Gehen wir zunächst von den Kleinsten der hier vorgeführten, sämtlich vom Bildhauer Paul Börner stammenden Keramiken aus. Sie wurden für malerische Dorfkirchen geschaffen und in deren Innern an sorgfältig ausgewählter Stelle in die Architektur der Kirchenwände eingefügt. Während die für einen Gefallenen des Siebziger Krieges gewählte Tafel in der Großdobritzer Kirche ([Abb. 1]) wegen ihres strengen und trotz der geringen Größe monumentalen Ausdruckes hervorgehoben werden muß, erinnert das in der Liebschützer Kirche aufgehängte Ehrenzeichen ([Abb. 2]) mit seinen trauernden Engelköpfen an ältere Vorbilder volkstümlicher Kunst. Es ist ein rührender Zug schlichter Liebe in dieser Weihetafel; das ist eben das Beste an diesen Schöpfungen, daß sie weit entfernt vom Reindekorativen und der Ausdruck eines inneren Erlebnisses sind.
Nicht ganz auf gleicher Höhe steht die in der Porzellanmanufaktur selbst aufgehängte Gedenktafel für die Gefallenen des Werkes. Inschrifttafel und ihre Umrahmung sind nicht in so innige Verbindung gebracht worden, als man hätte wünschen müssen, auch ist das Figürliche ohne genügenden inneren Zusammenhang. Aber im ganzen zeigt auch diese Arbeit, was aus dem Porzellan herausgeholt werden kann.
Abb. 2 Gedenkplatte in der Liebschützer Kirche
Nun aber zu der im ehrwürdigen Meißner Rathaus an bedeutungsvoller Stelle des Treppenhauses angebrachten Gedächtnistafel ([Abb. 3]) für die städtischen Beamten und Angestellten. Eine Schriftfläche von schöner Umrißlinie fügt sich formvollendet zwischen die Konturen der sie tragenden trauernden Frauengestalten. Ausdruck von Gesicht und Haltung, Faltenwurf und plastische Abtönung, alles klingt in prächtiger Harmonie zusammen. Trotz starker stilistischer Sonderart ist das Übertriebene, das wir oft an neueren Kunstwerken bedauern, vermieden. Komposition und Ausdruck, Ideeliches und Stoffliches halten sich die Wage.
Ich glaube nicht zuviel zu sagen, wenn ich behaupte, daß uns solche Leistungen ein gut Stück weiter vorwärts bringen und vielleicht tragen unsere Abbildungen dazu bei, festeingewurzelte Vorurteile gegen das neue Kunstwollen zu mildern und zu beheben.
Aber auch im braunen Böttcherporzellan, dessen Wiederbelebung die Porzellanmanufaktur tatkräftig und mit schönem Erfolg fördert, wurden verschiedene Versuche angestellt. So wurde den im Kriege gebliebenen Arbeitern und Angestellten der Meißner Jutespinnerei eine derartige Tafel geschaffen. Etwas nüchtern und vielleicht etwas fabrikmäßig wird manchem die hierfür gewählte, streng geometrische Zusammenreihung von Namenstafeln erscheinen, aber das erfordert eben gerade der Organismus eines großen Industriewerkes, wo das Gefühlsmäßige zurückgedrängt, intimere Bildungen ausgeschlossen werden.
Abb. 3 Gedächtnistafel im Rathaus zu Meißen
Welche reichen Entwickelungsmöglichkeiten sich darbieten, zeigen die beiden Schlußabbildungen ([Abb. 4]). Die obere, für die Kirche in Röhrsdorf bestimmte Platte beweist, verglichen mit der Großdobritzer Platte, auf wie einfachem Wege der kleinere Entwurf für eine größere Zahl von Gefallenen nutzbar gemacht werden kann, die untere Zeichnung, für eine studentische Verbindung berechnet, aber lehrt uns, wie durch Zusammenreihung kleiner Namenstafeln derartige Gedächtnisplatten je nach der Eigenart der Wandflächen und je nach der Gefallenenzahl entstehen und reizvoll gestaltet werden können.