Aus der Zeit nach Christi Geburt, der römischen Kaiserzeit, sind nur noch wenige Urnenfelder bekannt; Sachsen scheint damals durch die beginnenden großen Völkerbewegungen bereits entvölkert zu sein. Aus den ersten beiden Jahrhunderten stammen zwei Brandgräberfelder in Sachsen westlich der Elbe, aus dem dritten und vierten Jahrhundert außer einzelnen Gräbern nur ein solches in der Lausitz das aber eine Sonderstellung einnimmt durch die Art der Bestattung der Knochenreste wahrscheinlich in Holzgefäßen, nicht in Urnen aus Ton. Das Inventar der Gräber unterscheidet sich namentlich durch die Keramik. Die Gefäße der älteren Urnenfelder haben ausschließlich Becherform ([87], [89]), sind tiefschwarz, oberflächlich glänzend geglättet und reich verziert, oder rotbraun und schmucklos. Das häufigste Verzierungsmotiv ist der Mäander, meist als Treppenmäander, nach unten durch eine Reihe von Dreiecken abgeschlossen; der Gefäßbauch wird durch Doppellinien in Felder geteilt, in denen Ringe oder auch Hakenkreuze angebracht sind ([87]). Alle Linien werden von mehrfachen Reihen viereckiger Grübchen, die mit einem Rollrädchen eingedrückt sind, gebildet. Daneben kommen als Ornament auch Dreiecke, mit Grübchen gefüllt ([89]), vor. Alle Gräber enthalten nur eine Urne, keine Beigefäße, Steinsetzungen fehlen. Anders ist die Keramik der jüngeren Urnenfelder der römischen Kaiserzeit, in denen neben rohgearbeiteten Näpfen ([88]) Terracottagefäße römischer Arbeit ([90], [91]) gefunden werden.

Im Inventar der Gräber der frührömischen Kaiserzeit spielen Waffen eine große Rolle: eingerollte eiserne Schwerter ([92]), Lanzen ([93], [94]), Schildbuckel ([105]) und Schildfesseln ([102]), diese auch aus Bronze. Zum Schleifen der Waffen dienten Wetzsteine aus feinkörniger Grauwacke ([100]). In den Gräbern der späteren Gruppe ist dagegen fast immer die Axt ([99]) enthalten, daneben Lanze und Pfeil. Beiden Gruppen gemeinsam sind gerade und sichelartig gebogene Messer ([96], [95]), Hakenschlüssel ([98]) und Federscheren ([97]) aus Eisen und eiserne oder bronzene Schnallen ([104], [106]). Von Schmucksachen enthalten die Gräber der ersten beiden Jahrhunderte n. Chr. reichlich provinzialrömische Fibeln in verschiedenster Ausführung ([103], [108 bis 110]), selten ein goldenes Ohrgehänge ([107]), die des späteren Abschnitts vereinzelt eine silberne oder goldbelegte Rollenfibel, einen Knochenkamm oder Glasperlen.

Mit dem Ende des römischen Kultureinflusses und dem Vordringen des Christentums verschwindet aus unsrer Gegend auch die Sitte der Leichenverbrennung und der Anlage von Urnenfeldern. Ihre Stelle nimmt seit der Mitte des ersten nachchristlichen Jahrtausends wieder die älteste Bestattungsform, die Beerdigung der Toten, ein, die bis in die Gegenwart die allein übliche geblieben ist. Erst der jüngsten Zeit ist es vorbehalten gewesen, aus wirtschaftlichen und hygienischen Gründen die Leichenverbrennung wieder einzuführen.

Der Dresdner Totentanz

Von Edgar Hahnewald

Um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts tauchen in der bildenden Kunst die Totentänze auf, reigenartige Darstellungen, in denen der Tod Menschen aller Stände in sein dunkles Reich führt. In der graphischen Kunst fand Hans Holbein für dieses Thema den geistigsten, erschöpfendsten Ausdruck.

Auch die plastische Kunst hat sich mit diesem Thema beschäftigt. Dresden darf sich rühmen, eins der wertvollsten Werke dieser Art zu bergen. Es ist der um 1535 vom Steinmetzen Hans Schickentantz geschaffene Reigen des Todes – es ist ein merkwürdiges Spiel des Zufalls, daß der Meister so hieß, der den Tanz schilderte, in den sich jeder schicken muß. Seit 1733 – Flechsig nennt die Jahreszahl 1737 – ist dieses Werk nicht gerade glücklich an der Mauer des Neustädter Friedhofes an der Friedensstraße aufgestellt. Dieser entlegene Standort mag schuld daran sein, daß nur die wenigsten Dresdner das Werk kennen, das unter den Wettern langsam, aber unaufhaltsam der Zerstörung anheimfällt. Leider haben sich alle Versuche, dem fortschreitenden Verfall Einhalt zu tun, als nutzlos, eine Versetzung in den trockenen, geschützten Raum etwa einer Kirche hat sich als unmöglich erwiesen, und spätere Geschlechter werden sich mit dem Abguß begnügen müssen, den der Sächsische Altertumsverein hat anfertigen lassen.