Eine besondere Freude ward nun den vielen Besuchern zuteil, wenn im Museum Weihnachts- und Volkslieder gesungen wurden, oder wenn Heimatdichter von dem Reichtume der sächsischen Mundarten Kunde gaben. Es ist unmöglich, hier aufzuzählen, wie viele liebe Helfer und Helferinnen uns erfreut haben. Ein jeder Tag brachte neue Gaben. Herzlichen Dank allen! Besonderen Dank Herrn Studienrat Richard Bürckner, dem Nimmermüden. Am liebsten war es aber doch wohl den Besuchern, wenn sie selber sangen. In einem Museum zu singen, ist ebenso ehrenvoll wie genußreich. Das Lied vom Tannenbaum machte stets den Anfang. Oben im ersten Stockwerk, unter der größten Tanne, die aber eigentlich eine Fichte war, bildete der Sang vom Vugelbeerbaam den Beschluß.

Ein jeder konnte, wenn sein Wunsch vom Museumsleiter gebilligt worden war, mitwirken. Etwas verschenken, etwas geben, ist ja Weihnachtsbrauch.

Lustig ist folgendes Erlebnis.

Ein junger Mann frug mich schüchtern, ob er nicht vielleicht auf einer im Museum ausgestellten Ziehharmonika einige Volksweisen spielen könnte? »Aber ja, mein Freund, jeder volkskundliche Beitrag ist hier willkommen.«

Fast hätte ich die Angelegenheit vergessen. Da hörte ich, in weiter Ferne, die Klänge der »Orgel des kleinen Mannes« – – wie etwa an Sommerabenden, wenn man durch reifende Felder wandert und ein leiser Wind die Töne vom nächsten Dorfe herüberträgt. In dem oberen Stockwerke des Museums drang aber besagtes Musizieren energischer an mein Ohr. Ich forschte nach dem Urheber. Er hatte sich ungeeigneterweise in die wendische Wöchnerinnenstube gesetzt und entlockte, als ich ankam, soeben vor dem mit Bändern behangenen Himmelbette seinem Instrument den Radetzkymarsch. Und ich weiß, Mutter und Kind wollten soeben schlafen. Auf mein Zureden übte er seine Fertigkeit dann in der Weberstube aus, und er erwarb sich dort meinen Dank und den vieler Zuhörer. Hier war er am Platze.

Aber auch kurze Christspiele – ein Gymnasium führte ein solches sogar mit Chorgesang und Orchester auf – wurden uns gegeben. Hier, ohne Bühne und allen Beleuchtungskünsten, wirkten sie wie Offenbarungen.

Eines Abends war es. Wir alle hatten eben mit Hingebung das Lied »O Tannenbaum« gesungen. Ich freute mich, daß die Anwesenden den Wortlaut der drei Strophen auswendig konnten. Da kam ein kleines Mädel zu mir. Ein Dreikäsehoch mit hellen Augen und steifem Zöpflein. »Wir möchten auch ein ganz kleines Christspiel aufführen. Wir sind unsrer fünfe. Fünf Minuten wirds dauern. Wo können wir uns denn umziehen?«

Die Mädchen trippelten mir nach, ich führte sie in mein Zimmer. Das Umkleiden dauerte reichlich lange, ich glaube, ein Othello hätte nicht mehr Zeit dazu gebraucht. Aber die Kinder hatten sich nicht wie er geschminkt, hatten keine Perücken aufgesetzt und sich kein flittriges Maskenzeug angezogen. Maria trug ein rotes Kopftüchlein, ein Dirndelkleidchen und eine schneeweiße Schürze – die Mutter hatte sie sorglich geplättet. – Der Joseph war ein ehrsamer Zimmermeister mit langen Hosen. Sein breiter Schlapphut bedeckte ein liebes Mädchengesicht.

Und die Englein.

Zweie hatten Hemdchen an, auf die goldne Sterne genäht waren. Das dritte trug ein helles Sommerkleid. Auf den blonden, herabfallenden Haaren blinkten Papierkronen.