Abb. 6 Holzstoffuhrwerk auf der Fahrt zum Bahnhof Glashütte
(Aufnahme des Verfassers)
(Abb. 7.) Fichtenrinden, seltener Eichenrinden, holte der Lohmüller mit seinen Leuten von heimischen Holzschlägen. Unterm Schuppendach und auch auf dem Oberboden des Hauses trocknen die gerbstoffhaltigen Rollschalen. Im düsteren, gebälkigen und gar staubigen Mahlraume wandelt sie das Schneidmesser zu Lohe, die der Häutezurichter als Gerbmittel kauft. Eine besondere Freude ist es für den Heimatfreund, wenn er einen Rindenwagen sieht, denn nur noch zwei Lohmühlen, viertelstündlich geschieden, liegen am oberen Müglitzlauf, und nur an wenigen Tagen im Jahre wird Arbeit fürs Mühlrad geholt.
Abb. 7 Zwei Rindenwagen vor der Büttnermühle (Lohmühle)
(Aufnahme des Verfassers)
(Abb. 8.) Vierzig Zentner des kräuterreichen Gebirgsheues ruhen in getürmter Last auf dem Wagen, ästezerrend, mitunter auch ästeknickend, wenn ein Gegenfahrzeug die Hälfte der Fahrbahn verlangt. Und kommt die glückliche Zeit der Obstreife, oh, zu welch einem willkommenen Äpfelpflücker wandelt sich dann der Heuwagen in Kinderaugen! An des Tales geringster Weite, am schwersten Fahrstück für den Fuhrmann hält auf unserm Bilde der Heuwagen. In scharfer Krümmung umläuft die Straße den überhängenden Felsen, und die hohe Ufermauer kündet von schwerer, erdaufschüttender Arbeit. Kommt hier ein andres Fuhrwerk talauf gefahren, dann ritzen die vorspringenden Zacken des Wittigschloßfelsens die heuschützende Plane. Wohnung und Schutz soll dieser Fels dem Raubritter Wittig und seinen Raubbrüdern gegeben haben in jener Zeit, da maßlose Wildnis dieses Land deckte. Eine geschichtliche Heimatschrift erzählt: »In alten Zeiten, als die ›böhmischen Wälder‹ durch ihre Räuberbanden berüchtigt waren und das Faustrecht herrschte, gab es auch viele Raubschlösser, und eins der festesten und verrufensten war das, welches der Raubritter Wittig auf obenerwähnten starken Felsen erbaut hatte. Dieser Wittig machte das ganze Land Meißen unsicher und trieb es mit seiner Bande so frech, daß die Markgrafen von Meißen es deswegen hatten ›öffentlich auskündigen lassen, daß, were diesen Räuber ihnen entweder lebendig oder todt überantwurten würde, derselbe einer großen und möglichen Bitte Vergünstigung haben sollte‹«. Woher kommt der Heuwagen, der hier an geschichtlich denkwürdiger und geographisch eigenartiger Stätte hält? Aus der Bergstadt Altenberg. Im Heumond schreiten die Mäher über die Bergwiesen um den Geising, und all die bunten Gebirgskräuter sterben unter zischendem Stahle. Schnell gilt es auf den Wiesen der Kammorte zu heuen. Die dunkelste Farbe trägt diese Gegend auf Sachsens Niederschlagskarte. Schon im Herbstmond hetzt oft zerfetzter Nebelflug am basaltnen Wetterberge vorüber. Und wenn der Bergwinter auf den Wiesen lastet, dann erinnert der Heuwagen den Talsiedler an ihre Sommerbuntheit, wie sie so wundersam leuchtete kurz vor den Tagen, in denen der Sensentod über die Hänge ging. Mehr als ihr Vieh brauchte, heimsten die Gebirgler an Heu ein, darum brachten Botenfuhrleute den überschüssigen Erntesegen aus Altenberg, Geising, Zinnwald, Fürstenau, Fürstenwalde und Bärenstein an bestimmten Tagen im Wochenlauf in die Hauptstadt des Landes zum Heumarkt. Zwölfmal überholte dabei der lange Weiser den kurzen auf Fuhrmanns Taschenuhr. Und heute? Nur selten fährt noch ein Heuwagen vom Gebirge zum Elbufer. Der Heubedarf nahm auf dem Markt erheblich ab, als das Lastauto die Zugtiere großer Betriebe ablöste. Der Häusler »droben« braucht jetzt meist selbst seine Bergwiesenernte. Immer mehr Sommergäste weilen in den Kammorten, und da er sie mit stärkender Ziegen- oder Kuhmilch bewirtet, so stellt er mehr Vieh in seinen Stall. Da kann kein Heu mehr verkauft werden. Nahe gerückt ist der Tag, an dem das letzte Heufuhrwerk vom Grenzwalde das Tal hinab fährt und damit für den Heimatfreund die wehmutsbange Stunde, in der er ein Stück alte Talschönheit für immer hinwegfahren sieht.
Abb. 8 Heufuhrwerk aus Altenberg
(Aufnahme des Verfassers)
Regelmäßig fährt ein brauner Brotwagen auf der Talstraße. Jeden Dienstag zur bestimmten Stunde rollt er über die Brücke vor der Schüllermühle, um das Mühlenbrot ins Nachbarstädtchen Glashütte zu bringen. Wenn die Seiten- oder Hintertür geöffnet wird, dann gucken aus vielen Fächern die braunen »Laibe« heraus. Ein Geländer auf dem Wagendache läßt die Körbe nicht herunterfallen.
Abb. 9 Blick nach der Dittersdorfer Straße (links) und ins Kohlbachtal (rechts)
(Aufnahme von Max Nowack, Dresden)