Weniger deutlich tritt der Zeitunterschied beider Gruppen in den Bronzebeigaben hervor. Geflügelte Pfeilspitzen ([36]), Messerklingen, zuweilen ein Angelhaken vertreten das Kleingerät des täglichen Gebrauchs; einfache oder spiralgewundene Finger- und Armringe aus glattem oder tordiertem Draht ([35]), flache Knöpfe mit Ösen, Röllchen aus spiraliggewundenem Draht oder Bronzeband, flache Drahtspiralen, zum Teil vielleicht Bruchstücke von Brillenfibeln ([33]), den Kleinschmuck. Derartige Dinge kommen in beiden Gruppen vor und haben sich aus der älteren bis in die jüngere Zeit vererbt. Sehr beliebt scheinen Schmucknadeln ([26 bis 32]) gewesen zu sein, die sich überall vorfinden. Solche mit quergeriefelt-linsenförmigem ([26]), kugeligem, kegel- ([27]) oder scheibenförmigem Kopf ([28]) oder mit breitgehämmertem, eingerolltem Ende ([29]) treten in den älteren wie jüngeren Bronzezeitgräbern auf, in den ersteren auch hirtenstabartig gebogene ([30]), in den letzteren solche mit quergeripptem, keulen- ([31]) oder mit vasenförmigem Kopf ([32]). Viereckige Rasiermesser mit Griffansatz ([34]) gehören zu den Beigaben der jüngeren Gruppe. Auch Edelmetall, Gold, ist den bronzezeitlichen Bewohnern unsrer Gegend nicht unbekannt gewesen, wie kleine Spiralröllchen und Armringe bezeugen. Scheiben- und erbsenförmige Perlen aus Ton oder Bernstein, tönerne Spinnwirtel und pyramidenförmige Gewichte, weiter kleine Ringe und Anhänger (Amulette?) aus flachen Steinen und flaschenförmige Tonklappern ([38]) in der jüngeren, ei- oder tonnenförmige ([37]) in der älteren Gruppe vervollständigen das Inventar der Gräber, in deren Steinsetzungen auch Getreidemühlen aus Sandstein oder Quarzporphyr zuweilen Verwendung gefunden haben.
Wenig Veränderung in die während der Bronzezeit herrschenden Verhältnisse hat das Eisen gebracht, dessen Kenntnis sich etwa um 800 v. Chr. durch die nordwärts über Mähren und Schlesien vordringende, in Südeuropa heimische ältere vorrömische Eisenkultur, die Hallstattkultur, über die Lausitz bis zum Elbtal verbreitete. Auf ihrem Wege hat die neue Kultur durch Berührung mit der älteren bronzezeitlichen neue Typen geschaffen, es entstand eine Mischkultur, besonders in der Keramik, die nach dem am längsten bekannten Fundort an der Oder als »Billendorfer Typus« bezeichnet wird. Die den älteren Gefäßen eigenen scharfkantigen Profile sind verschwunden, es entstehen weichere, gerundetere Formen von großer Mannigfaltigkeit und sorgfältigster Ausführung, die einen großen Fortschritt in der Kunst des Töpfers bekunden. Als Typen erscheinen jetzt flaschenförmige Gefäße mit nach oben verjüngtem Hals, dessen Rand nach außen umgelegt ist ([39], [40]), ähnlich gestaltete Krüge mit hochgeschwungenen Henkeln und kleiner Standfläche ([41]), zuweilen nach unten zugespitzt ([43]), und weitmundige Tassen, Formen, die unverkennbar auf den Einfluß der Hallstattkultur hinweisen. Hierzu treten schmucklose, tonnenförmige Gefäße mit zwei Henkeln ([46]), ovale Dosen mit Scheidewänden ([50]), die aus zwei oder drei Einzelgefäßen zusammengesetzten Zwillings- und Drillingsgefäße ([51]) und die sogenannten Räuchergefäße mit durchbrochenem Fuß ([47]), die oft auf flachen Tellern stehen. Auch äußerlich unterscheidet sich der Billendorfer Typus von dem Lausitzer durch die vorwiegend dunkle, schwarze oder tiefbraune Färbung der Gefäße. Nicht selten ist die Außenfläche mit einem glänzenden Graphitüberzug versehen und reich verziert mit schmalen Horizontalfurchen, die durch Bündel von Quer- oder Bogenrillen ([45]) unterbrochen werden, mit Gruppen paralleler Striche in Dreiecksstellung ([41], [42]) und Tupfenreihen ([45]), die Innenseiten von Schalen zuweilen mit sternförmigen, in Graphit gemalten Mustern. Zum ersten Male erscheinen auch figürliche Darstellungen von Menschen, Tieren und Bäumen in einfacher Strichzeichnung ([39], [40]).
Neben bronzenen findet man nun, wenn auch noch spärlich, Beigaben aus Eisen. Geschlossene, offene ([62]) oder spiraliggewundene Ringe und Schmucknadeln mit vielgestaltigem Kopf ([52 bis 55], [58], [59]), unter diesen die typische Schwanenhalsnadel mit S-förmig gekrümmtem Hals ([54], [55]) aus Bronze oder Eisen, gehören zu den häufigen Beigaben. Seltener sind eiserne Bügelfibeln mit kurzer Spiralfeder und senkrecht umgebogenem Fußende ([56]), mit getriebenen Buckelchen geschmückte Anhänger aus Bronzeblech ([64]), eiserne oder bronzene Pinzetten mit oder ohne Schieber ([63]), Knochennadeln ([60], [61]), Glasperlen, gerade eiserne Messer mit Resten des Holzgriffs und tönerne Klappern in Vogelgestalt ([57]). Hügelgräber sind in der frühen Eisenzeit in unsrer Gegend unbekannt, nur Flachgräber mit zum Teil recht ansehnlichen Steinsetzungen.
In den letzten Jahrhunderten v. Chr., in der jüngeren vorrömischen oder Latène-Zeit, nehmen die Urnenfelder an Zahl und Ausdehnung ab und beschränken sich auf Nordwestsachsen bis zum Elbtal. Die Gräber stammen mit wenigen Ausnahmen aus den älteren Abschnitten dieser Periode. Bekannt sind nur Flachgräber, die sich durch Armut an Gefäßen von denen der älteren Zeit unterscheiden. Die Urnen kann man leicht in zwei durch Herstellungs- und Verzierungsweise auffallend verschiedene Gruppen trennen. Die der einen Gruppe sind freihändig aus grobsandigem Ton hergestellt, schmutziggrau oder braun gefärbt, terrinen- ([65 bis 67]) oder tonnenartig ([68]), zum Teil mit kaum abgegrenztem Hals und meist ohne Henkel, die an einzelnen durch paarig senkrechte oder hufeisenförmige Wülste ersetzt sind. Als Verzierungen werden Tupfenreihen ([65]), horizontale und winkelig gebrochene, von Einstichen begleitete Furchen ([66]) oder mit einem mehrzinkigen Werkzeug ausgeführte Bogenlinien ([67]) angebracht, auch ist der Gefäßbauch zuweilen in abwechselnd rauhe und glatte, auch gestrichelte Felder eingeteilt ([68]). Die Gefäße der anderen Gruppe dagegen sind aus feingeschlämmtem Ton auf der Töpferscheibe angefertigt, sauber geglättet und schwarz gefärbt. Nach oben und unten konisch verjüngte Näpfe ([69], [75]) und becherartige Formen ([70]), durch aufgeklebte Tonleisten gegliedert, herrschen vor. Auf einzelnen Stücken sind innen oder außen konzentrische Ringel in Dreiecksstellung ([75]), selten S-förmige Ornamente um den Boden herum eingestempelt. Die Gefäße der ersten Gruppe dürften heimische Erzeugnisse, die der letzteren Importware aus Westdeutschland sein. Beigefäße, roh gearbeitete Näpfchen und Täßchen ([71 bis 74]), enthalten die Latène-Gräber nur in geringer Zahl.
Schmuck- und Gebrauchsgegenstände werden jetzt dem Toten reichlicher beigegeben. Hier sind vor allem die für die Altersbestimmung wichtigen Gewandnadeln oder Fibeln zu nennen, deren älteste Form mit freiem Schlußstück ([77]) aus den meisten Latène-Gräbern, deren jüngste mit ungetrenntem Nadellager und Schlußstück ([79]) aber nur in wenigen Exemplaren bekannt ist. Zu den häufigeren Metallbeigaben gehören weiter Gürtelhaken in mancherlei Gestalt, einfache Bänder mit umgebogenen Enden ([80]), sporn- ([81]) oder stabförmige ([86]) aus Eisen, dreieckige, durchbrochene aus Bronze oder aus einer mit verziertem Bronzeblech und Knöpfen besetzten Eisenplatte ([85]). Neue Typen sind eine eiserne oder bronzene Nadel mit Kopfscheibe und aufgenietetem Bronzekegel, die Tutulusnadel ([82]), der mit Buckeln verzierte Paukenring, eiserne und bronzene Ketten mit in Tierköpfen endenden Haken, wohl Wehrgehänge, und die geschmackvoll ornamentierten Segelohrringe ([84]).