Loben wir Gott, halleluja!

Alle hat er uns erfreut, halleluja.

Loben wir Gott, halleluja!)

tönt litaneienhaft über den Klosterhof. Der Lärm der andren verstummt. Manche versuchen den Text zu erfassen und sind schier verwundert, daß ihnen das nicht gelingt, bis auf das Halleluja. Nach und nach kommt das Bewußtsein, daß wendische Worte erklingen. Der Sang ebbt ab. Er erhebt sich wieder in neuer Kraft, zweimal, dreimal, vielmal. Inzwischen hat sich der Zug in Bewegung gesetzt. Dreimal reiten sie um das Rondel und verlassen dann den Hof, um hinauszureiten in die Fluren. Da kommt auch wieder Leben in die Massen. Die Eindrücke werden in Worte gekleidet. Wahrscheinliches und Unwahrscheinliches wird vom Osterreiten berichtet. Zumeist werden Bemerkungen daran geknüpft, die nur zu gut verraten, daß die meisten von dem tiefen Sinn, der in dem Saatreiten verborgen liegt, keine Ahnung haben. Auch Ausrufe der Enttäuschung werden laut. Neben mir steht ein Ehepaar aus Frankfurt a. M., wahrscheinlich zur Verwandtschaft derer von Neureich und Raffke gehörig. Beide sind in die zahlreichen Umhüllungen gewickelt, die einen Automobilbesitzer, der da weiß, was er seinem Auto schuldig ist, notwendigerweise zunehmen lassen müssen an – Umfang. »Nun, wenn es weiter nichts ist!« so flötet sie ihr Männchen an, »das ist ja schade um das viele Benzin!« Auch ein Gesichtswinkel, in dem man sich zum Osterreiten einstellen kann.

Abb. 3 Prozession der Crostwitzer Osterreiter durch Schweinerden
(Aufnahme J. Ostermaier, Blasewitz)

Ein Zug Saatgänger bahnt sich durch die Menge. Auch hier Gesang in Oktavenabstand von barhäuptigen Männern, von Frauen und Kindern. Sie verschwinden im Innern der Kirche. Wieder war vorübergehend Ruhe. Wieder erhebt sich der mühsam gedämpfte Lärm der Zuschauer. Nach geraumer Zeit kommen die Crostwitzer Osterreiter an. Dasselbe Bild wie vorher. Die Reiter sitzen aber schon lange im Sattel. Ihre Stimmen haben schon viel hergeben müssen. Darum wird in einer Pause ein frischer Trunk Klosterbier gespendet. Frisch war der Trunk auf alle Fälle. Wenn das Bier noch so ist wie früher, dann war er auch gut.

Abb. 4 Rast der Crostwitzer Osterreiter auf einem Gutshofe in Schweinerden
(Aufnahme J. Ostermaier, Blasewitz)

Nachdem auch diese Reiter den Klosterhof wieder verlassen haben, verläuft sich die Menge. Autohupen, Fahrradklingeln, Peitschen, menschliche Stimmen lassen sich im freien Wettbewerb der Kräfte hören. Froh ist, wer endlich dem Gewühle entronnen ist und die freie Straße erreicht hat. Von links schallen die Klänge der »Stanył je horje Jězus Khryst, alleluja!« herüber. Auf einem Feldwege tauchen erst bunte Kirchenfahnen, dann Reiter und endlich der ganze Zug auf, der als erster Marienstern verlassen hat.