Abb. 3 Tempel der Musen mit Wielands Büste aus dem Seifersdorfer Tal. (Nach Becker)

Das Seifersdorfer Tal. »Ich sah das Tal in einer Sommernacht. Über dem Eingang in die Tiefe wölbten sich die Äste der hohen Buchen und Ulmen. Das Geheimnis wohnte unter ihrem Schatten. Der Mond ging auf; und die gemeine Welt verschwand. In der Stille leuchtete durch die finstere Wölbung des Waldes die Erinnerung an schöne Phantasien. Ich erstieg die Höhe, und vor mir lag jene arabische Landschaft des Ariost. Der Morgen rief mich in das dichterische Tal zurück. Ich sah hier Dantes Begeisterung; ich hörte Petrakas Klage, ich verstand dein Herz, freundlicher York! Ja du wohnst hier mit deiner schönen Schwärmerei in der Hütte zum guten Moritz, und in jener Einsiedelei an der waldigen Bekränzung des Röderstromes.« So berichtet Hasse, in »Dresden und die umliegende Gegend«, 1804. Mit solchem Geist der Empfindsamkeit muß man das Tal zu durchwandern suchen, dann wird lebendig, was jene Zeit in ihm fand und erlebte. Wir benutzen zur Charakterisierung des Zeitgefühles die Abhandlung von W. G. Becker. Das Seifersdorfer Tal mit vierzig Kupfern von J. A. Arnstedt, Leipzig 1792. »Hohe Schönheit wird durch untergeordnete gehoben«, erklärt Becker, »und Kontraste dienen ihr zum Rahmen. Dieses bewunderungswürdige Gemälde der Natur ist nur ein Ganzes, insofern es unzählige Bilder vereinigt, die durch unbegreifliche Anordnung des Furchtbaren und Reizenden, des Erhabenen und Einfachen, des Lebhaften und Ruhigen untereinander verbunden, wieder ebensoviele vollkommene Gemälde darstellen, als einzelne Szenen im allumfassenden Ganzen.« Das Tal entstand von 1781 an unter dem Einfluß der Gräfin Christiane (Tina) von Brühl in der Nähe des Städtchens Radeberg »da zieht sich eine Viertelstunde vom Dorfe gegen Süden, von Liegau nach Grünberg zu, einundeinehalbe Stunde lang ein gefälliges Tal, durch welches die Räder (Röder) sich windet, ziemlich bewachsene Berge, die nur hie und da, durch Mannigfaltigkeit das Auge zu vergnügen, in nackter Blöße sich zeigen, und ihre schönen malerischen Felspartien dem Auge zur Bewunderung darstellen, bilden, etwas breiter, bald enger, das liebliche Tal, das grünende Wiesen zu Teppichen hat, und Bäume und Gebüsch von mancherlei Art zu angenehmer Verzierung und zur Beschattung des Wanderers, sowie der schleichenden Räder und ihrer Bewohner.«

Abb. 4 Lauras Denkmal im Seifersdorfer Tal (heutiger Zustand)

»Den ersten Gedanken zu dieser Verschönerung gab eine feierliche Szene häuslichen Glücks. Die Gräfin weihte darin ihrem Gemahl einen Tempel, zu ländlichen Freuden bestimmt. Solcher Veranlassung dankte das Tal die ersten Anlagen, welche bald mit anderen Gegenständen angenehmer und wehmütiger Erinnerung vermehrt wurden. Endlich verband man damit, nach einem geschmackvollen Plan, auch andere Gegenstände, und suchte sowohl den Verstand als auch das Herz zu beschäftigen. Überall leuchtete der Geist, das Gefühl der Besitzer hervor. Ungeachtet der biedere Graf an allen diesen Anlagen nicht geringen Teil hat, so ist es doch vorzüglich seine geistvolle Gemahlin, welche die meisten romantischen Gemälde des Tales geschaffen, daher es denn von einigen den Namen Tina-Tal erhalten. Auch der verdienstvolle Sohn Graf Carl hat nicht wenig der Szenen gepflegt.« Man folgte hierbei dem Grundsatz: »Der Geschmack im englischen Garten sei einfach und edel, wie die Natur selbst, weder gesucht noch geputzt, bloß durch Gegenstände des Nachdenkens und der Empfindung gehoben.« Sie bestanden in Denkmälern, Tempeln und Hütten. Sie erinnern an in der Ferne ruhende Tote, an Musen und Grazien, an Freundschaft und Gastlichkeit, an die Pfleger des Tales, das gräfliche Ehepaar, wie an die Sänger des Tales, den Komponisten Naumann und den Dichter Neumann. Die Großen am Weimarschen Hofe sind noch ohne Einfluß auf dieses Leben, in dem Gellertscher Geist noch vorherrscht. Zur Vertiefung und Deutung der beabsichtigten Stimmungen treten Inschriften hinzu.

Auf dem Lageplan ([Abb. 1]) gibt eine Erklärung über die Lage und Bezeichnung der verschiedenen Szenerien Aufschluß. Wir greifen zur Charakteristik die durch Abbildungen einigermaßen verdeutlichten Szenen heraus.

Abb. 5a Denkmal des Prinzen Leopold von Braunschweig Aus dem Seifersdorfer Tal. (Nach Becker)

Abb. 5b Denkmal des Herzogs Leopold von Braunschweig im Seifersdorfer Tal (Heutiger Zustand)