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Sein Bau überdauerte ihn um anderthalb Jahrhunderte. Dann zerfraßen die Flammen die steinerne Pracht.

Als August der Starke über den Ruinen von neuem bauen ließ, wurde der Totentanz, der als Fries zwischen dem zweiten und dritten Obergeschoß angebracht war und durch einen reich verzierten Erker in zwei ungleiche Hälften geteilt wurde, herabgenommen. Da aber die Skulpturen mit eisernen Bändern, Ankern und Klammern und eingegossenem Blei befestigt waren, ging diese schwierige Arbeit nicht ohne Trümmer ab. Die fünf letzten Figuren stürzten herab und zerbrachen.

Den Fries überwies man der Kirchengemeinde zu Dresden-Neustadt, die ihn aber erst 1721 an der Mauer des alten Friedhofes am Ende der Rähnitzgasse aufstellte, nachdem der Bildhauer Johann Emanuel Brückner die zerbrochenen Teile durch vier neue Figuren ersetzt hatte, die trotz dem offensichtlichen Versuch, sie dem Stil des Renaissancemeisters anzupassen, das barocke Empfinden des Nachschöpfers nicht verleugnen.

Magister Hilscher dichtete Verse zu den Gruppen des Totentanzes, die unter das wieder aufgestellte Werk geschrieben und ihm später auch am neuen Standort beigefügt wurden. Die Verse sind hier auf diesen Blättern in der älteren Fassung nach einem alten Lichtbilde wiedergegeben, in der sie von der jetzigen Fassung in einzelnen Worten abweichen.

Als dann 1733 wegen des Neubaues der Dreikönigskirche der alte Friedhof in der Rähnitzgasse beseitigt und ein neuer bei den Scheunenhöfen angelegt wurde, versetzte man auch den Totentanz dorthin, wo er heute noch steht.

Auf allen diesen Wegen veränderte sich auch das Aussehen des Frieses nicht zu seinem Vorteil. Denn ursprünglich waren die Figuren auf himmelblauem, später auf dunkelrotem Grunde farbig bemalt. Nach der Neuaufstellung wurde aber das Ganze einmal weiß, einmal gelb überstrichen, und nach 1813 prangte der Fries sogar einmal in den sächsischen Landesfarben: weiße Figuren auf grünem Grunde.

Die Verwitterung tat das ihrige, die ursprüngliche Schönheit anzugreifen. Aber auch heute noch, trotz allen Spuren des Verfalls, spricht das Empfinden seiner Schöpfer erschütternd aus diesem Reigen.

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Auch in diesem Totentanz tritt der Tod als der unerbittliche Führer auf, dem alle ohne Unterschied folgen müssen. Er schreitet voran, einen Weinkelch erhebend und die Schalmei blasend. Nach der Schar seiner Opfer sieht er sich nicht um – er weiß: sie folgen ihm alle. Sein wehender Haarschopf, grausig an diesem kahlen Gebein, deutet das unaufhaltsame Dahin an, an das die Verse mahnen: