Und dann umgibt uns die blanke, schweigende Nacht. Die weißen Flächen steigen im Ungewissen in den Himmel. Die Zwinge des Stocks knirscht im Schnee. Es klingt wie das leise, erstickte Klagen eines irrenden Vogels in der raumlosen Nacht.
Vor uns steht weiß und geheimnisvoll verhangen der Wald, hinter dem das gelbe Fenster des Gasthofes wie ein Zuschlupf in die Wärme eines knisternden Herdfeuers blinkt.
Klein und still und froh unter den hohen Wundern der weißen Weihe-Nacht, von der Kälte umsungen, stapfen wir darauf zu.
In der Landesgemeinde
Von Albert Ficker
Wieder wandere ich durch das vogtländische Gebirgstal, dessen Schönheit und Weltabgeschiedenheit einen ganz besonderen Reiz auf meine Seele ausübt.
Abb. 1 Erlbach i. Vogtl. Stück am vorderen Teich (Phot. Franz Landgraf, Zwickau i. Sa.)
Nordöstlich vom Luftkurort Erlbach windet sich von der tschechisch-slowakischen Grenze her der erlenbegleitete Schwarzbach durch grünende Wiesen. Bergwände schieben sich ineinander. Lehnan kleben vogtländische Holzhäuschen des Ortsteils Kegel. Am Fensterkreuz fast jeder Wohnung hängt ein halbrunder Vogelkäfig, in dem der blutrotbrüstige Kreuzschnabel turnt. Nicht nur seine Singe- und Kletterkunst, sondern auch der Aberglaube macht den Vogel zum Liebling des Volkes. Auch Julius Mosen, der Dichter des Vogtlandes, hat daher den Kreuzschnabel in seinen Gedichten gern besungen.
Die ebereschengesäumte Straße führt an der Tannmühle vorüber. Ein Leipziger Wohltäter stiftete sie und die schmucken Baracken als Ferienheim für erholungsbedürftige Leipziger Schulkinder. Hier kann sich Lunge und Herz in frischer, reiner Waldluft gesund baden.