Sumpfgewächse. An dem Höhenwege von der Theresienruh nach der Agnesruh und der Alberthöhe wächst im Preiselbeergestrüpp eine weitere botanische Seltenheit, die, außer im Vogtlande, nirgends in Sachsen vorkommt: die Buchsbaum-Ramsel (Polygala Chamaebuxus). Ihre starren, dunklen Blätter unterscheiden sich kaum vom Preiselbeerlaub, während die gelblichen Blüten denen des Waldwachtelweizens ähneln.