Und Porzellan auf ausgeschnittnem Rasen.

Und buntes Gitterwerk und – eines such ich nur;

Ist’s möglich, daß was fehlt?

Nichts weiter – als Natur!«

Tief wirkte der biedere Gellert mit seiner bescheidenen, in sich gekehrten Frömmigkeit. Andere Töne schlägt Salomon Geßner an mit seinen elegischen Hirtendichtungen. »Zu kühner Mensch,« ruft Geßner aus, »was überwindest du dich, die Natur durch weiter nachahmende Künste zu schmücken … Mir gefällt die ländliche Wiese und der verwilderte Hain.« Er war mehr Landschaftsmaler als Dichter. Zahlreiche Kupferwerke der »idealischen wie der Naturmalerei« von Meinert, Stieglitz, Klinsky, Veith, Günther, Darnstedt, Senft, den beiden Wiziani und anderen erscheinen. In den Reisebeschreibungen findet die Naturschilderung Eingang. Der Name »Sächsische Schweiz« tritt auf und die Gründe um Dresden und im übrigen Sachsenlande finden begeisterte Schilderer. Der Aesthetiker Sulzer spricht in seinem »Versuch einiger moralischer Betrachtungen über die Werke der Natur« von »unserem Pope« und weist in seiner »Allgemeinen Theorie der schönen Künste« 1778 auf die chinesischen Vorbilder hin. In den Architekturausstellungen der Akademie 1771/72 treten in den Entwürfen von Krubsacius und seiner Schüler beide Gartenstile auf. Im selben Geist wirkte die Zweiganstalt der Akademie in Leipzig unter Oeser und Dauthe. In Oeser, der mit Winckelmann eng befreundet war, findet die Antike einen begeisterten Anhänger – manche Denkmale in sächsischen Gärten geben davon Zeugnis. Das bedeutsame fünfbändige Werk »Theorie der Gartenkunst« (1779 bis 1785) von dem Kieler Professor Christian Cajus Hirschfeld, ist durchdrungen von den Ideen des neuen Stiles und dürfte in Sachsen besondere Beachtung gefunden haben, als es zahlreiche Entwürfe zu Gartenarchitekturen enthält von den sächsischen Künstlern: Weinlig und Schuricht.

Der strenge klassische Geist, vermischt mit sentimentalen Empfindungen, der Sinn für Natürlichkeit, für einfache mit Schindeln und Stroh bedeckte Hütten und der Geist der Romantik in Gestalt einer alten verfallenen Ritterburg spricht aus Schuricht’s Entwürfen, die er Hirschfelds Theorie beifügte. Charakteristisch ist der plastische Schmuck. Nun werden die Kindergenien, die man in der vorausgegangenen Epoche Amoretten nannte, die Genien mit der Fackel, die weinenden Grazien, die trauernden Nymphen oder Dryaden, Psyche selbst, der Schmetterling als Psyche, endlich Blumenkränze, Festons und Inschriften, Ausdrucksmittel der Empfindung. Sie schmücken die verschiedenen Tempelformen und ebenso die Obelisken, Pyramiden, Säulen, Sarkophage, die Eingang in den Garten finden zur Verschönerung und Vertiefung der einzelnen Szenen, als Denkmale von Helden, Gelehrten und Dichtern. Die Totenurne spielt auf einmal eine merkwürdige Rolle in der Plastik. Wir finden sie überall in der Gartenarchitektur verwendet, ohne daß sie irgendwie eine andre Begründung hätte, als die allgemeine Stimmung der Zeit zum Ausdruck zu bringen.

Abb. 2 Hermanns Denkmal aus dem Seifersdorfer Tal. (Nach Becker)

Zur Charakteristik wollen wir aus der großen Zahl von Gartenschöpfungen aus dieser Zeit, die alle mehr oder weniger ausführlich in meiner »Sächsischen Gartenkunst« (Verlag Deutsche Bauzeitung, Berlin) behandelt sind, zwei markante Beispiele herausgreifen. Das »Seifersdorfer Tal« und den Garten zu Machern, beide noch nahezu in altem Zustand erhalten und durch Literaturquellen uns so überliefert, daß wir uns ein klares Bild von den Schöpfungen und vor allem auch von dem Geist, aus dem heraus sie entstanden, schaffen können. Die Abbildungen sind mit freundlicher Genehmigung des Verlags ebenfalls meinem Buche entnommen.