Weiter kommt in Frage das Sammeln von Eiern. Diese Maßnahme ist mühsam und schwierig, denn die Eier sind gut unter Rindenschuppen verborgen, die erst mit dem Messer abgeblättert werden müssen, um die Eier zu finden. Will man die Eier abkratzen, fallen viele zu Boden und bleiben entwicklungsfähig. Besser ist daher die Eier mit Teer zu überstreichen. Im ganzen ist dieser Maßnahme nur geringe Bedeutung beizumessen, da man nur den geringen Teil der Eier im untersten Stammabschnitt vernichten kann.
Bei sehr starkem Befall kann auch das Eiersammeln lohnen, wie die Sammelergebnisse des Herbstes 1921 beweisen, die über einundzwanzigmillionen Eier im Forstbezirk ergeben haben.
Das Sammeln von Raupen kommt zumeist in Kulturen, in denen man die Raupen ablesen kann, in Frage. In Althölzern kommen zeitweilig, namentlich bei großer Hitze und kurz vor der Häutung große Massen von Raupen aus den Kronen bis in den untersten Stammteil herab, so daß sie hier ebenfalls mit gutem Erfolg in größeren Mengen vernichtet werden können, wenn diese Erscheinung rechtzeitig bemerkt wird.
Das Sammeln von Puppen ist nur neben dem gleichzeitigen Raupensammeln und bei starkem Befall von Wert; da die Puppen in borkigen Beständen ziemlich schwer zu finden sind, lohnt das Sammeln nicht sonderlich.
Mehrfach ist auch das Bespritzen mit giftigen Flüssigkeiten versucht worden. Dies empfiehlt sich namentlich zur Vertilgung von Spiegelräupchen unter Verwendung der bekannten auch gegen die Kiefernschütte gebräuchlichen Platzschen Pflanzenspritze mit fünfprozentiger Lösung von Obstbaumkarbolineum. Unter Verwendung des Verlängerungsrohres dieser Spritze kann man die Stämme bis hoch hinauf mit dem Verstäuber erreichen.
Auch mit giftigen Gasen, wie sie im Kriege Verwendung gefunden haben, sind in Böhmen umfassende Versuche gemacht worden. Leider zeitigte auch dieser Versuch keinen Erfolg. Es starben höchstens die Bäume ab, aber nicht die widerstandsfähigen Raupen.
Abb. 2 Nonnenraupengespinste unter den Leimringen
(Phot. Oberverwaltungs-Inspektor Herrmann, Zittau)
Als letztes uns zu Gebote stehendes Mittel bliebe nur noch der viel umstrittene Leimring zu besprechen. Seine Wirkung ist eine doppelte. Zunächst fängt er alle unterhalb des Leimringes aus den Eiern gekommenen Spiegelräupchen, die zum Fraße in die Baumkronen hinaufsteigen wollen, ab, und verurteilt sie zum Hungertode. Wer in der Sächsischen Schweiz in diesem Frühjahre derartige geleimte Bestände besichtigt hat, wird bestätigen können, daß durch die Leimringe schon in einem einzigen geleimten Bestande Millionen und Milliarden von Räupchen vernichtet worden sind, bevor sie irgendwelchen Schaden anrichten konnten. Die Abbildungen 2 und 3 geben davon ein anschauliches Bild. Da man nun damit rechnen kann, daß etwa die Hälfte der Raupen sich zu weiblichen Faltern entwickelt haben würden, so sind für das nächste Jahr ebensoviel eierablegende Weibchen, die man beim Sammeln im Falterzustande in gleichem Maße niemals gefangen hätte, mit vernichtet worden.
Zum besseren Verständnis der Abbildungen 2 und 3 sei noch folgendes hinzugefügt: die im Frühjahr aus den Eiern ausgeschlüpften Räupchen sitzen zunächst einige Tage dicht gedrängt in sogenannten Spiegeln beisammen, ehe sie den Aufstieg in die Baumkronen beginnen. Bei ihren Wanderungen spinnen sie ununterbrochen ihre feinen Fäden, die sie auf den Unterlagen stellenweise festheften, so daß zuletzt feinste schleierartige Gespinste entstehen. Diese Gespinste werden um so dichter, je mehr Räupchen denselben Weg nehmen. Das ist namentlich unter den Leimringen der Fall, unter denen sich schließlich gewaltige Mengen von Spiegelräupchen ansammeln, die immer spinnend rastlos den Stamm umwandern, am Leimring, den sie nicht überschreiten können, sich an einen Gespinstfaden fallen lassen, um dann denselben Weg ruhelos zu wiederholen, bis sie schließlich an Nahrungsmangel zugrunde gehen.