Abb. 4 Denkplatten für die Röhrsdorfer Kirche (oben) und für eine studentische Verbindung (unten)
Es ist hier nicht möglich, auf die in Ausführung begriffene Umwandlung der mittelalterlichen Nikolaikirche in Meißen zu einer Kriegergedächtniskirche einzugehen. Auch dieses großzügige Unternehmen wurde der Staatlichen Porzellanmanufaktur anvertraut. Der Lösung dieser Aufgabe sehen wir mit Spannung entgegen, die nicht ganz frei von Sorge ist, daß der Eingriff in das mittelalterliche Gepräge des Kircheninneren zu stark werden könne, aber der Vorwurf, daß wir bei solchen Aufgaben die Gegenwart und ihre künstlerischen Tendenzen nicht zu Worte kommen lassen, soll nicht erhoben werden können, auch war die Erhaltung dieses vom Verfall bedrohten unbenützten Bauwerkes nur dadurch möglich, daß man ihm einen neuen Zweck gab.
Dr. Paul Goldhardt.
Schradenwanderung
Von Edgar Hahnewald
Drei Großenhainer Kasernenjahre lang lag der bewaldete Hügelzug nördlich der flachen Ebene vor meinen Augen. Dahinter lockte das Unbekannte, die Ferne, die Freiheit, das Unerreichbare. Diese blaue Mauer verstärkte das Gefühl des Gebundenseins: darüber hinaus konnte der Blick nicht schweifen. Felddienstritte drangen nie bis dahin vor, denn dicht vor diesen Hügeln lief die Zickzacklinie der Grenze; der blaue Wall schied Sachsen und Preußen.
Die Karte zerlegte den Hügelzug in benannte Gruppen: das Pfeifholz, die Heidelberge, die Finkenberge, den Latschenberg. Aber das waren Namen, die vor der sinnlichen Wahrnehmung nichts besagten – da erhob sich die blaue Mauer, fern und unerreichbar. Dahinter lag eine andere Welt, von der Sehnsucht sich eine Vorstellung bildete, die sich nicht an die Karte band. Der kleine Hügelzug, an sich um nichts bedeutender als tausend andere Hügel in der weiten Welt, bekam eine Bedeutung: er begrenzte drei Jahre lang einen Lebensbereich.
Später, als man die Freiheit genoß, so weit zu wandern wie der Geldbeutel reichte, lockten andere Fernen. Die symbolische Hügelmauer nördlich von Großenhain geriet in Vergessenheit.