Landesverein Sächsischer
Heimatschutz
Dresden
Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern herausgegeben
Abgeschlossen am 1. September 1922
Kriegerehrungen aus Porzellan
von der Staatlichen Porzellanmanufaktur, Meißen
Ein neuer Kunstwillen hat sich in alle Zweigströme der schaffenden Künste ergossen, ist über mannigfache Klippen dahingebraust und oft auf Untiefen geraten und hat doch immer und unaufhaltsam die Schaffenden zu neuem Ausdruck mit fortgerissen. Es ist wohl ratsam, von Zeit zu Zeit im bunten Wirbel der neuen Erscheinungen Ausblick zu halten und bei solchen Erzeugnissen der werdenden Kunst, die ernster Kritik standhalten, prüfend haltzumachen.
Noch vor Kriegsende und besonders nach der Niederlegung der Waffen empfand man es als sittliche Pflicht, dem Gedenken der Opfer des verlorenen Krieges würdige Erinnerungszeichen zu setzen und ging mit opferwilligen Händen und viel Liebe an diese Aufgabe heran. Wenn auch einer stattlichen Reihe dieser Denkmäler ein guter künstlerischer Erfolg beschieden war, so wurden doch andernorts diese gutgemeinten Ehrungen gar zu oft katalogmäßige Ware oder gar kunstwidrige Greuel schlimmster Art. Da ist es uns eine rechte Freude, an dieser Stelle von einer Reihe guter Leistungen auf einem Sondergebiet plastischen Schaffens berichten zu können, nämlich von den in der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen entstandenen Kriegergedenktafeln. Man wird fragen, eignet sich Porzellan denn zu monumentalem Ausdruck, ist es denn nicht zu zart und zu flüssig für den Ausdruck des Herben, den man doch bei solchen Toten geweihten Denkzeichen fordern muß? Man sehe sich aber darauf die hier abgebildeten Erzeugnisse unserer Meißner Manufaktur an, und man wird zugeben müssen, daß ihnen durchaus jene ernste Würde innewohnt, zu der uns der Anblick oder die Erinnerung an liebe Tote zwingt. Und doch ist das nicht die einzige Empfindung, die uns bei Versenkung in die Tafeln beherrscht, ich finde bei aller Getragenheit spiegeln diese mannigfachen Gebilde sämtlich auch eine Erhobenheit wider: sie sind frei von Mutlosigkeit und wirken in dieser für unser Volk so entsetzlich hoffnungslosen Zeit wie ein feiner Sonnenstrahl, der sich zwischen schwarzen Winterwolken durchstiehlt, als wolle er sagen, es muß doch endlich Frühling werden.
Abb. 1 Gedenkplatte in der Großdobritzer Kirche