Abb. 13 »Tempel des Amor« im Seifersdorfer Tal (heutiger Zustand)
»Eine Sanduhr in jeglicher Hand erblick ich den Amor!
Wie? Der leichtsinnige Gott! mißt er uns doppelt die Zeit?
Langsam rinnen aus einer die Stunden entfernter Geliebten,
den Gegenwärtigen fließt eilig die Zeit.«
Abb. 14 Grundriß des Schloßgartens zu Machern
(Nach J. E. Lange: Machern. Für Freunde der Natur und Gartenkunst)
[Details]
Wenn wir diese Denkmäler, von denen wir einige wenige herausgriffen, kritisch betrachten, so müssen wir feststellen, daß man von Kunstwerken allgemein nicht sprechen kann. Wir dürfen sie nicht auf ihre äußerliche Form, sondern müssen sie auf ihren Stimmungswert, in dem sie die Zeitgenossen schufen, betrachten und finden dann das Seifersdorfer Tal als eines der charakteristischsten Kulturdenkmale jener Zeit. »Du siehst,« sagt Hasse, »überall den Charakter des Naiven und Unschuldigen; du hörst den lieblichen Idyllenton; du wandelst unsichtbar von guten Menschen umgeben. Hast du Lorenzos Stimmung, so kannst du hier tagelang schwärmen.« Doch melden sich auch in der Entstehungszeit des Tales schon kritische Stimmen, denn Hasse fährt fort: »In Seyfersdorf spricht, so vielfach auch die Anlagen sind, nur eine ruhige, etwas schwärmerische Empfindung zu deinem Herzen. Die Idee des Einfachen scheint die einzige Regel der ganzen Anlage zu seyn; daher bemerkst du Mangel an Abwechselung. Die vielen Tempelchen und Hütten haben etwas Eintöniges, und die Entfernung alles Kunstgepränges giebt hier und da der Dekoration etwas Kleinliches. Will man kunstrichterlich absprechen, so läßt sich freilich Seyffersdorf mit Wörlitz nicht vergleichen. Hier ist mit edler Pracht die Kunst der Alten und Neuern vereinigt.«